Das Privileg Die Auserwählten Netflix
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Das Privileg – Die Auserwählten

Inhalt / Kritik

Das Privileg Die Auserwählten Netflix
„Das Privileg – Die Auserwählten“ // Deutschland-Start: 9. Februar 2022 (Netflix)

Sieben Jahre ist es mittlerweile her, dass seine Schwester Anna (Caroline Hartig) sich auf tragische Weise das Leben nahm. Doch noch immer lässt den mittlerweile 18-jährigen Finn (Max Schimmelpfennig) die Geschichte nicht los. Immer wieder wird er von Alpträumen heimgesucht, hat das Gefühl, dass irgendjemand oder irgendetwas hinter ihm her ist. Dass das alles Hirngespinste sind, ist ihm auch klar. Oder steckt etwa doch mehr dahinter? Als es zu einer Reihe ebenso mysteriöser wie brutaler Ereignisse kommt, ist er sich plötzlich nicht mehr so sicher. Und so macht er sich mit seiner besten Freundin Lena (Lea van Acken) auf die Suche nach Antworten. Leicht ist das nicht, will ihm doch niemand wirklich glauben. Nicht einmal seine eigene Familie unterstützt ihn dabei …

Die Angst vorm deutschen Horror

Horror made in Germany, das hat nach wie vor Seltenheitswert. Zwar wird dieses Genre auch bei uns kräftig konsumiert, produziert jedoch eher wenig. Klar gibt es die Ausnahmen, richtig sehenswerte sogar, darunter den Geheimtipp Schlaf um eine junge Frau, die ein mysteriöses Hotel erkundet. Aber es bleiben eben Ausnahmen. Nun startet auf Netflix mit Das Privileg – Die Auserwählten ein weiterer Versuch, diese Nische zu füllen. Warum auch nicht? Dort hatte man schließlich gute Erfahrungen mit düsteren Stoffen aus deutschem Lande gemacht. Zwar waren weder die Vampir-Flugzeug-Groteske Blood Red Sky noch der Psychothriller Schwarze Insel tatsächlich gelungen. Die Einschaltquoten stimmten aber, das Interesse für solche Werke ist also definitiv da.

Gut möglich, dass auch Das Privileg – Die Auserwählten zu einem Publikumserfolg wird. Mit der Qualität hätte das dann leider aber erneut eher weniger zu tun. Auch wenn sich der Mix aus Horror und Mystery an internationalen Vorbildern orientiert und eine durchaus ansehnliche Eigenvariante daraus macht: An dem Film stimmt so vieles nicht, dass man selbst mit viel gutem Willen keine wirkliche Empfehlung aussprechen kann. Dabei geht das Ganze sogar stimmungsvoll los, wenn wir von dem noch immer nicht ganz nachvollziehbaren Selbstmord erfahren. Das provoziert auf jeden Fall eine Menge Fragen, sowohl beim Protagonisten wie auch beim Publikum. Schwierig wird es aber, wenn es um das konkrete Beantworten dieser Fragen geht.

Das Geheimnis hinter dem Geheimnis

Ideen hat das Regie- und Drehbuchduo Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde, die gemeinsam auch an der mit Rubinrot gestarteten Trilogie um zeitreisende Jugendliche gearbeitet haben, dabei durchaus. Es sind nur gleichzeitig zu viele und wenige. Man merkt den beiden an, dass sie ganz besonders viel in ihren Genreausflug packen wollten, weshalb sich da kräftig durch die Horrorhistorie zitiert wird. Zu Beginn meint man noch, es bei Das Privileg – Die Auserwählten mit einem der vielen Filme zu tun zu haben, bei denen eine Gruppe Jugendlicher von irgendeinem Dämonen verfolgt werden. Kandisha – Der Fluch war kürzlich so ein Beispiel. Schließlich tauchen da immer mal wieder seltsame Gestalten auf, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen.

Diese Geschichte wird aber mit der Zeit deutlich verkompliziert, wenn Fuchssteiner und Schöde auf Schritt und Tritt neue Geheimnisse einbauen, die gelöst werden müssen. Natürlich ist es nicht verwerflich, wenn Horrorfilme mit Rätseln und Andeutungen derselben arbeiten. Die Kombination aus Schrecken und Mystery ist nicht ohne Grund so bewährt. Das verkommt bei Das Privileg – Die Auserwählten aber zu schnell zum Selbstzweck, was zu Lasten der Handlung geht. Es fehlen da einfach die inhaltlichen Fortschritte, das Gefühl auch mal tatsächlich voranzukommen. Schnell, viel zu schnell, versumpft der Film in seiner eigenen Sinnsuche. Die anfängliche Neugierde macht entweder Ungeduld oder Langeweile Platz. Spannung ist hier ebenso wenig zu finden wie klare Antworten.

Hübsch verpackte Langeweile

Dafür sieht das alles ganz hübsch aus. Kameramann Jakub Bejnarowicz (Der Mann aus dem Eis) fängt das Leiden des jungen Finn in schaurig-schönen Alpträumen ein, die sich auch im Kino gut gemacht hätten. Da sind schon einige Szenen dabei, die tatsächlich Eindruck hinterlassen. Dem Ensemble selbst kann man ebenfalls nicht wirklich etwas vorwerfen, es versucht zumindest, inmitten in der Einöde so etwas wie Emotionalität zu erzeugen. Das ändert aber nichts daran, dass Das Privileg – Die Auserwählten nicht unbedingt dafür geeignet ist, Werbung für den deutschen Horrorfilm zu machen. Das wirkt hier so, als würde jemand eine Fremdsprache nachsprechen, ohne zu wissen, was diese Worte eigentlich bedeuten sollen. Das hört sich dann vielleicht wie das Original an, bleibt aber ohne echten Inhalt, weshalb man sich im Anschluss fragen darf: Und was genau wolltet ihr mir jetzt damit sagen?

Credits

OT: „Das Privileg – Die Auserwählten“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde
Drehbuch: Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde, Sebastian Niemann, Eckhard Vollmar
Musik: Philipp Fabian Kölmel
Kamera: Jakub Bejnarowicz
Besetzung: Max Schimmelpfennig, Lea van Acken, Tijan Marei, Milena Tscharntke, Lise Risom Olsen, Roman Knizka

Bilder

Trailer

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Ihr seid mit Das Privileg – Die Auserwählten schon durch und braucht Nachschub? Dann haben wir vielleicht etwas für euch. In unserem Netflix-Themenbereich sind alle Original-Produktionen gelistet, unterteilt nach Spielfilm, Serie, Doku und Comedy. Unten findet ihr alle Netflix-Titel, die wir auf unserer Seite besprochen haben.

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„Das Privileg – Die Auserwählten“ folgt mehreren Jugendlichen, die unheimliche Erfahrungen machen und dabei einem großen Geheimnis auf die Spur kommen wollen. Das ist schön inszeniert und adäquat gespielt, versumpft aber irgendwann in der eigenen Sinnsuche und kommt einfach nicht voran. Der vielversprechende Ersteindruck macht so der Enttäuschung Platz, schließlich auch der Langeweile.
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