Unsere wunderbaren Nationalparks Our Great National Parks Netflix Barack Obama
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Unsere wunderbaren Nationalparks

Unsere wunderbaren Nationalparks Our Great National Parks Netflix Barack Obama
„Unsere wunderbaren Nationalparks“ // Deutschland-Start: 13. April 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Der Yellowstone-Nationalpark wurde im Jahre 1872 gegründet und ist somit der älteste seiner Art. Heute sind mehr als 15% der Landmasse und ungefähr 8% der Gewässer unseres Planeten – das entspricht grob einer Fläche, in welche der indische Subkontinent siebenmal hineinpassen würde – mit dem gleichen Etikett versehen. Die meisten dieser Schutzgebiete wurden in den letzten sechzig Jahren etabliert – der Lebenszeit von Barack Obama also. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika liefert in Unsere wunderbaren Nationalparks nicht nur als Erzähler das Voiceover, sondern tritt auch selbst vor der Kamera in Erscheinung, etwa wenn er den Zuschauern mitteilt, welche Rolle der jeweilige Naturpark oder vielmehr das betreffende Land, in welchem sich dieser befindet, in seinem eigenen Leben gespielt hat.

Vortrag mit Agenda

Nun ist Obama bekanntermaßen kein Biologe, Naturforscher oder dergleichen, was zugegebenermaßen auch keine notwendigen Qualifikationen sind, um einen Text mit fachlichen Informationen vorzulesen (nicht dass es hier besonders viele davon gäbe). Die Netflix-Serie Das Tier etwa hat ja ebenfalls Erzähler, die hauptsächlich ihrer Stimme wegen engagiert wurden, nicht weil sie Autoritäten auf diesem Wissensgebiet wären oder sich über die Maßen mit der Materie auskennen würden. Obama ist im Unterschied zu diesen allerdings ein Redner, kein Sprecher. Das ist ein spürbarer Unterschied. Das Voiceover funktioniert größtenteils, ist die Kamera jedoch auf den gebürtigen Hawaiianer gerichtet, ist es beinahe unmöglich, etwas anderes zu sehen als einen Vortragenden, der eine politische Rede hält, während er sie vom Teleprompter abliest, was nun einmal überhaupt nicht zum präsentierten Inhalt passt – oder zumindest nicht passen sollte.

Die erste Folge scheint ein wenig konzeptlos zu sein. Während sich die Episoden zwei bis fünf (alle mit einer Laufzeit von ungefähr 50 Minuten) jeweils um einen ganz bestimmten Nationalpark drehen, ist die erste eine Art Welttournee, in der es sprunghaft von Tier zu Tier, Park zu Park, Land zu Land geht, ohne dass ein roter Faden allzu offensichtlich wäre. Dennoch werden die Bilder wohl dafür sorgen, dass hier kaum jemand vorzeitig abschaltet. Die weiteren Teile der Miniserie bleiben vielleicht minimal hinter dem optischen Niveau des Einstiegs zurück, sind aber immer noch sehenswert – und das ist hier gewissermaßen rein auf den Wortsinn beschränkt. Wie von einem Politiker kaum anders zu erwarten, verfolgt Obama hier eine Agenda. Wie von einem Politiker ebenfalls kaum anders zu erwarten, scheint er vom kleinen Mann von der Straße zu fordern, gefälligst etwas gegen den Klimawandel zu tun, statt Regierungen und Großkonzerne in die Pflicht zu nehmen. Diese Appelle bilden zwar lange nicht den Hauptteil des Gesagten, fallen aber doch jedes Mal störend auf. Das restliche Skript bietet hier und da Gelegenheit zum Schmunzeln, allerdings ist es fast zu empfehlen, Unsere wunderbaren Nationalparks einfach stummgeschaltet anzuschauen – auch wenn einem dann wichtige Informationen entgehen, wie etwa dass ein Faultier einen Monat benötigt, um seine Mahlzeit zu verdauen …

Eine Tierdoku wie viele andere auch

Der Titel Unsere wunderbaren Nationalparks mutet ein wenig irreführend an. Zunächst könnte, in Kombination mit dem Erzähler und vor allem dem Original (Our Great National Parks), der Eindruck entstehen, es ginge hier ausschließlich um Parks in den USA. Ungewohnt selbstlos und weltoffen haben die amerikanischen Macher jedoch tatsächlich die gesamte Menschheit damit referenziert. Auch wenn vier Nationalparks ausführlicher behandelt werden und auch wenn die Wichtigkeit dieser Schutzgebiete als solcher in der Miniserie verdeutlicht wird, fehlt irgendwie etwas, um den Titel wirklich zu rechtfertigen. Tierdokus sind ja nun keine Seltenheit, ein stärkerer Fokus auf Nationalparks an sich wäre also eine gute Entscheidung gewesen, um sich abzuheben. So sind es eben einfach weitere Aufnahmen von Tieren. Schön anzusehen, ja, aber eben nichts, was es noch nie gab – mit Ausnahme einer neu entdeckten Echse, bei der auch stolz im Kommentar betont wird, dass sie noch nie zuvor auf Film festgehalten wurde. Diese vermeintliche Weltsensation hält dann allerdings nicht einmal dreißig Sekunden an und wirkt ein wenig belanglos. Da es sich um eine abgeschlossene Miniserie handelt, werden weitere Parks wohl nicht in einer etwaigen zweiten Staffel vorgestellt werden.

Credits

OT: „Our Great National Parks“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Sarah Peat, Emma Brennand, Joanne Scofield, Sarah Conner, Patrick Evans
Musik: David Schweitzer
Kamera: Ted Giffords, Graham MacFarlane, Miguel Willis, James Aldred, Richard Kirby, Tom Crowley, Brendan McGinty, Masahiko Sakato, Dan Hunter, Edward Saltau, Gordon Buchanan, Pete Hayns, Ryan Miyamoto, Christiaan Munoz-Salas, Ryan Atkinson, Mark Payne-Gill, Sam Meyrick, Ignacio Walker, Martin Heck, Ben Goertzen, Charlie Stoddart, Elijah Harris, Axel Peterson, Louis Labrom, Nathan Pilcher, Simon Niblett, David Reichert, Alex Jones, Florian Graner, Matt Aeberhard, Patrick Dykstra, Justin Hofman, Connor Gallagher, Abinara Anuraga, Ucok Aritonang, Gemilang Ar-Rasyid, Alain Compost, Rory Moon, Kelvin Morris Wirjohandjojo, Nanang Sujana, Björn Vaughn
Mitwirkende: Barack Obama

Bilder

Trailer

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Unsere wunderbaren Nationalparks
Fazit
Allein der Bilder wegen ist „Unsere wunderbaren Nationalparks“ fraglos eine Sichtung wert, auch wenn die Doku-Miniserie generell nicht viel Neues zu bieten hat und dem Titel an sich nur mäßig gerecht wird. Wer seine Naturdokus gerne ohne politische Agenda genießt, kann ruhigen Gewissens den Ton ausschalten.
Leserwertung12 Bewertungen
5.3