Single all the Way Netflix
© Netflix/Philippe Bosse

Single All the Way

Inhalt / Kritik

Single all the Way Netflix
„Single All the Way“ // Deutschland-Start: 2. Dezember 2021 (Netflix)

Eigentlich freut sich Peter (Michael Urie) immer darauf, in seine Heimat zurückzukehren und seine Familie zu treffen. Wären da nicht die ständigen Kommentare zu seinem Dauer-Single-Status, die ihm tierisch auf die Nerven gehen. Eigentlich wollte er ja seinen besten Freund Nick (Philemon Chambers) vorschieben und als seinen Partner ausgeben. Aber seine Mutter Carole (Kathy Najimy) hat ihm in weiser und fürsorglicher Voraussicht bereits ein Date mit dem heißen Fitnesstrainer James (Luke Macfarlane) besorgt. Etwas widerwillig lässt sich Peter auf das Treffen ein und ist positiv überrascht, ein zweites Treffen ist schnell arrangiert. Der Rest von seiner Familie ist hingegen von dem charmanten Nick angetan und beschließt, dass da doch mehr drin sein muss …

Alles wie immer, nur jetzt als schwul

Christmas Flow, Prinzessinnentausch 3: Auf der Jagd nach dem Stern, A Castle for ChristmasNetflix haut mittlerweile wieder jede Woche eine neue Liebeskomödie in weihnachtlichem Setting heraus, in der Hoffnung, damit die lukrative Zielgruppe für romantische-besinnliche Berieselung anzusprechen. Diese Filme sind dabei natürlich immer sehr austauschbar, weshalb es nie verkehrt ist, irgendetwas Besonderes anzubieten. Die Kunst ist es, dem Publikum immer wieder dasselbe zu verkaufen und dabei nur ein bisschen an den Details zu schrauben. So auch bei Single All the Way. Hier besteht die Besonderheit darin, dass es ausnahmsweise mal um zwei homosexuelle Männer geht, die im Schein des Weihnachtssterns endlich ihr amouröses Glück finden dürfen.

Das Szenario ist dabei zu Beginn schon sehr umständlich. Ein Dauersingle, der Partner, der kein Partner ist, dazu noch der Traummann, der praktischerweise in dem kleinen Kaff darauf wartet, dass man vorbeikommt, da wurde schon einiges zurechtgebogen, um zur gewünschten Konstellation zu gelangen. Aber mit Fragen zur Plausibilität braucht man bei derartigen Filmen bekanntlich nicht zu kommen. Das bringt nichts. Um diese große Anstrengung auszugleichen, passiert danach nichts, was man auch nur in den selben Satz wie das Adjektiv „kreativ“ packen wollte. Man schaltet einfach auf Autopilot und verlässt sich offensichtlich darauf, dass es reicht, dieses Mal mehrere gutaussehende Männer zu nehmen und die Frauen wegzulassen. Ansonsten weiß man hier zu jeder Zeit, was als nächstes geschieht.

Selbstbestimmung? Fehlanzeige

Das kann man nun langweilig finden oder auch ärgerlich. Fragwürdig ist dabei zudem, wie hier die gesamte Familie übergriffig wird und das offensichtlich als völlig okay angesehen wird. Die Mutter will mit James verkuppeln, der Rest mit Nick. Anderen darf man zu ihrem Glück verhelfen, wenn sie selbst zu doof sind, es selbst zu tun. Was Peter will, das scheint niemanden zu interessieren. Er wird nicht einmal um seine Meinung gefragt. Und natürlich gibt Single All the Way ihnen am Ende recht. Auch da folgt der Film dem Motto: Hauptsache Bestätigung. Ob die Entwicklung Sinn ergibt, das ist sekundär. Es müssen zum Finale nur die beiden Richtigen sich in den Armen liegen, damit die Welt wieder in Ordnung ist. Vor allem wenn einer der beiden jemand ist, der zuvor nie Glück hatte.

Warum er nie Glück hatte, darüber schweigt sich Regisseur Michael Mayer (The Seagull – Eine unerhörte Liebe) aus. Eine Erklärung, weshalb die zwei Männer, die sich gegenseitig lieben, das nie in Angriff nehmen, wird zwar geliefert. Sie ist nur nicht überzeugend. Man nimmt Peter und Nick auch nicht unbedingt ab, dass sie das große Liebespaar sind. Sie sind sich so wenig ihrer eigenen Gefühle bewusst, dass im Film davon nichts zu spüren ist. Wenn Single All the Way am Ende behauptet, beide hätten sich gegenseitig schon immer geliebt, ist das dann schon ein bisschen dreist. Wem das alles egal ist und einfach nur attraktive Menschen sehen will, bekommt das. Jennifer Coolidge als Tante und Kathy Najimy als Mutter setzen zumindest ein paar humoristische Akzente. Der Rest darf immerhin die Erkenntnis mitnehmen, dass Gleichberechtigung für die LGBT-Community bedeutet, dass sie ihre eigenen nichtssagenden Wegwerf-RomComs bekommt. Ob das aber einen tatsächlichen Fortschritt darstellt, darüber kann man geteilter Meinung sein.

Credits

OT: „Single All the Way“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Michael Mayer
Drehbuch: Chad Hodge
Musik: Anton Sanko
Kamera: Eric Cayla
Besetzung: Michael Urie, Philemon Chambers, Luke Macfarlane, Barry Bostwick, Jennifer Coolidge, Kathy Najimy

Bilder

Trailer

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In „Single All the Way“ kehrt ein attraktiver Junggeselle in die Heimat zurück, wo er gleichzeitig mit einem Blind Date und seinem besten Freund verkuppelt werden soll. Die ständigen Übergriffe irritieren. Ansonsten ist die weihnachtliche LGBT-Liebeskomödie langweilige und schlampig erzählte Wegwerfware.
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