Jefe Der Chef Netflix

„Jefe – Der Chef“ // Deutschland-Start: 26. Oktober 2018 (Netflix)

Bislang hatte César (Luis Callejo) eigentlich alles im Leben, beruflich wie privat. Doch zuletzt ist ziemlich der Wurm drin. Seine Frau hat ihn verlassen und droht ihm auch noch damit, den gemeinsamen Sohn wegzunehmen. Und auch bei der Arbeit gibt es Ärger: Das von ihm gegründete Unternehmen klagt unter rapide sinkenden Profiten. Wenn nicht bald etwas geschieht, dann war es das, die Aktienteilhaber werden bereits unruhig. Da macht César die Bekanntschaft von Ariana (Juana Acosta), die nachts die Büroräume putzt und ihm dabei hilft, das Leben noch einmal von einer anderen Perspektive aus zu sehen.

Wir verbringen einen Großteil unserer Woche am Arbeitsplatz. Jeder hat so seine Geschichten, die er darüber erzählen könnte. Über inkompetente Kollegen, die sich von einer Pause zur nächsten hangeln. Über unberechenbare Chefs, die mangelnde Souveränität mit Lautstärke überdecken wollen. Das bietet sich natürlich wunderbar an für Komödien, in denen die Eigenheiten der Leute aufs Korn genommen werden. Jefe – Der Chef tut das auch, wenngleich nicht ganz so wie gedacht. Von den normalen Bediensteten ist hier fast nichts zu sehen, stattdessen dreht sich nahezu der gesamte Film über den Boss und dessen Probleme.

Der Zauber der Besserung
Das bietet sich als Identifikationsfläche eher weniger an. Zumindest dürfte es nur wenige geben, die sich selbst in dem cholerischen, arroganten und zugleich völlig ahnungslosen César wiederfinden wollen. Aber das muss ja nicht so bleiben: Auftritt Ariana. Die alleinerziehende Mutter ist das Gegenstück zu ihm, einfach, aber kompetent, warmherzig und selbstbewusst. Dazu ist sie ein gutes Stück jünger und hübscher, so wie es solche Rollen nun einmal verlangen. Schließlich soll sie nicht nur den Despoten zu einem besseren Menschen machen, sondern dabei zeitgleich das Publikum verzaubern.

Zum Teil zumindest ist Jefe – Der Chef dann auch einer dieser Filme, in denen verhärtete Widerlinge anfangen, sich selbst zu hinterfragen, ihre weiche Seite entdecken und am Ende den Menschen etwas Gutes tun wollen, sei es auf der emotionalen oder der finanziellen Ebene. Der Antagonist, der zum Protagonisten wird. Schließlich will man ja an das Gute glauben, selbst heute noch. Das ist nett, gerade auch weil Juana Acosta wie ein Wirbelwind durch die Büroräume fegt, die Geschichte mit Leben, Herz und wildem Charme erfüllt. Zumindest ansatzweise wird die spanische Produktion hier zu einer Romanze, wenn die beiden sich durch ihre Liebe zu den jeweiligen Kindern annähern.

Don’t Shoot the Messenger!
Den letzten Schritt will der Netflix-Film dann aber doch nicht gehen. Stattdessen soll Jefe eben auch eine Komödie sein, die sich mit den Machenschaften der Firma auseinandersetzt. Und den Problemen daheim. Gerade Letzteres ist tatsächlich witzig, wenn die Auseinandersetzungen zwischen César und seiner Frau als Running Gag fast ausschließlich über einen Boten (Adam Jezierski) stattfinden, der offensichtlich lieber Schauspieler wäre und die Anfeindungen der beiden durch die Stadt trägt. Aber auch die diversen Intrigen am Arbeitsplatz laden immer mal wieder zum Schmunzeln ein.

Mehr als nett ist Jefe jedoch nicht, was teils strukturell begründet ist: Die drei Handlungsstränge – Firmenprobleme, Scheidungskrieg und nächtliche Romantik – laufen weitestgehend unabhängig voneinander. An einigen Stellen gibt es Überschneidungen, ohne aber dass daraus eine gemeinsame Geschichte würde. Die Bestandteile finden nur zeitgleich statt, verdeutlicht durch die Wochentage, welche eingeblendet werden. Zudem verfolgt der Film die einzelnen Richtungen nie wirklich konsequent. Für eine Komödie ist die Gagdichte eher gering, für ein dramatisches Charakterporträt fehlt der Tiefgang, die Spitzen gegen Wirtschaftsgier sind harmlos, die angedeutete Romanze wird nie zu einer. Da wäre sicher noch mehr möglich gewesen.Es bleibt aber zumindest ein Film, den man sich ganz gut anschauen kann, um die Zeit zu vertreiben.

Jefe – Der Chef
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Jefe – Der Chef
„Jefe – Der Chef“ erzählt die Geschichte eines Firmenchefs, dem privat und beruflich alles entgleitet. Das ist zum Teil Büro- und Scheidungskomödie, ein bisschen Selbstbesserungsdrama, mit einem Schuss Romanze. Wirklich konsequent wird aber nichts davon verfolgt, der spanische Film ist nett, des Öfteren amüsant, letztendlich ziemlich harmlos.
6von 10

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