Kritik

Der Yorkshire Ripper Netflix

„Der Yorkshire Ripper“ // Deutschland-Start: 16. Dezember 2020 (Netflix)

Von den vielen Serienmördern, die im Laufe der Zeit ihr Unwesen getrieben haben, ist er noch immer einer der berühmtesten: Mehrere Frauen hatte Jack the Ripper in den 1880ern in London getötet, bis heute ranken sich viele Legenden um den Täter, zu dem es zwar viele Theorien gab, aber keinen Beweis. Als rund 100 Jahre später erneut ein Serienmörder in England umherging, dem eine Reihe von Prostituierten zum Opfer fielen, lag der Vergleich auf der Hand, weswegen man dem Unbekannten einen ähnlichen Namen verpasste. Und auch wenn heute international wohl kaum einer mehr an diese Mordserie zurückdenken wird, die sich in Nordengland zwischen 1975 und 1980 zugetragen hat, damals zumindest waren diese in allen Nachrichten.

Und wo war die Polizei?

Die Netflix True Crime Dokuserie Der Yorkshire Ripper erinnert an den Fall, erinnert auch an die damalige Hysterie. Denn während anfangs „nur“ Prostituierte getötet wurden, kamen später auch andere Frauen hinzu, die Panik war groß. Umso mehr, da die Polizei im Dunkeln tappte und nicht mehr beizutragen hatte als den Rat, Frauen mögen abends doch nicht mehr alleine unterwegs sein. Wie diverse andere Dokus aus diesem Segment – etwa Die drei Tode der Marisela Escobedo oder Rohwedder – Einigkeit und Mord und Freiheit – ist die Serie damit nicht nur die Chronik einer Verbrechensstrecke. Sie ist auch die Chronik eines Scheiterns von Seiten der Polizei und anderer Behörden.

Im Vergleich zu den beiden genannten inhouse-Kollegen ist Der Yorkshire Ripper inhaltlich jedoch weniger ergiebig. Während die Ausführungen zu Sexismus durchaus gesellschaftlich relevant sind, taugt die Serie weniger als Gesellschaftsporträt als solches. Der Lernfaktor ist hier recht gering, der Fokus liegt allein auf den Verbrechen, auf den Opfern und deren Angehörigen und dem einen oder anderen, der damals an dem Fall arbeitete. Das geschieht mit der üblichen Mischung aus historischen Aufnahmen und zeitgenössischen Interviews, welche in Kombination die Geschichte rekonstruieren. Inszenatorische Experimente sucht man hier vergebens.

Chronologische, nüchterne Aufarbeitung

Diese Rekonstruktion erfolgt größtenteils chronologisch. Die Geschichte beginnt bei den ersten bekannt gewordenen Fällen, begleitet die Ermittlungen und die Reaktionen der Bevölkerung und endet mit der Auflösung. Die Serie ist dabei weniger für ein Publikum geeignet, das gerne in Echtzeit spekuliert, was vorgefallen ist. Dafür sind die Hinweise einfach zu spärlich. Der Nachschub an Informationen ist auch eher schleppend. Es kommen zwar mehr Opfer dazu, aber nicht unbedingt mehr Erkenntnisse. Im Gegenteil: Die einzige Gewissheit ist die, dass man irgendwie nicht wusste, wer da warum mordet, bis man es irgendwann doch herausfand.

Im Vergleich zu anderen True Crime Dokus, die Netflix in den letzten Jahren verstärkt veröffentlicht hat, die stärker Wert auf schillernde Persönlichkeiten oder herzzerreißende Schicksale legten, ist Der Yorkshire Ripper recht nüchtern und faktenbasiert. Die Serie richtet sich mehr an klassische Fans, die sich für das Verbrechen interessieren. Wobei es durchaus den einen oder anderen Moment gibt, der emotionaler wird, vor allem wenn die Opfer oder deren Angehörigen zu Wort kommen. Die bleiben aber eher kurz, auch weil so viele Leute hier interviewt werden, dass man zwischendurch schon mal etwas den Überblick verlieren kann.

Credits

OT: „The Ripper“
Land: UK
Jahr: 2020
Regie: Jesse Vile, Ellena Wood
Musik: Roger Goula
Kamera: Matthias Pilz

Bilder

Trailer

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Der Yorkshire Ripper
„Der Yorkshire Ripper“ rekonstruiert den Fall eines Mannes, der in den 1970ern in Nordengland eine Reihe von Frauen ermordete. Die Dokuserie ist dabei nüchtern gehalten, arbeitet überwiegend chronologisch die Ermittlungen ab. Dann und wann weitet sich der Blick etwas, im Mittelpunkt stehen aber die Verbrechen und das Scheitern der Polizei, diese aufzuklären.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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