„The Boss Baby: Back in Business – Season 1“, USA, 2018
Regie: Matt Engstrom, Pete Jacobs, Allan Jacobsen, Christo Stamboliev
Drehbuch: Brandon Sawyer, JD Ryznar, Sam Cherington, Alexandra Decas, Melanie Kirschbaum; Vorlage: Marla Frazee

The Boss Baby Wieder im Geschaeft

„The Boss Baby: Wieder im Geschäft – Staffel 1“ ist seit 6. April 2018 auf Netflix verfügbar

Anfangs war das Verhältnis von Tim Templeton und seinem jüngeren Bruder Ted ja ein klein wenig schwierig – nicht zuletzt weil Letzterer in Wahrheit ein knallharter Geschäftsmann ist, der nur so tut, als wäre er ein normales Baby. Aber inzwischen haben die beiden sich zusammengerauft. Müssen sie auch, denn eine neue Bedrohung ist in ihrer Umgebung aufgetaucht: der finstere Bootsy Calico. Der hat es sich in den Kopf gesetzt, um jeden Preis die Beliebtheit kleiner Kätzchen steigern zu wollen und damit die der direkten Konkurrenz von Babys. Da kann Ted natürlich nicht tatenlos zusehen. Sein Kampf gegen den verschlagenen Gegner wird jedoch immer wieder durch interne Scherereien unterbrochen, sei es innerhalb der Familie oder bei der Arbeit, wo er nicht unbedingt nur Freunde hat.

Dick im Geschäft
Während sich Disney zuletzt als Lieferant von Streamingdiensten zurückzieht, wohl auch in Vorbereitung des eigenen, wird die Zusammenarbeit von DreamWorks Animation und Netflix immer enger. Filme sind dabei bislang zwar noch nicht herausgesprungen, dafür aber eine ganze Reihe von Specials und Serien, die auf bekannten Filmen des Animationsstudios basieren. Der neueste Streich ist The Boss Baby: Wieder im Geschäft, welches den letzten Jahr erschienenen Erfolgstitel The Boss Baby fortsetzt.

Nach Möglichkeit sollte man den Film, der seinerseits sehr lose auf dem Buch von Marla Frazee basierte, gesehen haben, bevor man sich an die Serie setzt. Denn Wieder im Geschäft setzt schon recht offensichtlich voraus, dass man mit den Figuren und deren Situation vertraut ist. Wer das nicht von sich behaupten kann, wird erst einmal ziemlich verwirrt dreinschauen. Wieso steht ein Baby an der Spitze eines Unternehmens? Weshalb wissen die Eltern nichts davon? Warum steht Ted derart mit Katzen im Clinch?

Eine Beleidigung fürs Auge
Wirklich viel Sinn ergibt die Serie aber auch mit Vorkenntnissen nicht – was durchaus beabsichtigt ist. Das absurde Szenario um Beliebtheitswettbewerbe und geheime Baby-Mega-Unternehmen gehörte sogar zu den großen Stärken des Films. Das gilt bei Wieder im Geschäft auch. Genau genommen ist sie sogar mehr oder weniger die einzige Stärke bei einer Serie, die leider in jeder Hinsicht einen Rückschritt zum Film darstellt. Teils einen sehr deutlich sogar.

Am schlimmsten hat es die Optik erwischt. Dass die bei einer Online-Serie nicht das Niveau des immerhin 125 Millionen Dollar teuren Films erreichen würde, das war schon eingeplant. Wie hässlich Wieder im Geschäft sein würde aber nicht. Auf Details wurde aus Budgetgründen verzichtet, auch wenn durchaus dafür Platz gewesen wäre. Wortwörtlich. So als ob Familie Templeton gerade kurz vor einem Umzug stände, wurden sämtliche Dekorationen oder Haushaltswaren aus ihren vier Wänden entfernt. Und auch wenn diese mal verlassen, in den Garten gehen, ins Büro, auch einem Restaurant einen Besuch abstatten – die Animationsserie bleibt minimalistisch, um nicht zu sagen schäbig. Wenn die Figuren dann auch noch so austauschbar modelliert sind wie hier, dann ist die Versuchung abzuschalten, noch bevor das erste Wort gesagt wird, hoch.

Absurdität ist Trumpf
Inhaltlich ist Wieder im Geschäft eine immerhin zwiespältige Angelegenheit. Anfangs schockiert die Serie auch da mit schlechten Witzen, welche sich ausgerechnet an den schwächeren Teilen von The Boss Baby orientieren. Laut, hektisch, chaotisch, da sollen Witze mit aller Kraft erzwungen werden. Bei den jüngsten Zuschauern könnte das noch funktionieren. Anders als der Film, der gerade auch Eltern überraschend viel zu sagen hatte, ist die Online-Variante ein ambitionsloses Wegwerfprodukt, das lediglich der schnellen Unterhaltung dient.

Das wird sich im Laufe der ersten Staffel zwar nicht grundlegend ändern, auch mit den etwas penetranten Bekenntnissen zu Familienwerten nicht. Witzige Momente finden sich aber durchaus. Während die Konkurrenzkämpfe von Ted und seinem fetten Baby-Chef eher langweilen, war man sich bei dem immer wieder auftauchenden Dauerbösewicht Bootsy Calico für keinen verrückten Blödsinn zu schade. Die Art und Weise, wie dieser versucht, auf der Beliebtheitsskala Babys durch Kätzchen zu verdrängen, führt immer wieder zu amüsant-grotesken Situationen. Und auch die Konflikte von Tim und Ted, die doch sehr unterschiedliche Auffassungen von Familienleben haben, sind manchmal erheiternd. Dem gegenüber stehen aber diverse langweilige Füllerepisoden, nur mit Mühe kann sich Wieder im Geschäft noch ins Mittelfeld retten.

The Boss Baby: Wieder im Geschäft – Staffel 1
4.07 (81.33%) 15 Artikel bewerten

The Boss Baby: Wieder im Geschäft – Staffel 1
Die Buchverfilmung „The Boss Baby“ war trotz diverser Mängel ein überraschend vielschichtiger und optisch gelungener Animationsfilm mit originellen Ansätzen. Davon ist in der ersten Staffel vom Serienableger „Wieder im Geschäft“ nur wenig geblieben. Die Geschichte wurde noch weiter vereinfacht, die Optik ist nahe der Zumutung, die komplette Produktion ist zu oft offensichtliches Wegwerfprodukt. Aufgrund diverser grotesker Situationen und des nach wie vor amüsanten Kontrasts zwischen den beiden Minihelden kann man sich die Serie aber dennoch anschauen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.