Infiesto Netflix
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Infiesto

Infiesto Netflix
„Infiesto“ // Deutschland-Start: 3. Februar 2023 (Netflix)

Inhalt / Kritik

März 2020: Aus Angst vor einem weltweit um sich greifendes Virus werden in Spanien wie in vielen anderen Ländern auch Lockdowns verhängt. Die Menschen dürfen nur noch mit guten Gründen ihr jeweiliges Zuhause verlassen. Umso verwirrend ist, als im Norden des Landes die junge Saioa (Andrea Barrado) auftaucht, die mehrere Monate lang spurlos verschwunden war und offensichtlich von jemandem gefangen gehalten wurde. Auf der Suche nach Antworten verschlägt es Inspektor Samuel García (Isak Férriz) und Unterinspektorin Marta Castro (Iria del Río) nach Infierno, eine kleine Minenstadt und das Zuhause von Saioa. An Verdächtigen mangelt es dabei nicht, gleich mehrere kommen für die Entführung in Frage. Dabei müssen sie mit Entsetzen feststellen, dass es sich bei der Entführung offensichtlich nicht um ein Einzelschicksal handelte und jemand ganz finstere Absichten verfolgt …

Mörderjagd während der Corona-Pandemie

Die rund drei Jahre lang währende Corona-Pandemie hinterließ gerade im Film- und Serienbereich große Spuren. So waren weltweit die Kinos geschlossen, Titel wurden an Streamingdienste verkauft, viele Produktionen wurden verschoben oder gleich ganz gestrichen. Es führte aber auch dazu, dass immer wieder mal einzelne Werke diese spezielle Zeit aufgriffen und in die eigenen Geschichten integrierten. Das konnten eher am Alltag orientierte Sachen sein wie 8 Rue de l’Humanité oder Together sein. Andere nahmen den Ausnahmezustand und versuchten, diesen noch irgendwie auszubauen, wie es der Science-Fiction-Thriller Songbird tat. Über Sinn und Zweck konnte man sich dabei zuweilen streiten. Immerhin war aber normalerweise klar, was die Leute hinter diesen Werken beabsichtigten. Beim Netflix-Thriller Infiesto ist das schon deutlich schwieriger.

So nutzt Regisseur und Co-Autor Patxi Amezcua (7th Floor – Jede Sekunde zählt) die Anfangstage der Pandemie, um auf diese Weise eine beklemmende Stimmung zu erzeugen. Es gibt auch immer wieder Momente, in denen der Ausnahmezustand Auswirkungen auf das Polizeiduo hat. Mit der eigentlichen Geschichte von Infiesto hat dies dennoch praktisch nichts zu tun. Tatsächlich hätte man an vielen Stellen die entsprechenden Verweise auch einfach rausnehmen können, ohne dass es nennenswerte Auswirkungen gehabt hätte. Die Jagd auf die Männer, welche Saioa und andere Mädchen entführt haben, hätte ohne Probleme zu jeder anderen Zeit spielen können. Tatsächlich ist das hier ein sehr klassischer Thriller, der in der Tradition anderer bekannter Serienmörder-Geschichten steht. Bis zum Schluss wird nicht klar, was Amezcua in diesem Zusammenhang mit seinem zeitlichen Setting beabsichtige – oder ob er überhaupt etwas beabsichtigt hat.

Atmosphärischer Thriller

Atmosphärisch ist das hingegen nicht die schlechteste Wahl, da der spanische Filmemacher das Gefühl erzeugt, einer unbekannten Bedrohung ausgeliefert zu sein. Die Angst vor dem Unbekannten geht mit der Angst vor den Männern einher, die irgendwo in den Schatten ihrer Tätigkeit nachgehen. Das Publikum darf an diesen Stellen ausgiebig spekulieren und Hypothesen aufstellen. Nicht nur dass hier wie in einem Whodunnit-Krimi verschiedene Verdächtige abgeklappert werden, auf der Suche nach dem wahren Täter. Es muss auch herausgefunden werden, was es überhaupt mit diesen Entführungen auf sich hat. So gibt es zu Beginn von Infiesto ein paar Hinweise, in welche Richtung das gehen könnte. Dennoch bleiben zahlreiche Fragen, die erst im weiteren Verlauf beantwortet werden.

Das mit den Antworten ist dabei eine ziemlich gemischte Angelegenheit. So gibt es zwar eine nette Wendung im späten Verlauf, anderes ist dafür ein bisschen einfallslos. Zum Ende musste es außerdem offensichtlich sehr schnell gehen, da ist der Film recht plötzlich vorbei. Was dafür gelungen ist, das ist die Atmosphäre. Gerade die Aufnahmen aus der kleinen Minenstadt tragen schon maßgeblich dazu bei, dass der Film seine Daseinsberechtigung hat. Die Ausflüge in die Welt der Schatten, vorzugsweise unter der Erde, können sich auf jeden Fall sehen lassen. Zum Ende hin, wenn das Duo dem geheimnisvollen Verbrecher eng auf den Spuren ist, ist so für Nervenkitzel und Unterhaltung gesorgt. Infiesto mag insgesamt kein Titel sein, der einen ähnlichen bleibenden Eindruck hinterlässt wie die Pandemie, an der der Thriller aufgezogen wurde. Aber es reicht doch für einen überdurchschnittlichen Videoabend auf der Couch, wenn man auch ohne Lockdown keinen Schritt mehr hinaus tun möchte.

Credits

OT: „Infiesto“
Land: Spanien
Jahr: 2023
Regie: Patxi Amezcua
Drehbuch: Patxi Amezcua
Musik: Sergio Moure de Oteyza
Kamera: Josu Incháustegui
Besetzung: Isak Férriz, Iria del Río, Juan Fernández, Antonio Buíl, Ismael Fritschi, Ana Villa, María Mera, Isabel Naveira, José Manuel Poga, Luis Zahera, Andrea Barrado

Trailer

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fazit
„Infiesto“ ist ein insgesamt solider Seriemörder-Thriller, der in der Anfangszeit der Corona-Pandemie spielt. Der zeitliche Kontext wird zwar nie so wirklich genutzt. Atmosphärisch ist der spanische Film aber durchaus gelungen, woran das Setting in einer kleinen Minenstadt einen größeren Anteil hat.
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