Togo 2022 Netflix
© Jeannie Margalef/Netflix

Togo (2022)

Togo 2022 Netflix
„Togo“ // Deutschland-Start: 5. Oktober 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Togo (Diego Alonso) arbeitet als Parkeinweiser „seines“ Häuserblocks. Er hat keinen festen Wohnsitz und schläft zwischen den Wurzeln eines großen Baumes. Die Leute aus der Nachbarschaft kennen ihn alle; man grüßt sich und hilft sich gegenseitig aus. Togo weiß stets darüber Bescheid, was im Stadtviertel gerade los ist und erledigt immer wieder kleinere Aufgaben und Gefälligkeiten für seine Freunde aus der Nachbarschaft. An seinem Gehstock und seinem charakteristischen Hinken ist er sofort zu erkennen. Sein Leben geht seinen gewohnten, ziemlich ereignislosen Gang, bis eines Tages die junge Mercedes (Catalina Arrillaga) bei ihm auftaucht. Sie ist noch ein Teenager, behauptet aber, mit Togo auf der Straße leben und ihm bei seinen täglichen Aufgaben helfen zu wollen. Doch Mercedes bleibt nicht Togos einzige ungebetene Besucherin: die Handlanger des Anführers einer örtlichen Drogengang wollen Togo dazu überreden, in seinem Territorium Drogen für sie zu verkaufen – oder von dort zu verschwinden. Andernfalls soll er aus dem Weg geräumt werden.

Vielversprechender Anfang

Mit Togo zeigt Netflix seine erste Eigenproduktion aus Uruguay. Regisseur und Drehbuchautor Israel Adrián Caetano erzählt in seinem Drama eine geradlinige, auf die beiden Hauptcharaktere konzentrierte Geschichte, der es aber leider trotzdem an Tiefgang mangelt. Dabei geht es eigentlich noch recht vielversprechend los: wir lernen den alten Togo und einen seiner Freunde kennen und beobachten Togo bei seiner Tätigkeit als Parkplatzeinweiser, der sich von all seinen „Kunden“ ein Trinkgeld zustecken lässt. All das hält die Kamera auf fast schon dokumentarische Weise fest, so natürlich wirkt hier alles. Als Togo nachts einen Mord beobachtet, zeigt er keine Regung und auch als die Polizei ihn dazu befragt, behauptet er, nichts mitbekommen zu haben. Er möchte unbehelligt bleiben und einfach nur ungestört seinen Alltag durchleben. Wie sein Leben ausgesehen hat, bevor er in die Obdachlosigkeit gerutscht ist, darauf gibt es später im Film ein paar Hinweise.

Auch in Mercedes’ Leben abseits der beginnenden Freundschaft mit Togo erhaschen wir nur ein paar Einblicke. Sie lebt bei wohlhabenden Eltern, die ihre depressive Tochter endlich wieder in eine stationäre Therapie abschieben zu wollen scheinen. „Meine Familie ist scheiße“, erklärt sie Togo an einer Stelle im Film, worauf dieser antwortet „Keine Familie ist normal.“ Mercedes schlussfolgert daraus, es sei also wohl ohne Familie am besten. Und obwohl Togo ihr klarzumachen versucht, dass man nie ganz ohne Familie sein kann, ist es gerade er, der im letzten Teil des Films versucht, sein größtes Problem ganz im Alleingang zu lösen, vollkommen ohne fremde Hilfe.

Drehbuch ohne nötigen Feinschliff

Auf dem Weg zu diesem Finale passiert allerdings nicht viel. Die Hintergründe sowohl von Togo als auch von Mercedes werden wie gesagt knapp umrissen – zu knapp, um komplexe und interessante Figuren aus ihnen zu machen. Auch die Antagonisten des Films dienenden Mitglieder der Drogenbande kommen nicht über die reine Funktion als Bösewichte hinaus. Mit seinen kurzen Einblicken in die Vorgeschichten und Lebenshintergründe seiner Hauptfiguren wirkt der Film wie ein Serienpilot, der in der ersten Folge zwar Lust auf mehr machen will, die wirklich wichtigen Enthüllungen und Erkenntnisse aber noch zurückhält. Nur dass Togo eben nicht der Auftakt einer Serie ist, sondern ein in sich geschlossenes Werk sein will. Dafür lässt die hier erzählte Geschichte aber eindeutig zu wünschen übrig und auch die Art der Inszenierung ist nicht originell genug, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.

Die dünne Handlung um Togos Widerstand gegen die Übernahme „seines“ Blocks durch die Verbrecherbande gipfelt schließlich in einer Konfrontation, die anders ausfällt als erwartet. Aber auch das rettet den Film nicht mehr, sondern sorgt vielmehr für hochgezogene Augenbrauen und offene Fragen beim Zuschauer. So richtig will hier nichts zusammenpassen, obwohl Hauptdarsteller Diego Alonso in allen Gefühlslagen überzeugt. Aber das Drehbuch macht die Ereignisse um ihn, Mercedes und den Kampf gegen die Drogenbande zu keiner runden, spannenden Geschichte. Deutlich mehr Feinschliff wäre hier vor Drehstart nötig gewesen, um Handlung und Figuren mehr Tiefe zu geben und damit den Film interessanter und besser zu machen.

Credizs

OT: „Togo“
Land: Uruguay
Jahr: 2022
Regie: Israel Adrián Caetano
Drehbuch: Israel Adrián Caetano
Musik: Diego Caetano Guerra
Kamera: Juan Manuel Apolo
Besetzung: Diego Alonso, Catalina Arrillaga, Néstor Prieto, Luis Alberto Acosta

Bilder

Trailer

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fazit
„Togo“ will als ernsthaftes Drama Themen wie Obdachlosigkeit, Depression und Verbrechen behandeln. Der Film scheitert aber vor allem an seiner ungenauen Figurenzeichnung und verliert so zunehmend das Interesse der Zuschauer.
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