„Happy!“, USA, 2017
Regie: Brian Taylor, Wayne Yip, David Petrarca; Schöpfer: Grant Morrison, Darick Robertson
Drehbuch: Grant Morrison, Brian Taylor, Patrick Macmanus, Noelle Valdivia, Peter Macmanus, Ken Kristensen, Matthew White
Vorlage: Grant Morrison; Musik: Guillaume Roussel, Blair Mowat
Darsteller: Christopher Meloni, Ritchie Coster, Bryce Lorenzo, Lili Mirojnick, Patrick Fischler, Joseph D. Reitman, Medina Senghore

Happy

„Happy! – Staffel 1“ ist seit 26. April 2018 auf Netflix verfügbar

Seine ruhmreichen Tage als Polizist sind bei Nick Sax (Christopher Meloni) nun schon etwas länger her. Inzwischen arbeitet er als heruntergekommener Auftragskiller, wenn er sich nicht gerade ins Delirium säuft. Fast wäre auch das vorbei gewesen, nach einem schweren Herzanfall steht er an der Schwelle zwischen Leben und Tod. Zwar wird er im letzten Moment noch gerettet. Dafür hat er jetzt ein anderes Problem. Genauer sind es zwei. Zum einen ist der Gangsterboss Francisco Scaramucci (Ritchie Coster) hinter ihm her. Zum anderen sieht er nun ein kleines, fliegendes, blaues Einhorn namens Happy, das ihn überreden will, das Mädchen Hailey (Bryce Lorenzo) zu retten. Schließlich wäre die seine Tochter, wovon Nick bis dato allerdings nichts wusste.

Und da soll noch einer behaupten, Krimiserien müssten alle gleich sein. Sicher, das Grundgerüst von Happy! ist so ungewöhnlich nicht. Ein heruntergekommener Ex-Cop, der seinen Zynismus in Alkohol ertränkt, das haben wir oft gesehen. Dass der sich mit einem Gangsterboss anlegt, weil er eh nicht wirklich was zu verlieren hat, auch das kommt einem bekannt vor. Diesen Ex-Cop läutern zu lassen, indem er einen persönlichen Fall annimmt, jemand schützen muss, der ihm nahesteht, das gehört alles zum Standard. Und doch zeigt die Adaption von Grant Morrisons gleichnamigen Comic, dass selbst innerhalb dieser Standards eine Menge möglich ist, wenn man seiner Vorstellungskraft mal freien Lauf lässt. Was hier geschehen ist.

Wer hat sich denn das ausgedacht?
So manches Mal darf das Publikum sich hier auch fragen, welche Art von Drogen eigentlich die Macher so eingeworfen haben, als sie Happy! produziert haben. Sofern das Gehirn angesichts dieses geballten Irrsinns überhaupt noch in der Lage ist, eine Frage zu formulieren. Das prominenteste Beispiel ist natürlich das titelgebende Happy selbst, ein kleines, niedliches Einhorn, mit kleinen, niedlichen Flügelchen. Ein blaues Fabelwesen, zusammengehalten von Zucker und Glitter, wie es sich nur ein Mädchen ausdenken kann. Was hier auch zutrifft: Noch in der ersten der acht Folgen wird verraten, dass es sich dabei um den eingebildeten Freund von Hailey handelt, der dem entführten Kind helfen will.

Das ist als Szenario nicht nur sehr schräg, sondern öffnet auch die Tür für einen kaum zu überbietenden Kontrast. Während Nick selbst dem Klischee des abgehalfterten Bullen entspricht, entsteht durch die Gegenüberstellung mit seinem Ermittlungspartner zwangsläufig jede Menge Komik. Ein Zyniker, der nur Gewalt und Alkohol kennt, und ein idealistisch-naives Einhorn, das die ganze Welt umarmen möchte, größer könnte der Widerspruch kaum sein. Auch wenn die Idee dem bewährten Buddy-Prinzip entspricht, wo sich zwei grundverschiedene Protagonisten für einen gemeinsamen, meist besseren Zweck zusammenraufen müssen, diese Kombination dürfte zuvor noch niemand auf dem Schirm gehabt haben.

Verrückte Gestalten auf beiden Seiten
Aber reicht das aus für eine komplette Serie? Die Gefahr, dass diese originelle Idee zu einem bloßen Gimmick verkommt, ist natürlich vorhanden. Und eine gewisse Gewöhnung tritt im Laufe der acht Folgen auch sicherlich ein, zumal die Beziehung zwischen den beiden keine wirklichen Überraschungen mit sich bringt. Glücklicherweise verlässt sich Happy!, das hierzulande über Netflix erschienen ist, aber nicht allein darauf. Auch bei der Gegnerseite tummeln sich diverse Exoten, von absurd bis satirisch, von Karikatur bis völlig gaga. Dazu gibt es ein paar Nebenfiguren, die für die Hauptgeschichte zwar eigentlich unwichtig sind, aber doch so unterhaltsam, dass man nur ungern auf sie verzichten würde.

Das ist dann allerdings auch das kleine Problem von Happy!. Es mangelt der Serie nicht an einzelnen Ideen. Von denen gibt es eine ganze Menge. Wohl aber fehlt eine Idee, wie das alles zusammenzuführen ist. Die Geschichte um Nick, der seine Tochter finden will, die zieht sich natürlich durch die gesamte erste Staffel. Einige Nebenhandlungen, beispielsweise die Zusammenarbeit zwischen seiner Exfrau Amanda (Medina Senghore) und seiner Exkollegin Merry (Lili Mirojnick), leiten sich auch relativ nachvollziehbar daraus ab. Andere Abzweigungen jedoch, so unterhaltsam sie auch sein mögen, stehen irgendwie im luftleeren Raum, führen nirgends hin – außer vielleicht zu noch mehr Verwirrung. Aber auch wenn die Krimikomödie inhaltlich nur zum Teil überzeugt, sie macht Spaß, kombiniert auf eine ganz eigene Weise Wahnsinn, Humor und Brutalität. Und sie macht neugierig darauf, welcher Unsinn in der bereits angekündigten zweiten Staffel noch auf uns wartet.

Happy! – Staffel 1
3.71 (74.29%) 7 Artikel bewerten

Happy! – Staffel 1
Eine Buddy-Geschichte mal anders: Wenn in „Happy!“ ein versoffener Ex-Cop und ein eingebildetes Einhorn gemeinsame Sache machen, dann ist das ebenso absurd wie komisch, mal surreal, dann wieder richtig brutal. Etwas mehr Zusammenhang hätte der Serie nicht geschadet, die vielen verrückten Einzelelemente werden kaum zusammengeführt. Aber trotz dieses Mankos macht diese etwas andere Krimikomödie Spaß, sofern man sich auf das sonderbare Szenario einlassen kann.
7von 10

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