Jumping From High Places Ich trau mich 100 Mal Netflix
© Andrea Gabellone/Netflix

Ich trau mich 100-mal

Jumping From High Places Ich trau mich 100 Mal Netflix
„Ich trau mich 100-mal“ // Deutschland-Start: 5. Oktober 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Sole Santoro (Federica Torchetti) ist nicht unbedingt die Art Mensch, die jeden Tag todesmutig das Leben herausfordert. Stattdessen wird sie seit ihrer Kindheit von großen Ängsten heimgesucht, die sie nur mühsam unterdrücken kann. Inzwischen geht es ihr zwar besser, sie kommt sogar ohne Medikamente aus. Als ihre frühere beste Freundin Emma stirbt, bricht dennoch für Sole eine Welt zusammen. Gleichzeitig nimmt sie einen Brief, den ihr Emma hinterlassen hat, als Anlass, sich endlich einmal ihren Ängsten zu stellen. Und so legt sie eine Liste mit all dem an, was sie sich in ihrem Leben nie getraut hatte, fest entschlossen, diese Punkte einen nach dem anderen abzuarbeiten. Einfach ist das nicht, immer wieder drohen Rückschläge. Doch mit der Zeit feiert sie erste Erfolge, die sie in ihrem Vorhaben bestärken …

Trau dich!

Ein Film, der den Titel Ich trau mich 100-mal trägt und von Netflix als Liebeskomödie verkauft wird? Da denkt man doch schnell, dass sich das Trauen im Titel auf eine Hochzeit bezieht oder dass sich jemand allgemein mehrfach den Gefahren der Liebe stellt. So richtig stimmt das aber nicht. Zwar werden an einer späteren Stelle des italienischen Films auch die romantischen Gefühle der Protagonistin auf eine Probe gestellt. Schließlich ist Liebe etwas, das sie bislang nie hinbekommen hat und deshalb auf ihrer To-Do-Liste landet. Aber das ist nicht der Fokus der Geschichte, sondern nur ein Aspekt unter vielen, die hier im Laufe der rund anderthalb Stunden abgearbeitet werden.

Stattdessen handelt der Film von Ängsten bzw. dem Versuch, diese zu überwinden. Für eine Komödie ist das ein nicht ganz einfaches Thema. Klar kann man mit diesem recht einfach Witze fabrizieren: Es reicht, eine Figur in einer peinlichen Situation zu zeigen. Nur will Ich trau mich 100-mal diese Ängste nicht ins Lächerliche ziehen, sondern dem Publikum etwas Positives mit auf den Weg geben. Die Adaption eines Romans von Chiara Parenti will dazu ermuntern, sich Problemen zu stellen und nach einer Lösung zu suchen, anstatt vor diesen zu kapitulieren. Zuschauer und Zuschauerinnen zu verspotten, die selbst an diesen Problemen leiden, wäre da nicht sonderlich konstruktiv. Und so wird hier nach einer Balance gesucht, diesen psychischen Schwierigkeiten etwas Unterhaltsames zu entlocken, ohne sie zu missbrauchen.

Zwischen Spaß und Ernst

Im Großen und Ganzen ist das geglückt. Natürlich geht es hier nie so richtig tief in die Abgründe hinein. Wenn Sole in eine für sie zunächst unlösbare Situation gerät, dann stockt sie zwar, weiß nicht weiter oder legt den Rückwärtsgang ein. Existenzielle Panikattacken sind das aber sicher nicht. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber kann man sich streiten. Auf der einen Seite ist es mal ganz angenehm, wenn in Ich trau mich 100-mal nicht ständig beim kleinsten Anlass die Welt untergeht – ein Manko vieler „ernster“ Jugenddramen. Gleichzeitig neigt der Film dazu, das Ganze dann doch wieder so sehr abzufedern, dass ein bisschen die Dringlichkeit fehlt. Man hat bei Sole oft das Gefühl, dass ihre Ängste etwas sind, das zwar schon lästig ist, aber nicht wirklich ein tiefes Problem darstellt. Dafür sind die Szenen oft zu humorvoll gestaltet.

Dass sich der Film nicht immer „echt“ anfühlt, hängt aber auch damit zusammen, dass die Protagonistin im Stil von Fleabag ständig die Vierte Wand durchbricht und Meta-Kommentare über ihr Leben abgibt. Das ist schon amüsant, nimmt zuweilen aber überhand und kann gerade im Zusammenspiel mit der durchaus schwierigen Hauptfigur anstrengend werden. Ansonsten ist Ich trau mich 100-mal aber ein recht sympathischer Film, der eine Reihe von Themen anspricht und diese fantasievoll umsetzt. Hinzu kommen die schönen Bilder Italiens, die zwar ebenfalls in einem Kontrast zu inneren Abgründen stehen, aber doch auch ein Publikum bei Laune halten, die nicht viel mit den gezeigten Problemen anzufangen wissen.

Credits

OT: „Jumping From High Places“
Land: Italien
Jahr: 2022
Regie: Andrea Jublin
Drehbuch: Alice Urciuolo
Vorlage: Chiara Parenti
Musik: Luca Ciut
Besetzung: Federica Torchetti, Cristiano Caccamo, Celeste Savino, Lorenzo Richelmy, Anna Ferruzzo, Valentina Carnelutti

Bilder

Trailer

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Ich trau mich 100-mal
fazit
„Ich trau mich 100-mal“ ist eine sympathische Komödie, welche sich die Überwindung von Ängsten zum Thema macht und dabei die Balance zwischen Ernst und Humor hält. So ganz existenziell wird es dabei nicht, manchmal ist der Film zudem durch seine Spielereien und die schwierige Protagonistin anstrengend. Dafür gibt es schöne Bilder.
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