Kritik

Flugmodus Airplane Mode Modo Avião Netflix

„Flugmodus“ // Deutschland-Start: 23. Januar 2020 (Netflix)

Ursprünglich wollte Ana (Larissa Manoela) mal Modedesignerin werden, doch dann entdeckte, wie viel einfacher sich Geld als Influencerin verdienen lässt. Seither ist sie richtig gefragt, keine ist besser als sie, wenn es darum geht, Leuten Klamotten oder Accessoires schmackhaft zu machen. Dumm nur, dass sie derart an ihr Handy und ihren kontinuierlichen Online-Status gebunden ist, dass Details wie Verkehrsregeln für sie nicht mehr wirklich zählen. Und so wird sie dazu verdonnert, zu ihrem Großvater Germano (Erasmo Carlos) aufs Land zu ziehen, wo sie sowohl auf Handy wie auch Auto verzichten muss. Leicht fällt ihr das nicht. Doch zum Glück ist da ja noch der hübsche João (André Luiz Frambach), der ihr den Aufenthalt deutlich angenehmer macht …

Kennst du den schon? Kommt ein arroganter Stadtschnösel aufs Land … Wie oft das im wahren Leben vorkommt, das ist natürlich kaum nachprüfbar. Zumindest im Bereich des Films scheint dies jedoch ein sehr häufiges Phänomen zu sein. Das Prinzip ist dabei immer sehr ähnlich: Der Schnösel reibt sich kräftig mit der einheimischen Bevölkerung, was das Publikum daheim oder im Kino zum Lachen bringen soll, am Ende hat er jedoch dazugelernt, ist ein besserer Mensch geworden und hat echte Freunde gefunden. Das ist so universell einsetzbar, dass jedes Land eigene Fassungen davon dreht. Bekannte Beispiele sind der US-amerikanische Animationshit Cars oder Willkommen bei den Sch’tis aus Frankreich, zuletzt versuchte sich die englische Komödie Fisherman’s Friends – Vom Kutter in die Charts daran.

Bekannt vom Anfang bis zum Ende
Es spricht daher erst einmal nichts dagegen, dieses Prinzip auch in Brasilien anzuwenden. Es spricht nur leider ebenso wenig etwas dafür. Denn was so universell ist, das wird dann auch schnell beliebig und austauschbar. Die Netflix-Komödie Flugmodus versucht dies zwar noch etwas moderner zu machen, indem hier gleichzeitig noch ein bisschen Social-Media-Wahn aufs Korn genommen wird. Das ändert am Ergebnis jedoch relativ wenig. Man weiß trotzdem schon ab dem Szenenwechsel, dass Ana die echten Dinge des Lebens zu schätzen lernen wird, am Ende in dem vermeintlich zurückgebliebenen Kaff das Glück und letztendlich sich selbst finden wird.

Nun muss natürlich nicht jeder Film das Rad neu erfinden. Manche Themen haben sich schließlich aus gutem Grund bewährt. Umso wichtiger wäre es dann aber, bei der konkreten Handhabung der leicht müffelnden Schablone ein bisschen mehr zu machen. Besondere Figuren zum Beispiel. Vielleicht auch Situationen, die besonders zu Herzen gehen. Bei Flugmodus sollte man diese Hoffnungen aber besser noch vor der ersten Minute begraben. Die brasilianische Komödie ist nicht nur vom Anfang bis zum Schluss berechenbar, sie liefert auch sonst keine überzeugenden Argumente, warum man sich nun ausgerechnet diesen Film anschauen sollte und nicht einen der unzähligen Konkurrenten.

Ein aktuelles Thema von gestern
Das Thema Social Media bzw. Influencer soll zwar für noch mehr aktuelle Relevanz sorgen, ist selbst aber schon so sehr zum Klischee geworden, dass Flugmodus altbacken wirkt. Da braucht es schon mehr als ein kleines Sternchen, das ständig aufs Handy starrt und Likes wie Luft zum Atmen braucht. Eine Persönlichkeit wäre zum Beispiel ganz nett gewesen. Die fehlt Ana jedoch, ebenso den ganzen Figuren drumherum. Allenfalls ihre ehemalige Chefin sticht da noch etwas hervor, da sie schon so sehr Karikatur geworden ist, als würde sie aus einem Cartoon stammen. Deren Auftritte sind zwar für sich genommen auch nicht unbedingt gut, sind aber immerhin kleine Farbtupfer in der gräulichen Masse.

Dann und wann schickt sich der Film an, vielleicht doch noch etwas anders machen zu wollen. Bemerkenswert ist beispielsweise eine Szene, in der João sich weigert, über eine Krise zu sprechen, was der erste Schritt zu einer Charakterisierung sein könnte. Nur wird das nicht ausgeführt. Gleiches gilt für die familiären Hintergründe von Ana, die dem Publikum irgendwann vor die Füße geworfen werden, in der Erwartung, dass die anderen doch was draus machen sollen. Ärgerlich ist aber vor allem, dass man sich bei der Entwicklung der Geschichte so gar keine Mühe gegeben hat, man lieber von einem Zustand zum nächsten sprang. Da war man schon sehr faul. Es ist nicht einmal so, dass das irgendwie lustig wäre. Für ein Teenie-Publikum, das am Ende nur sehen will, wie die schöne Influencerin den schönen Landjungen bekommt, wird das reichen. Der Rest kann sich Flugmodus sparen, dessen bester Einfall noch der Filmtitel war.

Credits

OT: „Modo Avião“
IT: „Airplane Mode“
Land: Brasilien
Jahr: 2020
Regie: César Rodrigues
Drehbuch: Alice Name Bomtempo, Renato Fagundes
Musik: Fabiano Krieger, Lucas Marcier
Kamera: José Roberto Eliezer
Besetzung: Larissa Manoela, André Luiz Frambach, Erasmo Carlos, Mariana Amâncio, Amanda Orestes, Eike Duarte

Trailer



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Flugmodus
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Flugmodus
„Flugmodus“ erzählt von einer Influencerin, die dazu verdonnert wird, auf dem Land ohne Handy, dafür mit echter Arbeit zu leben. Die brasilianische Komödie nimmt das beliebte Culture-Clash-Prinzip, fügt noch etwas Social-Media-Wahn-Kritik hinzu und schaltet danach auf Autopilot. Das tut nicht weh, ist aber ziemlich langweilig, auch weil der Film sich bei der Entwicklung der Geschichte so gar keine Mühe gibt.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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