Kitz Netflix
© Netflix / Walter Wehner

Kitz – Staffel 1

Inhalt / Kritik

Kitz Netflix
„Kitz – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 30. Dezember 2021 (Netflix)

Es ist Silvester und bei der Party Vanessa von Höhenfeldt (Valerie Huber), Tochter aus bestem Haus, geht die High Society Kitzbühels ein und aus. Auch Lisi Madlmeyer (Sofie Eifertinger) ist bei dem rauschenden Fest, jedoch als bloße Bedienung. Dabei gerät sie schnell mit den Leuten dort aneinander, nicht zuletzt der Gastgeberin selbst, der sie in einem unachtsamen Moment Drinks auf das Abendkleid schüttet. Dafür darf sie kurze Zeit später die große Retterin spielen, als ein maskierter Unbekannter (Ben Felipe) einbricht und Vanessa bedroht. Aus Dankbarkeit nimmt diese die unscheinbare Lisi in ihrer Clique auf, wo sie unter anderem Kosh (Zoran Pingel) und Dominik (Bless Amada) kennenlernt. Dabei ahnt keiner von ihnen, dass nichts an diesem Abend zufällig geschehen ist …

Zu früh gefreut

Inzwischen gehören sie zum festen Sortiment bei Netflix: deutsche Serien. Seit dem internationalen Überraschungshit Dark genießen sie sogar richtig Aufmerksamkeit hierzulande. Was früher schon aus Prinzip verpönt war – deutsches Fernsehen kommt mir nicht ins Haus! – ist zumindest immer mal wieder einen Blick wert. Die Ergebnisse können dabei jedoch stark schwanken, wie die Ausbeute 2021 zeigt. Tribes of Europa war ambitionierter Trash. Life’s a Glitch with Julien Bam fiel durch Einfallslosigkeit und mangelndes schauspielerisches Talent auf. Lediglich The Billion Dollar Code über einen David-gegen-Golitah-Techkampf bleibt durch eine interessante Geschichte und einen guten Cast in Erinnerung. Kurz bevor das Jahr vorbei ist, wird mit Kitz das nächste Pferd ins Rennen geschickt. Ein Pferd jedoch, das so sehr lahmt, dass man es schon kurz nach dem Start von seinem Leid erlösen möchte – und das Publikum gleich mit.

Dabei ist die Zeit schon gut gewählt. In einer Phase des Jahres, in der sich viele nach einem normalen Skispaß sehnen, ist ein Ausflug nach Kitzbühel schon ganz passend. Wem es nach bald zwei Jahren Pandemie auch wieder danach drängt, ein bisschen mehr zu sehen als die eigenen vier Wände, hat bei Kitz einiges zu tun. Schließlich bewegen wir uns fast ausschließlich in der Welt der Schönen und Reichen. Dass diese innerlich weniger schön sind, wird dabei gleich zu Beginn klar, als Lisi erst von einer Schickimicki-Schnepfe blöd angemacht wird, bald von deren besten Freundin, die zwar ein kleines bisschen erträglicher ist. Aber das muss in diesem Umfeld nichts heißen, wo ein Mensch grundsätzlich nur dann einen Wert hat, wenn man sich von diesem was erhofft. Der Rest ist austauschbarer Hintergrund. Bestenfalls.

Nervig und langweilig

Anlässe zum Aufregen gibt es dabei also genug, sowohl über die Figuren wie auch das Drehbuchteam, welches einem diese eingebrockt hat. Nicht nur, dass die sich menschenverachtend verhalten. Sie sind auch sterbenslangweilig, wenn sie sich allein durch ihre Arroganz oder Luxusklasse-Probleme auszeichnen. Letztere sollen wohl den Versuch darstellen, die jungen Protagonisten und Protagonistinnen in Kitz irgendwie nahbarer und menschlicher zu machen. Das Motto: Papa und Mama haben mich zu wenig beachtet, deswegen bin ich ein Arsch. Das kann durchaus passieren. Tatsächlich interessant ist eine solche Küchenpsychologie aber kaum, wenn dabei lediglich billige Klischees abgehandelt werden, bei denen man seine Ansprüche schon ganz weit nach unten schrauben muss, um diese als Charakterisierung anzusehen.

Immerhin: Zwischendurch macht es hin und wieder mal Spaß, wenn die Leute versuchen, sich gegenseitig in den Prosecco zu pinkeln. Das geschieht mal geheim, in kleinen Intrigen, mal recht offensiv, um das Gegenüber zurechtzuweisen. Glaubwürdig ist das dann nicht. Genau genommen erzählt das immerhin fünf Leute umfassende Drehbuchteam einen unglaublich ungenierten Schwachsinn. Aber inhaltlich taugt das eh nicht viel. Neben der schwachsinnigen Geschichte und den schwachen Figuren fallen gerade auch die Dialoge negativ auf, die so hölzern sind, als habe man sie gerade erst aus einem Baumstamm gehauen. Lokalkolorit in Form authentischer Sprache darf man sich eh nicht erhoffen. Kitz erzählt nicht nur aus einer in sich geschlossenen Schickimicki-Welt. Sie hat nicht einmal mit der realen Schickimicki-Welt zu tun.

Ernst gemeinter Schickimicki-Schund

Die Stellen, an denen die Serie sich ganz dem überzogenen Unsinn hingibt, sind dabei noch die besseren. Dummerweise scheint man das hier aber tatsächlich alles ernst zu nehmen, gerade bei den diversen Herzschmerz-Szenen, wenn hinter der Glitzerfassade die großen Gefühle wuchern sollen. Gnädigerweise kommt das nicht ganz so oft vor, schließlich umfasst die erste Staffel nur sechs etwa 45 Minuten lange Folgen. Da bleibt nicht viel Zeit. Das damit verbundene höhere Tempo geht dann auch als Stärke durch, sofern man das Wort in dem Kontext benutzen mag. Insgesamt reicht das aber kaum, um eine Empfehlung für diese Seifenoper-High-Society-Tragödie aussprechen zu wollen. Kitz ist letztendlich auf schick gemachter Schund, der für das langsam sich verbessernde Image hiesiger Produktionen nicht unbedingt ein Segen ist. Der einzige Trost ist, dass in dem Meer mäßiger Netflix-Jugenddrama-Produktionen diese nicht übermäßig auffällt.

Credits

OT: „Kitz“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Lea Becker, Maurice Hübner
Drehbuch: Nikolaus Schulz-Dornburg, Daniela Baumgärtl, Janina Dahse, Tanja Bubbel, Korbinian Hamberger
Musik: Heiko Maile
Kamera: Karl Kürten
Besetzung: Sofie Eifertinger, Valerie Huber, Bless Amada, Zoran Pingel, Ben Felipe, Felix Mayr

Bilder

Trailer

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„Kitz“ mag in der High Society Kitzbühls spielen, ist letztendlich aber ein ziemlich ärmlicher Versuch, Schund schick aussehen lassen zu wollen. Die Geschichte taugt nicht viel, die Figuren sind langweilig, die Dialoge grausam. Zwischendurch kann das überzogene Jugenddrama Spaß machen. Insgesamt ist die größte Stärke der sich viel zu ernst nehmenden Dramaserie aber die, dass sie schnell vorbei ist.
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