Chosen Netflix
© Netflix/Laust Trier Mørk

Chosen – Staffel 1

Inhalt / Kritik

Chosen Netflix
„Chosen“ // Deutschland-Start: 27. Januar 2022 (Netflix)

Middelbo ist nicht unbedingt ein Ort, der für großen Nervenkitzel oder herausragende Vergnügungsmöglichkeiten steht. Wenn Touristen in die dänische Kleinstadt kommen, dann wegen eines Ereignisses, das inzwischen schon 17 Jahre zurückliegt. Damals war in der Nähe ein Meteor eingeschlagen, wovon die Leute bis heute erzählen. Aber erzählen sie auch die Wahrheit? Emma (Malaika Berenth Mosendane) zumindest ist nicht so wirklich davon überzeugt. Vielleicht steckte damals doch noch ein bisschen mehr dahinter. Und so beginnen sie, Marie (Andre Heick Gadeberg), Mads (Albert Rudbeck Lindthardt) und Frederik (Andreas Dittmer), in der Vergangenheit herumzuschnüffeln, auf der Suche nach Antworten …

Das Drama der Alien-Invasion

So eine kleine Alien-Invasion hat noch nie geschadet. Zumindest nicht, wenn es darum geht, das Publikum mit Filmen oder Serien einen schönen Abend zu bescheren. Zumal das Thema erstaunlich flexibel einsetzbar ist. Infiltration etwa macht das ganz klassisch mit Action- und Thriller-Momenten, sofern man den recht gemächlichen Einstieg überstanden hat. Save Yourselves! wiederum nahm den Einfall der Monster mit Humor, wenn ein kriselndes Paar gleichzeitig auf einem Neue-Medien-Entzug ist und deshalb gar nichts von der Geschichte mitbekommt. Nun gibt es mit der dänischen Netflix-Serie Chosen eine dritte Genre-Variante. Dieses Mal ist man überwiegend im Drama-Bereich unterwegs, angereichert mit ein bisschen Mystery. Schließlich wird am Anfang noch so getan, als wäre da ein Meteor heruntergefallen, was aber so schnell in Frage gestellt wird, dass die eigentliche Wahrheit kein wirklicher Spoiler mehr ist.

Die Zielgruppe hierfür ist ein wenig jünger, denn im Mittelpunkt stehen – wie bei so vielen Serien des Streaminganbieters – eine Gruppe Jugendlicher. Was das bedeutet, kann man sich ausmalen. Die Frage, was oder wer da aus dem Weltall kam, rückt bei Chosen regelmäßig in den Hintergrund. Dafür darf dann wieder mit Gefühlen gekämpft werden. Das können solche amouröser Natur sein. Vielleicht gibt es auch Irritationen innerhalb der Familie. Außerdem geht es ganz grundsätzlich darum, einen Platz für sich in der Welt zu suchen. Gerade Emma hatte immer damit zu kämpfen, sich nicht wirklich zu etwas zugehörig zu fühlen. Die Begegnung mit dem Fremden da draußen ist dadurch eng mit einer Beschäftigung mit dem eigenen Ich verbunden. Als Idee ist das so verkehrt nicht, eigene Entfremdungsgefühle und die Konfrontation mit einer äußeren Andersartigkeit, das kann schon passen.

Geduld ist gefragt

Tatsächlich interessant ist das Ergebnis aber nicht. Die von Jannik Tai Mosholt und Christian Potalivo erdachte Serie kommt oft nicht so wirklich von der Stelle. Sowohl bei der Frage nach dem Geheimnis wie auch bei den persönlichen Geschichten neigt man dazu, ein bisschen zu sehr auf der Bremse zu stehen. Natürlich ist es nicht grundlegend verkehrt, es einmal ruhiger angehen zu lassen und sich bei der Entwicklung Zeit zu lassen. Diese Geduld sollte aber schon belohnt werden, es braucht da etwas, was die Warterei wert war. Bei Chosen ist das nur bedingt der Fall, praktisch erst auf der Zielgeraden wird es tatsächlich mal interessant. Obwohl die erste Staffel mit sechs rund 45 Minuten langen Folgen nicht wirklich lang ist, kommt einem das zuweilen doch länger vor.

Das bedeutet aber nicht, dass da nicht schon vorher die eine oder andere gelungene Szene dabei ist. Beispielsweise gibt es immer mal wieder schöne Bilder, die dänische Serie kann sich in der Hinsicht schon sehen lassen. Die schauspielerischen Leistungen sind recht solide, was im Umfeld des Teenie-Dramas keine Selbstverständlichkeit ist. Die Geschichte um die Außerirdischen hat zudem Potenzial, gerade auch bei künftigen Staffeln, die bei einem derart offenen Ende besser kommen sollten. Für sich genommen ist die erste Staffel von Chosen jedoch nur durchschnittlich. Schade ist zudem, dass das Kleinstadtsetting so wenig genutzt wird. Da wäre wie bei diversen anderen Aspekten der Serie noch einiges mehr drin gewesen. Die Hoffnung auf einen schönen atmosphärischen Geheimtipp aus dem Norden hat sich nicht bewahrheitet.

Credits

OT: „Chosen“
Land: Dänemark
Jahr: 2022
Regie: Kaspar Munk
Drehbuch: Jannik Tai Mosholt, Ida Maria Rydén, Stefan Jaworski, Julie Budtz Sørensen
Idee: Jannik Tai Mosholt, Christian Potalivo
Musik: August Fenger
Kamera: Laust Trier-Mørk
Besetzung: Malaika Mosendane, Andrea Heick Gadeberg, Andreas Dittmer, Albert Rudbeck Lindhardt, Mohamed Djeziri, Magnus Juhl Andersen, Anders Heinrichsen, Line Kruse

Bilder

Trailer

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„Chosen“ mischt Teenie-Drama und außerirdische Verschwörungstheorien zu einer nur mäßig interessanten Serie. Die Geschichte hat schon Potenzial, auch die schönen Bilder machen Spaß. Nur kommt man hier lange kaum vom Fleck. Da braucht es schon viel Geduld, die so nicht unbedingt belohnt wird.
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