Kritik

Bajocero Unter Null Netflix

„Bajocero (Unter Null)“ // Deutschland-Start: 29. Januar 2021 (Netflix)

Martin (Javier Gutiérrez) hat einen Job, um den ihn wohl nur die wenigsten beneiden dürften: Er ist Fahrer bei einem Gefangenentransport. Dieses Mal ist es besonders schlimm. Nicht nur, dass der Bus voller äußerst gewaltbereiter Leute ist, die nur darauf warten, ihre kleinen Zellen zu verlassen. Das Wetter spielt zudem nicht mit. Die Temperaturen sind eisig, die Sicht ist schlecht während der nächtlichen Fahrt. Das sind keine besonders tollen Voraussetzungen. Die eigentliche Katastrophe beginnt aber erst, als der Transport überfallen wird und mit aller Gewalt einer der Gefangenen befreit werden soll …

Gefangen zwischen Gefangenen

Dass so ein Gefangenentransport sehr gefährlich sein kann, das bewies vor mehr als 20 Jahren bereits Con Air. Damals spielte Nicolas Cage einen zu Unrecht verurteilten Army Ranger, der an Bord eines Flugzeugs mitten in eine Entführung platzt. Die Kritiken waren seinerzeit eher gemischt. Das Publikum fand aber Gefallen an dem Spektakel und machte den Actionfilm zu einem größeren Erfolg. Im Fall des spanischen Netflix-Films Bajocero (Unter Null) ist das eher nicht zu erwarten. Zwar weist das Szenario einige Ähnlichkeiten auf, wenn erneut ein Mann in einem außer Kontrolle geratenen Fahrzeug zwischen zahlreiche gefährliche Gefangene gerät. Bei der direkten Umsetzung gibt es aber schon deutliche Unterschiede.

Der offensichtlichste ist der Protagonist. Bei Bajocero (Unter Null) ist es eben keine Kampfmaschine, die es alleine mit allen aufnehmen kann und will. Stattdessen geht es hier „nur“ um einen Fahrer, der das Pech hat, zum falschen Zeitpunkt seinen Job auszuüben. Er versucht dann zwar im Anschluss, die Situation zu retten, stößt dabei aber schnell an seine Grenzen. Und auch bei der Gegenseite gibt man sich etwas geerdeter. Wer von dem spanischen Thriller eine ähnliche Over-the-Top-Action erwartet wie beim Hollywoodkollegen, wird daher enttäuscht sein. Ganz auf Actionszenen muss man zwar nicht verzichten. Sie sind aber nicht so zahlreich, wie man hätte vermuten können.

Fragen über Fragen

Stattdessen legt Regisseur Lluís Quílez (Out of the Dark), der zusammen mit Fernando Navarro (Geheime Anfänge) auch das Drehbuch geschrieben hat, größeren Wert auf den Belagerungszustand. Das Setting ist dabei geschickt gewählt. Martin und die anderen können nicht aus dem Bus, die Leute draußen können nicht herein. Eine solche Pattsituation wird schnell zu einem kleinen Nervenkrieg, umso mehr, wenn innerhalb des Busses die Gefahr nicht minder groß ist. Hinzu kommt die Frage: Was genau geschieht hier eigentlich? Gibt es einen Überfall oder ist es ein Unfall? Und wenn es ein Überfall ist, wer steckt dahinter? Der spanische Film lässt einen da ganz gut im Dunkeln tappen.

Allerdings nahm Quílez das ein bisschen zu wörtlich. Warum der Transport nun unbedingt nachts stattfinden muss, zumal bei diesen Wetterbedingungen erschließt sich nicht so ganz. Auf jeden Fall hat es zur Folge, dass man über längere Zeit nicht wirklich erkennt, was sich da draußen abspielt. So etwas kann in Maßen natürlich atmosphärisch sein und die Spannung erhöhen. Bei Bajocero (Unter Null) ist es manchmal aber schon frustrierend, wenn man sich quasi vom Geschehen ausgeschlossen fühlt. Da fehlt dann doch die Balance. Gleiches gilt für den Inhalt, bei dem man schon hin und wieder ein Auge zudrücken muss, nicht jede Entscheidung ist unbedingt plausibel.

Unterhaltsam und überraschend

Im Großen und Ganzen ist Bajocero (Unter Null) aber schon unterhaltsam. Die erste Hälfte gefällt durch einen größeren Mysteryanteil. Bei der zweiten werden, nachdem es lange eher gemächlich zuging, noch mal die Daumenschrauben angezogen. Interessant ist zudem, wie sich die Geschichte später entwickelt, entgegen der Erwartungen. Wie sich der Film auch von den Schwarzweißzeichnungen löst, sondern viel mit schäbigem Grau arbeitet. Javier Gutiérrez (El Autor) gibt dabei eine überzeugende Performance ab, sowohl in den ruhigeren wie auch den eskalierenden Momenten, bleibt die Konstante in einem Thriller, bei dem einiges durcheinandergewirbelt wird.

Credits

OT: „Bajocero“
Land: Spanien
Jahr: 2021
Regie: Lluís Quílez
Drehbuch: Lluís Quílez, Fernando Navarro
Musik: Zacarías M. de la Riva
Kamera: Isaac Vila
Besetzung: Javier Gutiérrez, Karra Elejalde, Luis Callejo, Andrés Gertrúdix, Isak Férriz, Édgar Vittorino

Bilder

Trailer

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Bajocero (Unter Null)
Ein nächtlicher Gefangenentransport im Winter wird überfallen, der Fahrer ist plötzlich auf sich allein gestellt. „Bajocero (Unter Null)“ verwendet ein atmosphärisches Setting, um damit eine schöne Nervenkrieg-Situation zu kreieren. Auch der Hauptdarsteller und eine überraschende Wendung gefallen. Dafür übertreibt es der spanische Thriller mit seinen dunklen Bildern und lässt sich ein bisschen viel Zeit.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

6 Responses

  1. Felix

    Der Film ist anfangs noch recht interessant durch die unterschiedlichen Charaktere der Kriminellen und die Ungewissheit warum genau der Transporter überfallen wird, auch wenn man da schon durch die ersten Szenen des Films ahnen kann, dass es nicht um eine Befreiung von einem der Inhaftierten geht. Die weitere Entwicklung ab dem Überfall und die Auflösung sind aber sowas von dumm, dass man besser darauf verzichtet den Film zu gucken

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    • Zaja

      Komischerweise habe ich den den gleichen Film vor Jahren schon gesehen der ist entweder kopiert oder ich lebe in der Zukunft, habe ihn am 31.01.2021 bei Netflix gesehen aber zuvor auch schon mal weiß aber nicht mehr genau wann, hat auch jemand ein dejavou????

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  2. Hans

    nach 15 Minuten (bei dem eigentlichen Überfall) habe ich wegen der unglaublichen Dummheit der Protagonisten ausgeschaltet. Spoiler: Da fragt man sich, was der Sinn eines Gefangentransporters ist, wenn man der Reihe nach austeigt und sich abknallen lässt (komisch, die erste Wache wird mit einem Schuss lahmgelegt, im Anschluss daran wird nur noch daneben geschossen).

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    • tom41967

      Der Film ist sehr schlampig umgesetzt. Jede einzelne Szene wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Man ertappt sich dabei in regelmäßigen Abständen beim „Hä“ sagen. Wer auf 100% realitätsferner Handlung steht, die null Sinn macht, ist da richtig aufgehoben. Wer nur eine Spur mitdenkt, ist erschrocken über die dumme Handlungserzählung. Das es so ein Film schafft im Netflix Portal aufgenommen zu werden, wirft kein gutes Licht auf Netflix.

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  3. Marc

    Habe den Film gerade gesehen und bin total überrascht wie gut er mir gefallen hat. Klar fragt man sich ab und an wo die Logik oder der Sinn einer Aktion ist aber manchmal muss man Filme einfach mal genießen.
    Für mich ein unterhaltsamer Film mit überraschendem Ende. Gefällt mir auf jeden Fall

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  4. tom4967

    VORSICHT SPOILER!

    Bajocero (Unter Null)

    Sorry, so einen wirren, grandios schlechten Plot habe ich selten gesehen. Es stimmt einfach gar nichts. Hier ein paar Beispiele:
    > Ein LKW Gefangenentransporter kann mit einer einfachen Reifenkralle zum Stoppen gebracht werden.
    > Polizist Garcia -Martin- und Montesino steigen aus dem LKW, obwohl die Situation unklar und kritsch war. Zudem informieren sie nicht die Zentrale oder stimmen ihr Vorgehen mit ihren Vorgesetzen ab.
    > Die Verglasung des Gefangenen-Transporters ist ein einfaches Sicherheitsglas, was mit mehreren Schüssen zerstört werden kann.
    > Die Bereifung sind scheinbar einfache Luftreifen, was bedeutet, dass jeder Nagel den Transporter zum stehen bringen kann. Hä?
    > Der Transport wird nicht in regelmäßigen Abständen von der Polizeizentrale angefunkt.
    > Das Gefängnis, wo alle Gefangenen überführt werden sollen, unternimmt keinen Versuch, um Kontakt mit dem Transport aufzunehmen, weil sie sich verspäten. Ok?
    > In die Zellen können einfach so von außen -mit einem Gummischlauch- Benzin zugeführt werden und dann in Brand gesetzt werden.
    > Der ehemalige Polizist Miguel tötet seine Kollegen, obwohl er nur wissen will, wo seine Tochter vergraben wurde.
    > Miguel kann mit einfachen Waffen eine Kolonne überwältigen, ok, mmmh, doch dann hat er aber keinen Plan, wie er an die Person herankommt, die sein Ziel ist. Er macht den Insassen ein Angebot … und das wars?
    > alle Beteiligten sind warm angezogen und halten sich im Inneren des Gefangenen Transporters auf, tun aber so, als würden sie gleich erfrieren. Hat es da -30 Grad?
    > Woher weiß Miguel, dass er mit einem so schweren Transporter mitten auf einen zugefrorenen See fahren kann?
    > Miguel will eine Information von Nano und Genugtuung für den Tod seiner Tochter, doch dann will er alle umbringen, also im See ertränken? Das heißt, er richtet so einen riesigen Kollateral Schaden an, nur für eine einzige Person. Macht also auch keinen Sinn.
    > Miguel ist auf der anderen Seite des See und kann sich auf einmal in ein Dorf transformieren. Wie das?
    > Nano, der Junge, um den es geht und der das eigentliche Ziel ist, kauert an einer Mauer und winselt nur darum erschossen zu werden und sieht keinen anderen Fluchtweg. Wirklich?
    > Miguel weiß, dass Nano unbewaffnet ist und dennoch schießt er nur vom dem Haus aus auf Nano -aus etwas 20 m Entfernung- ohne den Versuch zu unternehmen sich Nano zu nähern.
    > und, und, und, …. Es ist klar, dass es auch in anderen Filmen Logiklöcher gibt, doch es darf nicht so schlampig umgesetzt sein, dass ich jede, wirklich jede einzelne Szene des Films anzweifeln kann und das ist eine echte Beleidigung eines jeden Filmfans. Das ist ein Machwerk des Vergessens. Minus 5 Punkte für so ein schlampiges, lächerliches Machwerk.

    Sorry, I’ve rarely seen such a confusing, terribly bad plot. Nothing is right at all. Here some examples:
    > A truck prisoner transport can be brought to a stop with a simple tire claw.
    > Policemen Garcia -Martin- and Montesino get out of the truck, although the situation was unclear and critical. In addition, they do not inform the head office or coordinate their approach with their superiors.
    > The glazing of the prisoner transporter is a simple safety glass, which can be destroyed with several shots.
    > The tires are apparently simple pneumatic tires, which means that every nail can bring the transporter to a standstill. Huh?
    > The transport is not radioed by the police headquarters at regular intervals.
    > The prison where all prisoners are to be transferred makes no attempt to contact the transport because they are late. OK?
    > Petrol can simply be fed into the cells from the outside using a rubber hose and then set on fire.
    > Former policeman Miguel kills his colleagues, even though he just wants to know where his daughter was buried.
    > Miguel can overwhelm a column with simple weapons, ok, mmmh, but then he has no plan how to get to the person who is his target. He makes the inmates an offer … and that’s it?
    > All those involved are warmly dressed and are inside the prisoner transporter, but pretend that they are about to freeze to death. Is it -30 degrees?
    > How does Miguel know that he can drive such a heavy van into the middle of a frozen lake?
    > Miguel wants information from Nano and satisfaction for the death of his daughter, but then he wants to kill everyone, so drown in the lake? That is, it does such a huge amount of collateral damage to just one person. So it doesn’t make any sense either.
    > Miguel is on the other side of the lake and can suddenly transform himself into a village. As the?
    > Nano, the boy who is at stake and who is the real target, crouches against a wall and only whines to be shot and sees no other escape route. For real?
    > Miguel knows that Nano is unarmed and yet he only shoots at Nano from the house -from about 20 m away- without attempting to approach Nano.
    > and, and, and, …. It is clear that there are logic holes in other films, but it must not be implemented so sloppily that I can question every, really every single scene in the film and that is a real one Insult to any movie fan. This is a concoction of oblivion. Minus 5 points for such a sloppy, ridiculous work.

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