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Der Schwiegersohn

„Der Schwiegersohn“ // Deutschland-Start: 1. Mai 2026 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Skrupel? So etwas kennt José Sánchez (Adrian Vazquez) nicht. Er weiß, was er will. Und er weiß, wie er es bekommt – oder andere dazu überredet, dass sie es ihm geben. Darin ist er gut, er ist es gewohnt, den übrigen Menschen immer wieder etwas aufzuschwatzen oder sie zu überzeugen. Da ist es doch irgendwie naheliegend, dass er eines Tages auch die Politik für sich entdeckt und dieses Talent der verbalen Manipulation für sich zu nutzen weiß. Auf diese Weise steigt er zum Generalstaatsanwalt auf, nutzt jede Gelegenheit, um weiterzukommen. Und das soll nur der Anfang sein, da der Mann noch sehr viel größere Pläne hat als das. Denn die Welt ist für El Serpiente, wie er sich selbst nennt, vor allem eine Ansammlung von Möglichkeiten …

Ein System der Ausnutzung

Zuletzt hat Netflix eine ganze Reihe höchst unterschiedlicher Komödien ins Sortiment aufgenommen. So ist die schwedische Romanadaption Bonjour Agneta ein Wohlfühlfilm über eine Frau in den mittleren Jahren, die als Au-pair in der Fremde zu sich selbst findet. In der französischen Serie Recalé wird ein Kleinkrimineller von der Polizei dazu genötigt, undercover in einer Schule zu ermitteln. Unterhaltsam war zudem der US-amerikanische Beitrag Roommates über zwei Mitbewohnerinnen, die nach und nach zu Feindinnen werden und sogar zu einem abschreckenden Beispiel für kommende Generationen. Mit dem mexikanischen Film Der Schwiegersohn steht nun eine weitere Komödie zur Auswahl – und die hat es in sich.

Beiträge aus dem mittelamerikanischen Land gibt es immer mal wieder beim Streamingdienst zu sehen. Anfangs meint man dabei, dass es sich hier um eine dieser eher seichten Komödien handelt, die auf einen einfallslosen, plumpen Humor setzen. Typische Berieselung eben. Dass der Protagonist mit seinem markanten Schnurbart eher wie eine Karikatur wirkt, eine bloße Witzfigur, macht die Sache nicht einfacher. Erst mit der Zeit wird deutlich, dass Der Schwiegersohn deutlich mehr zu sagen hat, wenn sich José immer weiter nach oben redet und er es versteht, das System zu seinen Gunsten zu nutzen. Denn der Film handelt zwar von einem Individuum. Doch dieses ist eher ein Symptom, ein Beispiel für eine Gesellschaft und dessen Schwächen.

Spiel mit den Abgründen

Das lässt sich durchaus als politische Satire bezeichnen, die Mischung aus Überzeichnung und Bloßlegung von realen Verhältnissen. Dabei werden die üblichen Themen abgeklappert, wenn es um Verbrechen und Korruption geht, um den Kampf darum, für sich einen Platz in dieser Welt zu bekommen. Der Schwiegersohn wird dabei auch böse, sehr viel mehr, als man das erwarten durfte. Das ist dann durchaus spannend, wenn man wissen möchte, wie weit der Protagonist noch gehen wird und ob er wirklich mit allem durchkommt. Der Film hält dabei die Balance aus komisch und abgründig, lässt einen zwischendurch gleichzeitig lachen und zweifeln, ob man an dieser Stelle wirklich hätte lachen sollen.

Es ist jedoch nicht immer ganz einfach, diesen Entwicklungen zu folgen und nachzuvollziehen, warum des jetzt so passieren musste. Der Film liebt das Spiel mit den Abgründen, konfrontiert das Publikum mit Schritten und Momenten, die schon auch befremdlich sein können. Für den Protagonisten gilt das sowieso, bei dem man sich nie ganz sicher ist, ob er nicht vielleicht doch der Antagonist sein soll. Einen Blick wert ist Der Schwiegersohn aber auf jeden Fall. Das gilt auch für die Optik, die mexikanische Komödie hat den Augen einiges zu bieten. Hinzu kommt mit Adrian Vazquez ein bemerkenswerter Hauptdarsteller, dem es gelingt, die Zuschauer und Zuschauerinnen auf eine Reise in die Abgründe mitzunehmen – selbst, wenn diese zwischendurch in diesen alleingelassen werden.

Credits

OT: „El yerno“
Land: Mexiko
Jahr: 2026
Regie: Gerardo Naranjo
Drehbuch: James Schamus, Gabriel Nuncio, Alexandro Aldrete
Musik: Tomás Barreiro
Kamera: Diego Tenorio
Besetzung: Adrian Vazquez, Jero Medina, David Gaitán, Verónica Bravo, Eduardo España, Rodrigo Virago, Ian Scott Castillo

Trailer

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Der Schwiegersohn
fazit
„Der Schwiegersohn“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der sein Redetalent nutzt, um immer weiter nach oben zu kommen. Die Politsatire ist dabei erstaunlich böse, wenn ausgiebig in die Abgründe geblickt wird. Zuweilen darf man sich aber auch etwas verloren fühlen, wenn man nicht genau weiß, warum das jetzt alles passiert.
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