Inside Man 2022 Netflix
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Inside Man (2022)

Inside Man 2022 Netflix
„Inside Man“ // Deutschland-Start: 31. Oktober 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Pfarrer Harry Watling (David Tennant) führt ein eigentlich recht beschauliches Leben mit seiner Frau Mary (Lyndsey Marshal) und Sohn Ben (Louis Oliver). Er ist beliebt in der Gemeinde, alle blicken zu ihm auf. So auch Edgar (Mark Quartley), der ihm eines Tages einen USB-Stick mit kompromittierendem Material gibt, damit seine Mutter es nicht findet. Dummerweise gelangt der Stick aber über Umwege in die Hände von Janice Fife (Dolly Wells), die Ben Nachhilfe in Mathematik geben soll. Während das Harry in arge Erklärungsnöte bringt, sucht die Journalistin Beth Davenport (Lydia West) anderweitig nach einer Erklärung. Schließlich sitzt sie Jefferson Grieff (Stanley Tucci) gegenüber, einem erfahrenen Kriminologen, der seine Ehefrau ermordet hat, sich aber noch immer zu den Gründen ausschweigt …

Das Spiel mit den Abgründen

In den letzten Jahren war Steven Moffat in erster Linie durch seine eigenwilligen Interpretationen bekannter Stoffe aufgefallen. So schuf er beispielsweise mit Sherlock und Dracula zwei sehr moderne Interpretationen der britischen Literaturklassiker. Zuletzt arbeitete er an The Time Traveler’s Wife, basierend auf dem gleichnamigen Roman von 2003. Dass er mehr kann, als alte Bücher auszukramen, beweist er mit seiner neuesten Serie Inside Man, die in Großbritannien per BBC ausgestrahlt wurde und international auf Netflix erschienen ist. Moffat hat die vierteilige Produktion konzipiert und die Drehbücher geschrieben, eine Vorlage gibt es diesmal nicht. Zum Teil zumindest erinnert aber auch die Eigenschöpfung sehr an die vorangegangenen Erfolgstitel des schottischen Autors und Produzenten.

So hat er mit Inside Man erneut eine Serie vorgelegt, die aus dem Genreumfeld kommt, dieses aber mit viel Komik angereichert. Das reicht dann zwar nicht, um insgesamt von einer Komödie zu sprechen. Von einem Drama, so die offizielle Bezeichnung, ist das hier aber weit entfernt. Stattdessen geht Moffat seiner Vorliebe für bissigen und schwarzen Humor nach, verbunden mit viel Absurdität und überzeichneten Figuren. So beginnt die Geschichte der Familie Watling eigentlich recht unspektakulär, eine schöne, kleine, heile Welt. Anders als viele solcher genüsslichen Demontagen geht es weniger darum, bestehende Abgründe offensichtlich zu machen. Vielmehr zeigt die britische Produktion auf, dass jeder Mensch zu solchen Abgründen in der Lage ist, wenn die Situation dies erfordert.

Bewusst überzogen und unterhaltsam

Zu diesem Zweck werden die beiden Handlungsstränge miteinander verknüpft. Auf der einen Seite haben wir den Kriminologen, der selbst ein Verbrechen begangen hat. Auf der anderen sehen wir zu, wie die Situation um die Watlings immer weiter eskaliert. Der Fokus liegt dabei klar auf der zweiten Geschichte. Tatsächlich ist die erste über weite Strecken nur ein Nebenschauplatz, der ohne echten Bezug zu dem zweiten ist. Zwar enthält auch er interessante Passagen und zudem ein großes Rätsel: Warum genau hat Grieff seine Frau getötet? Moffat denkt aber nicht daran, dieses aufzulösen. Möglich, dass dies in einer zweiten Staffel geschehen wird. Auch wenn Inside Man offiziell eine Miniserie ist, so finden sich zum Schluss doch mehrere Ansätze für eine zweite Staffel. Ganz auserzählt ist das nicht.

Das kann ebenso zu Frust führen wie das nicht immer nachvollziehbare Verhalten der Figuren. So soll erzählt werden, wie bislang unbescholtene Menschen durch eine Verkettung von unglücklichen Zufällen zum Äußersten getrieben werden. Nur nimmt man der Serie die einzelnen Schritte nicht unbedingt ab, das ist schon alles ziemlich übertrieben. Aber es ist doch unterhaltsam. Nicht nur der besagte Humor sorgt für Spaß. Die Zuschauer und Zuschauerinnen dürfen zudem gespannt sein, wie weit die einzelnen Figuren gehen werden bei diesem absurden Wettstreit. Das Ensemble tut in Inside Man sein Übriges: Dolly Wells etwa genießt ihre Rolle als manipulative Mathematiklehrerin, bei der man irgendwann gar nicht mehr sagen kann, ob sie nun gut oder böse sein soll. Aber darum geht es eben auch in der Serie: Diese Konzepte und Einteilungen haben keine wirkliche Aussagekraft, sondern sind von vielen Faktoren abhängig – und nicht alle davon liegen in der eigenen Hand.

Credits

OT: „Inside Man“
Land: UK
Jahr: 2022
Regie: Paul McGuigan
Drehbuch: Steven Moffat
Idee: Steven Moffat
Musik: David Arnold
Kamera: Tony Slater Ling
Besetzung: David Tennant, Stanley Tucci, Dolly Wells, Lydia West, Lyndsey Marshal, Louis Oliver

Bilder

Trailer

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fazit
„Inside Man“ erzählt von einem verurteilten Mörder und einer Vorzeigefamilie, die durch eine unglückliche Verstrickung von Ereignissen immer tiefer in den Abgrund schlittert. Das ist dann nicht unbedingt alles immer nachvollziehbar, macht aber doch Spaß. Die absurden Eskalationen sorgen zudem für Spannung, wenn hier praktisch alles möglich ist, von einem Happy End einmal abgesehen.
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