„Trump: An American Dream“, UK, 2017
Regie: Barnaby Peel; Musik: Matthew Cracknell

Trump An American Dream

„Trump: An American Dream“ ist seit 30. März 2018 auf Netflix verfügbar

Da wird ein Krieg per Twitter angekündigt, Journalisten sollen nach Gefälligkeit landesweit kategorisiert werden und der südliche Nachbar wird dazu aufgefordert, eine Mauer zu finanzieren, damit er selbst nicht mehr ins Land kann – keine Frage, Donald Trump hat als 45. Präsident der USA die politische Landschaft verändert. Hat unsere Vorstellung davon verändert, was Politik sein kann, was sie sein muss. Worauf es eigentlich ankommt, wenn man die größte Weltmacht anführt. Ob es überhaupt noch auf etwas ankommt.

So manch einer wird laut aufgestöhnt haben, als bei Netflix Trump: An American Dream online ging. Als würden wir nicht täglich mit neuen Details zu Sex-Skandalen, Landesverrat und Kriegsfantasien bombardiert, braucht es da wirklich noch mehr von dem Zeug? Das vielleicht nicht. Wie auch immer man zu dem umstrittenen Präsidenten steht, die Dokuserie wird daran nichts ändern. Wie er tickt, was ihm wichtig ist, darüber sind wir laut seiner nicht unbedingt zurückhaltenden Twittertiraden bestens informiert. Entweder man stimmt ihm zu. Oder man lässt es. Die vier TV-Stunden, die seinem Leben gewidmet sind, dürften darauf nur wenig Einfluss haben.

Zahlreiche Einblicke in ein ungewöhnliches Leben
Unterhaltsam ist die Doku aber auf alle Fälle, und sei es nur für die vielen Anekdoten, mit der sie angereichert ist. Grob chronologisch angeordnet sind diese und aus jedem Bereich seines Lebens entnommen. Da sind welche persönlicher Natur dabei, wenn seine Mutter über Kindheitserinnerungen spricht, auch die diversen Affären dürfen nicht fehlen. Den geschäftlichen Unternehmungen wird viel Platz eingeräumt, angefangen bei den zweifelhaften Immobilien-Deals, die er ausgehandelt hat. Und natürlich wird auch über seine politischen Ambitionen gesprochen, die sehr viel weiter als seine derzeitige Präsidentschaft zurückreichen.

Über Letztere wird dabei fast gar nicht mehr gesprochen, aktuelle Entwicklungen zur Russland-Ermittlung, Syrien oder dem Fall Stormy Daniels kommen in Trump: An American Dream nicht vor. Allgemein enthält die Doku nichts wirklich Neues: Wer der Karriere Trumps gefolgt ist, der klappert hier bekannte Stationen ab, trifft übliche Verdächtige. Von denen gibt es dafür aber eine ganze Menge. Der britische Regisseur Barnaby Peel hat alte Weggefährten wie auch Gegner befragt, die Interviews um historische Aufnahmen, die eine oder andere Texteinblendung sowie Zeitungsüberschriften ergänzt.

Zwischen Komik und Horror
Das ist formal nicht wirklich einfallsreich, enthält aber doch so viele exzentrische Zwischenfälle, dass einem das schon gar nicht mehr auffällt. Ob sich Trump als ein eigener PR-Sprecher ausgibt, kuriose Begründungen für seinen Ehebruch liefert – „Ich schlafe nicht mit Frauen, die Kinder bekommen haben“ –, sich von seinen eigenen Kindern Lobeshymnen vor der Kamera einholt oder auf Jagd nach Barack Obamas Geburtsurkunde geht, man würde vieles von dem nicht glauben, wäre es nicht so umfassend dokumentiert. Eine Geschichte, die zu absurd ist, als dass man sie erfinden könnte.

Peel hält sich dabei selbst komplett zurück, bewertet nicht, liefert keine Kommentare. Er lässt lieber andere bzw. Trump für sich selbst sprechen. Diese vielen Einzelszenen bleiben natürlich Stückwerk, zumal sie auch Jahrzehnte abdecken müssen. Aber sie setzen sich doch zu einem spaßigen wie erschreckenden Porträt eines Mannes zusammen, der den Anspruch hat, dass ihm die Welt zu Füßen liegt, der gleichzeitig aber gar nicht Teil dieser Welt ist. Der in einem selbst gebauten Turm lebt, den andere für ihn finanzieren mussten. Das ist so viel Stoff und auf eine morbide Weise faszinierend, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis daraus auch ein Spielfilm gemacht wird. Und Trump hat auch schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wer ihn zu spielen hat, wie er in einem Interview sagt: er selbst.

Trump: An American Dream
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Trump: An American Dream
Unterhaltsam, faszinierend und dabei auch erschreckend: „Trump: An American Dream“ folgt den Wegen Donals Trumps von seinen Anfängen als Immobilienguru bis zu seiner US-Präsidentschaft nach, streift dabei persönliche wie berufliche Themen. Das enthält zwar nicht viel Neues, ist auch nicht sonderlich originell umgesetzt, enthält aber so viele unglaubliche Anekdoten, dass die Dokuserie bis zum Schluss fesselt.
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