The Hollow
© Netflix

„The Hollow“, Kanada, 2018

The Hollow
„The Hollow“ ist seit 8. Juni 2018 auf Netflix verfügbar

Sie wissen nicht, wer sie sind, wo sie sind oder auch wie sie hierher gekommen sind. Eines wissen die drei Jugendlichen aber, als sie in einem zugemauerten Raum aufwachen: Sie wollen wieder raus. Das bedeutet dann wohl, dass sie sich gegenseitig vertrauen müssen, denn allein – so viel steht fest – werden sie ihr Verlies nicht verlassen können. Glücklicherweise verfügen sie auch über seltsame Kräfte, die ihnen bei ihrem Abenteuer weiterhelfen. Und Hilfe können sie mehr als genug gebrauchen, denn die Welt, die sie da draußen vorfinden, ist nicht nur riesig, sondern auch sehr eigenartig. Von den vielen Gefahren, denen sie auf der Suche nach Antworten und einem Weg nach Hause begegnen, ganz zu schweigen.

Sogenannte Escape Rooms sind seit einer Weile schon der letzte Schrei: Die Teilnehmer werden in einem Raum eingesperrt und müssen gemeinsam Rätsel lösen, um den Ausweg zu finden und unterwegs vielleicht den einen oder anderen Schatz einsammeln. The Hollow, so scheint es zunächst, nimmt dieses Prinzip und macht daraus eine Serie. Aber auch Erinnerungen an Genrebeiträge wie Cube und Saw werden wach, wo ebenfalls eine Gruppe von Fremden in einem Raum voller Aufgaben und Fallen aufwacht, ohne eine Ahnung zu haben, wie sie dort gelandet ist.

Düsteres für eine jüngere Zielgruppe
Ganz so perfide wie bei den beiden Filmen wird es hier aber nicht, dafür ist die Zielgruppe dann doch zu jung. Bei der Netflix-Serie wird niemand verstümmelt, es kommt auch keiner ums Leben. Und doch ist The Hollow teils überraschend düster, manchmal regelrecht morbide. Da laufen Kreaturen herum, die aus der Hölle entflohen scheinen, ob nun riesige Spinnen, Hexen oder Zombies, da herrscht schon eine gewisse Albtraumgefahr. Und auch die Welt an sich würde man kaum als idyllisch bezeichnen wollen, auf jeden Schritt, jeden Tritt, folgt ein neuer Abgrund – mal wortwörtlich, dann wieder im übertragenen Sinne.

Die Spannung bleibt auf diese Weise hoch, gekoppelt mit der Neugierde, was als nächstes passiert. In den nur zehn Folgen werden so oft die Schauplätze gewechselt, dass man zwischendurch Zweifel bekommt, ob das wirklich eine zusammenhängende Welt ist. Umso mehr, da diese Schauplätze unterschiedlicher kaum sein könnten. Das Gefühl eines epischen Abenteuers bleibt auf diese Weise etwas auf der Strecke, da es selten zu einer großen Reise kommt. Das Tempo ist hoch, die Willkürlichkeit ist es auch. Hier scheint alles nur nach dem Zufallsprinzip zu funktionieren.

Das Chaos als Konzept
Doch das ist ausnahmsweise mal kein Versäumnis der Drehbuchautoren, sondern vielmehr Teil des Konzepts. Die drei Jugendlichen und damit das Publikum sollen ja verblüfft sein, dass hier so vieles zusammenkommt, das gar nicht zusammenpasst. Sollen sich darüber den Kopf ebenso zerbrechen wie über ihre fehlenden Erinnerungen und die eigenartigen Fähigkeiten, über die jeder verfügt. Die Auflösung, was denn nun dahinter steckt, die kommt ein bisschen früh in der Geschichte. Auch das Ende dürfte nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen, sowohl wegen des Inhalts wie auch wegen seiner sehr abrupten Art.

Spaß macht die Serie aber, ist abwechslungsreich und lässt nur wenig Raum für Langeweile. Sie ist teilweise auch recht lustig, was mit den absurden Begegnungen und den ständigen Streitereien innerhalb der Gruppe zusammenhängt. Gerade weil sie doch alle recht unterschiedlich sind und ein bisschen mit der Situation überfordert, kommt es zu regelmäßigen Rangeleien – auch darüber, wer denn nun das Sagen hat. Weniger lustig ist die visuelle Umsetzung, die nur selten überzeugt. Einige der Designs sind aufgrund ihrer Kuriosität noch nett anzusehen. Ansonsten ist The Hollow aber nur eine weitere der aktuellen Animationsserien, in denen Flash und CGI miteinander gemischt wird. Die Animationen sind recht holprig, nennenswerte Detailarbeit gibt es weder bei den Figuren noch bei den Hintergründen. Sehenswert ist dieses etwas andere Abenteuer aber trotz der ernüchternden Verpackung.



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Wenn in „The Hollow“ drei Jugendliche in einer fremden und sehr seltsamen Welt aufwachen und versuchen, gemeinsam Antworten und einen Ausweg zu finden, dann richtet sich das zwar an ein tendenziell jüngeres Publikum. Aber auch Erwachsene schauen bei diesem temporeichen und teils absurden Abenteuer rein, selbst wenn die visuelle Umsetzung zu wünschen übrig lässt.
7
von 10