Sempre più bello Nie meine Liga Netflix
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Nie meine Liga

Sempre più bello Nie meine Liga Netflix
„Nie meine Liga“ // Deutschland-Start: 1. April 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Marta (Ludovica Francesconi) hat es geschafft: Nach der Transplantation einer neuen Lunge kann sie endlich ein normales Leben führen. So zumindest die Hoffnung. Und noch in einer zweiten Hinsicht steht ein neuer Abschnitt für sie an, haben sie und ihr Freund Gabriele (Giancarlo Commare) doch beschlossen zusammenzuziehen. Das bedeutet jedoch auch, dass sie aus ihrer alten WG ausziehen und ihre besten Freunde Jacopo (Jozef Gjura) und Federica (Gaja Masciale) hinter sich lassen muss, was für alle Beteiligten nicht ganz einfach ist. Jacopo hat aber noch ein ganz anderes Problem: Er ist in Diego (Diego Giangrasso) verknallt, den Arzt von Marta. Und als wäre das nicht alles schon aufregend genug, müssen sich Marta und Gabriele mit ihren Familiengeschichten auseinandersetzen …

Von Mal zu Mal schlechter

Wie oft kann man dieselbe Geschichte? Dreimal, mindestens. Dieser Ansicht schien man zumindest bei der Netflix-Trilogie um die schwerkranke Marta zu sein, die von der großen Liebe träumt. Im ersten Teil Nicht meine Liga hatte das durchaus noch gewisse Qualitäten, da die Protagonistin als Frau mit eigenen Fehlern dargestellt wurde und unter anderem selbst recht oberflächlich war, was sie erst erkennen musste. Dass Ludovica Francesconi als hässliches Entlein verkauft wurde, war zwar lächerlich. Insgesamt war der Film aber nett mit einen skurrileren Einfällen. Der völlig überflüssige zweite Teil Immer noch nicht meine Liga war deutlich weniger erwähnenswert, begnügte sich mit uninspirierten und langweiligen Wiederholungen – und einem dreisten Cliffhanger zum Schluss, der einen dritten Teil notwendig machte. Der liegt nun mit Nie meine Liga vor. Und irgendwie schafft es der Abschluss, noch einmal deutlich schlechter zu sein als der Vorgänger.

Immerhin: Die chronische Unsicherheit, mit der sich Marta in den ersten beiden Filmen herumplagen musste, scheint verschwunden. Das eröffnet die Möglichkeit, auch einmal eine andere Geschichte zu erzählen und die Protagonistin vielleicht wachsen zu lassen. Letztere Chance wurde jedoch nicht genutzt. Irgendwie wurde sie von Mal zu Mal nichtssagender. Die Drehbücher definierten sie von Anfang an sehr über ihre Krankheit und die Schwierigkeit, eine Beziehung aufzubauen. Ohne diese Schwierigkeit bleibt letztendlich aber nichts übrig außer der Krankheit. Und tatsächlich: Nie meine Liga hat über die eigene Hauptfigur nichts zu sagen. Schon im zweiten Teil war die Krankheit ein reines Mittel zum Zweck. Im dritten wird das noch einmal schlimmer, die manipulative Tendenz der Reihe hat sich noch einmal verstärkt. Zum Ende hin wusste man sich nicht anders zu helfen, als die Krankheit ein weiteres Mal zu instrumentalisieren – was so ziemlich der billigste Trick ist, den man in so einem Film anwenden kann.

Eine Großmutter, die keine ist

Eine Neuerung gibt es in Nie meine Liga dabei schon: Da taucht auf einmal eine Großmutter auf, bei der Marta aufgewachsen ist, von der sie aber nichts mehr wissen will. Eine Nebenhandlung erzählt dann auch von den Versuchen Gabrieles, die zwei Familienmitglieder, die nur noch einander haben, wieder miteinander zu versöhnen. Prinzipiell ist ein solches Thema natürlich schon legitim. Aber auch hier lässt der Film jegliche Nuancen vermissen, schafft es zu keiner Zeit, auch mal ein bisschen in die Tiefe zu gehen und genauer hinzuschauen. Man begnügt sich mit Schlagworten und einer Auflösung, die keine ist. Genauer hätte diese Nebenhandlung auch komplett gestrichen werden können, ohne dass es einen Einfluss auf die Geschichte gehabt hätte.

Bizarr ist in dem Zusammenhang auch, dass die Figur der Großmutter von einem Mann gespielt wird. Genauer ist es Gianluca Gori, der hier als sein weibliches Alter Ego Drusilla Foer auftritt. Dieses mag in Italien bekannter sein, führt aber dennoch zu Irritationen. Obwohl die Großmutter sehr auffällig nur von hinten zu sehen ist und zu Hause ständig im Schatten sitzt, was für sich genommen schon seltsam wirkt, ist doch zu jeder Zeit klar: Das hier ist ein Mann. Wäre das irgendwie in den Inhalt integriert im Sinne von Transsexualität, hätte das noch irgendwie funktionieren können. So ist es nur eines von mehreren Beispielen dafür, dass das Drehbuchteam Roberto Proia und Michela Straniero willkürlich irgendwas zusammengeschrieben hat.

Ein Fall für Fans

Auch andere Handlungselemente wie ein plötzlich auftauchendes Baby oder Federicas Frust bei der Arbeit verstärken den Eindruck, dass Nie meine Liga eigentlich eine Serie ist, die auf Filmfassung zusammengestutzt wurde. Da passiert ständig was und gleichzeitig nichts. Nie ist etwas durchdacht und konsequent verfolgt. Einzig die Geschichte um Jacopo, der Diego hinterherläuft, geht als wirklicher Handlungsstrang durch. Richtig interessant ist aber auch der nicht. Fans der Filme, die sich schon bei den Vorgängern nicht an den inhaltlichen Mängeln gestört haben, dürfen natürlich trotzdem reinschauen und zum vermeintlich letzten Mal zusehen, wie ihr Leben im Chaos versinkt. Abgesehen vom vergleichsweise charmanten ersten Teil ist das hier aber reine Wegwerfware, die auf billigste Weise mit Gefühlen spielt, ohne wirklich etwas mit dem Thema anfangen zu können.

Credits

OT: „Sempre più bello“
IT: „Forever Out of My League“
Land: Italien
Jahr: 2021
Regie: Claudio Norza
Drehbuch: Roberto Proia, Michela Straniero
Musik: Enrico Gabrielli
Kamera: Emanuele Pasquet
Besetzung: Ludovica Francesconi, Giancarlo Commare, Jozef Gjura, Gaja Masciale, Jenny De Nucci, Diego Giangrasso, Gianluca Gori

Trailer

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Nie meine Liga
Fazit
„Nie meine Liga“ schließt nahtlos an die Vorgänger an und schafft es dabei, noch einmal schwächer zu sein. Die manipulative Art beim Umgang mit der kranken Protagonistin ist geblieben. Hinzu kommen zahlreiche völlig belanglose Nebenhandlungen, von denen einzig die um die Großmutter auffällt – weil die von einem Mann gespielt wird. Da nicht einmal mehr die Liebesgeschichte Reibungen enthält, bleibt es bei einem schwachen Abschluss der seinerzeit noch charmant begonnenen Reihe.
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