Kritik

Jungle Beat – The Movie

„Jungle Beat – The Movie“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Es hätte ein Tag wieder jeder andere im Dschungel sein können. Doch dann macht der Affe Munki eine ungeheuerliche Entdeckung: Er kann sprechen! Und nicht nur das, sein bester Freund, der Elefant Trunk, hat es ebenfalls gelernt, gleiches gilt für den Rest der tierischen Gang. Während sie noch darüber nachgrübeln, woher sie diese Gabe auf einmal haben und was sie mit ihr anfangen sollen, kommt schon die nächste Entdeckung aus dem Busch gehüpft. Fneep heißt sie, ist ein kleiner Außerirdischer, der gekommen ist, um die ganze Welt zu unterwerfen, so wie es sein Vater von ihm erwartet – schließlich hat Despotismus in seiner Familie Tradition! Die freundlichen Dschungelbewohner lassen sich darauf ein, wollen ihm sogar helfen, zu seinem Raumschiff zurückzufinden, was aber leichter gesagt denn getan ist …

Wer mit Zeichentrickfilmen von Disney aufgewachsen ist, der wusste schon immer: Tiere sind auch nur Menschen. Das ist inzwischen im gesamten Animationsbereich Standard geworden. Dort wundert sich niemand mehr, wenn Katzen, Hunde oder Kaninchen auf einmal sprechen können, Kleidung tragen oder andere menschliche Merkmale aufweisen. Allein deshalb schon kann Jungle Beat – The Movie gleich zu Beginn mehrere Sympathiepunkte einsammeln. Wenn Munki eines Tages merkt, dass er sprechen kann und sich fragt, ob er das schon immer konnte und einfach nur nie gemerkt hat, dann ist das schon als kleiner Seitenhieb auf die Konkurrenz zu verstehen, die in der Hinsicht so gar keine Skrupel zeigt, geschweige denn sich selbst hinterfragt.

Als die Tiere sprechen lernten
Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum Brent Dawes, der hier Regie führte und das Drehbuch mitschrieb, seinen Tieren zu Beginn des Films das Sprechen beibringt. Wie der Titel Jungle Beat – The Movie bereits andeutet, sind die Figuren nicht neu, sondern im Rahmen einer Serie aufgetreten. Die Folgen waren immer recht kurz, handelten von den Alltagsabenteuern im Dschungel – und verzichteten völlig auf Sprache. Diese Slapstickausrichtung kann man natürlich ebenfalls im Filmformat beibehalten, siehe etwa Pets oder die Stop-Motion-Komödie Shaun das Schaf – Der Film, die ihren stummen Wurzeln treu geblieben ist. Die Sprache öffnet aber schon neue Wege. Und das wird eben mit einer sehr schönen Selbstironie verbunden, die ein wenig Insiderwitz ist.

Dawes ist dabei klug genug, sich nicht allein auf diesen Scherz verlassen zu wollen. Ebenfalls gewitzt ist das Szenario um einen Despoten, der keiner sein will, und ein Volk, das sich aus Hilfsbereitschaft unterjochen lassen will – was nicht nur Fneep ziemlich aus dem Konzept bringt. Gerade die erste Hälfte von Jungle Beat – The Movie macht dadurch ziemlich Laune, erfreut ein junges Publikum mit kauzigen Tieren und diversen Albernheiten, ein älteres Publikum mit originellen Einfällen. Wer bei dem Titeln und den Bildern nur einen 08/15 CGI-Film für Kinder erwartet hat, wird so schnell eines Besseren belehrt.

Ein Spaß mit Schwächen
Leider geht dem Film in der zweiten Hälfte dann doch immer mehr die Puste aus. Der Actionanteil wird zwar erhöht, wenn aus der zunächst so kleinen Geschichte auf einmal etwas viel Größeres wird, mit einem starken Fokus auf die Science-Fiction-Elemente. Gleichzeitig fehlen Jungle Beat – The Movie dabei die Ideen, man verlässt sich auf das Tempo und eine gut gemeinte, etwas rührselige Botschaft, um das Publikum bei Laune zu halten. Das dürfte die erwünschte Wirkung nicht verfehlen, ist aber schon etwas schade, da hierbei der anfängliche Witz und Charme auf der Strecke bleiben, der Film letztendlich doch nur zu einem unter vielen wird.

Doch trotz dieses Mankos und einer nur zweckmäßigen Optik, die eine solche kleine Produktion meistens hat, der Beitrag vom Annecy Festival 2020 ist insgesamt durchaus nett und sympathisch. In dem überlaufenen Welt der am Computer erstellten Animationsfilme mit tierischen Protagonisten dürfte es Jungle Beat – The Movie zwar schwer haben, sich durchzusetzen und ein breites Publikum zu finden. Der mauritische Film muss sich aber nicht hinter der deutlich größer angelegten Konkurrenz verstecken, übertrifft zumindest zeitweise diese mit einem absurden bis skurrilen Humor.

Credits

OT: „Jungle Beat – The Movie“
Land: Mauritius
Jahr: 2020
Regie: Brent Dawes
Drehbuch: Brent Dawes, Sam Wilson
Musik: Andries Smit

Bilder

Trailer

Filmfeste

Annecy 2020

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Jungle Beat – The Movie
3.6 (72%) 25 Artikel bewerten

Jungle Beat – The Movie
Animationsfilme über sprechende Tiere gibt es viele. „Jungle Beat – The Movie“ sticht aus dem Angebot jedoch heraus, indem es mit viel Selbstironie und einem absurden Science-Fiction-Plot zur Sache geht. Das macht vor allem in der ersten Hälfte Spaß, trotz der notgedrungen einfacheren Optik. Später verlässt man sich aber zu sehr auf Action, wodurch etwas vom Charme verlorengeht.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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