Renault 4 4 Latas Netflix

„Renault 4“ // Deutschland-Start: 12. Juli 2019 (Netflix)

Die Nachricht hat Tocho (Hovik Keuchkerian) schon sehr getroffen: Sein alter Freund Joseba (Enrique San Francisco) liegt im Sterben. Lange haben sie sich nicht mehr gesehen. Ein Grund mehr, den Dritten im Bunde, Jean Pierre (Jean Reno), zu einem gemeinsamen Besuch zu überreden. Der hat zunächst zwar keine große Lust darauf, ist aber ebenso wie Josebas entfremdete Tochter Ely (Susana Abaitua) dann doch bereit, die lange Reise von Spanien nach Mali anzutreten. In Gedenken an frühere Abenteuer des Trios wagen sie sich sogar an Bord einer ausgedienten Rallye-Maschine, um damit quer durch die Wüste zu fahren.

Die größte Überraschung des neuen Netflix-Films Renault 4 dürfte die sein, Jean Reno (Léon – Der Profi) fließend Spanisch reden zu hören – zumindest für diejenigen, die nichts über die Biografie des Schauspielers wussten. Er ist zwar einer der international bekanntesten Darsteller Frankreichs, geboren wurde er jedoch in Marokko als Sohn spanischer Eltern. Wenn er nun in einer spanischen Komödie durch Afrika tuckert, dann ist das eine Art kleines Heimspiel für ihn. Umso mehr, da der Film sich auch sonst gern international gibt: Da wird mal Spanisch gesprochen, dann Französisch, man wechselt zum Englischen, auch ein Japaner taucht zwischendrin auf. Und das alles mitten in Afrika wohlgemerkt.

Auf der Suche nach einer Richtung
Abwechslung, so wird früh klar, war dem spanischen Regisseur und Co-Autor Gerardo Olivares sehr wichtig. Ständig passiert hier irgendetwas, das Trio fährt von einem Missgeschick ins nächste und trifft dabei kuriose bis fiese Gestalten. Die nicht vorhandenen Schatten reichen dabei weit zurück, in der einen oder anderen Form fährt immer die Vergangenheit mit. Gleichzeitig will Renault 4 aber auch sehr aktuell sein, wenn einer der diversen Handlungsstränge sich mit dem Schicksal eines Flüchtlings auseinandersetzt, der die umgekehrte Richtung nach Spanien eingeschlagen hat.

Allgemein versucht Renault 4 den Spagat zwischen komischen und ernsten Themen. Während die meisten Erlebnisse auf der Fahrt recht absurder Natur sind, wird es dann und wann auch bitter. Alkoholsucht wird angesprochen, Entfremdung innerhalb der Familie, Krankheiten. Olivares ist bemüht darum, Spaß mit etwas Nachdenklichkeit zu verbinden. Das klappt jedoch nur in Ausschnitten. Eben weil der Film gerne mal hierhin, mal dorthin fährt, wird keine Richtung wirklich konsequent verfolgt. Die spanische Produktion wirkt oft willkürlich bei dem, was sie zeigt und tut, ohne echten Plan.

Exotische Beliebigkeit
So etwas kann sehr charmant sein, bei Roadmovies ist der Weg bekanntlich meistens das Ziel. Im Fall von Renault 4 wird daraus jedoch eine wenig begeisternde Beliebigkeit. Die Annäherung zwischen den Figuren, die wird beispielsweise vorausgesetzt, weniger erarbeitet. Manches taucht aus dem Nichts auf, verschwindet auch wieder dorthin. Außerdem ist es eher unschön, wenn der Tod eines Freundes als Aufhänger für eine Geschichte missbraucht wird, für den sich praktisch niemand interessiert. Dadurch bekommt die Herzensangelegenheit eine unangenehm zynische Note, die im Widerspruch zu den Wohlfühlelementen steht.

Was den Film sicherlich auszeichnet und auch ein wenig von den anderen ähnlichen gelagerten Roadmovies abhebt, das ist das Setting. Wie oft kommt man schon dazu, einmal die Sahara zu durchqueren? Kameramann Gonzaga Manso genießt diese Ausnahmesituation dann auch sichtlich und lässt immer wieder den Blick schweifen, über die zuweilen endlos erscheinenden Sanddünen. Das sorgt dann für das notwendige Quäntchen Exotik, ein kleiner Urlaubsersatz, wenn man so möchte. Wem das reicht und auch keine großen Ansprüche an den Humor stellt, der kann durchaus ein wenig Zeit mit dem kantigen Trio verbringen, selbst wenn die Geschichte selbst schwammig bleibt.

Renault 4
4.4 (88%) 10 Artikel bewerten

Renault 4
In „Renault 4“ schnappen sich zweit alte Freunde ein ebenso altes Auto, um den im Sterben liegenden Dritten zu besuchen – zusammen mit dessen Tochter. Der Film ist ein typischer Roadmovie, bei dem der Weg das Ziel ist. Der ist dann auch schön anzusehen, bekommt durch die Sahara-Route eine exotische Note, selbst wenn die Geschichte an sich sehr beliebig und willkürlich ausfällt.
5von 10

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