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Dime Cuándo Tú Sag mir wann Netflix

„Sag mir wann“ // Deutschland-Start: 21. April 2021 (Netflix)

Bislang gab es im Leben von Will (Jesús Zavala) eigentlich nur die Arbeit, für Familie oder die Liebe hat er keine Zeit. Doch dann erreicht ihn die Nachricht, dass sein Großvater gestorben ist. Und so macht er sich auf den Weg von Los Angeles nach Mexiko-Stadt, wo die Wurzeln seiner Familie liegen und wo er die letzten Wünsche des Verstorbenen abarbeiten soll. Während er auf diese Weise sein Erbe und sich selbst von einer neuen Seite kennenlernt, verliebt er sich in Dani (Ximena Romo). Einfach ist das nicht, denn so richtig weiß er nicht, was er mit diesen Gefühlen anfangen soll …

Von allem ein bisschen

Eines muss man Netflix ja lassen: Bei den Produktionen und Lizensierungen zeigt der Streamingdienst schon eine recht große Bandbreite. Selbst innerhalb eines Landes gibt es da die unterschiedlichsten Sachen zu sehen. Aus Mexiko gab es zuletzt den Familienanimationsfilm Xicos Weg, danach die populäre Serie Wer hat Sara ermordet?, eine ungewöhnliche Mischung aus Seifenoper und Whodunnit-Krimi. Jetzt folgt mit Sag mir wann wieder etwas komplett anderes: eine Liebeskomödie rund um einen jungen Mann, der zwar schwer beschäftigt ist, dabei jedoch den Blick für das Essentielle verloren hat.

Solche Geschichten funktionieren natürlich überall ganz gut. Die meisten von uns sind irgendwann an dem Punkt angelangt, an dem alles einmal auf den Prüfstein kommt. Es braucht da nicht einmal die berühmte Midlife Crisis. Wer ständig in seinem Leben Entscheidungen trifft, mal bewusst, mal weniger, der kommt gar nicht drumherum, an diesen zu zweifeln. Sag mir wann gelingt es dann auch ganz gut spürbar zu machen, wie Will durch Mexiko-Stadt streift, wie er durchs Leben streift, sich sein Blick immer mehr weitet – seine Unsicherheit aber auch. Denn auf einmal einen anderen Weg einzuschlagen, kann gleichermaßen befreiend wie einschüchternd sein.

Zwischen Entfremdung und Liebe

Hinzu kommt das anfangs angesprochene Thema der Entfremdung. In einem anderen Land ein neues Leben zu beginnen, nur noch von einer fremden Sprache umgeben zu sein, das kann einen schon verändern. Leider geht Sag mir wann an dieser Stelle aber nicht besonders weit. Gerade in einer Zeit, in der alles immer mehr verschwimmt und die Angst vor dem Verlust kultureller Identität um sich greift, wäre es schön gewesen, sich damit einmal etwas näher zu befassen. Das muss nicht zwangsläufig im Rahmen eines todernsten Dramas oder eines Dokumentarfilms geschehen. Eine Komödie würde da durchaus auch funktionieren. Nur war Regisseur und Drehbuchautor Gerardo Gatica am Ende wohl doch nicht so richtig daran interessiert.

Stattdessen werkelte er an einer Romanze herum. Schließlich eignet sich nichts besser als die Liebe, um einmal alles über den Haufen zu werfen. Und es verkauft sich gut, zumindest an die Zielgruppe. Im Fall von Sag mir wann ist das aber schon irgendwie verschwendet. Es ist auch nicht übermäßig interessant umgesetzt. da zwischen Will und Dani keine richtige Chemie entsteht. Zum Teil ist das natürlich so gewollt, da sich in dem Film ja grundsätzlich niemand sicher ist, was er will. Trotzdem sollte man als Zuschauer bzw. Zuschauerin zumindest ein wenig von dem berührt sein, was sich da auf dem Bildschirm tut. Hier geschieht das praktisch gar nicht.

Verträumte Langeweile

Andere Punkte sind besser geworden. So ist beispielsweise die Musik ganz schön. Es ist auch angenehm, dass hier nicht verzweifelt um jeden Witz gekämpft wird. Gatica lässt die Sache lieber laufen, ist ein bisschen entspannter drauf. Daraus entsteht hin und wieder eine etwas verträumte Atmosphäre, bei der man sich selbst zurücklehnen und etwas treiben lassen kann. Nur ist der Grat zwischen Entspannung und Langeweile manchmal schmaler, als einem lieb ist. So auch hier. Sag mir wann kann man sich ganz gut nebenher ansehen. Im Gegensatz zum Protagonisten, für den sich während seiner Reise alles geändert hat, dürfte das Publikum den Film aber im Anschluss recht schnell wieder vergessen haben.

Credits

OT: „Dime Cuándo Tú“
Land: Mexiko
Jahr: 2020
Regie: Gerardo Gatica
Drehbuch: Gerardo Gatica
Musik: Tomás Barreiro
Kamera: Michelle Castro
Besetzung: Jesús Zavala, Ximena Romo, Verónica Castro, José Carlos Ruiz, Gabriel Nuncio, Rosa María Bianchi

Trailer

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Sag mir wann
In „Sag mir wann“ erfährt ein junger Mann vom Tod seines Großvaters, sucht nach seinen Wurzeln und findet dabei die Liebe. Der Film schneidet dabei einige interessante Themen an, bevor er sich zu sehr auf eine Romanze fokussiert, die weder unterhaltsam noch bewegend ist. Teilweise ist das angenehm und irgendwie verträumt, teilweise auch einfach langweilig.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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