Lady Chatterleys Liebhaber 2022 Lady Chatterley's Lover Netflix
© Parisa Taghizadeh/Seamus Ryan/Netflix

Lady Chatterleys Liebhaber (2022)

Lady Chatterleys Liebhaber 2022 Lady Chatterley's Lover Netflix
„Lady Chatterleys Liebhaber“ // Deutschland-Start: 2. Dezember 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Connie Reid (Emma Corrin) scheint das große Los gezogen zu haben, als sie den vermögenden Sir Clifford Chatterley (Matthew Duckett) heiratet. Doch das Glück verlässt sie bald wieder. So wird ihr Mann während des Ersten Weltkriegs schwer verletzt und ist nun auf einen Rollstuhl angewiesen. Zwar versucht Lady Chatterley sich der Situation anzupassen und für Clifford da zu sein, so wie es jede gute Ehefrau wäre. Doch ihr Pflichtgefühl geht bald mit Langeweile und Frust einher, zumal die Stimmung zu Hause alles andere als gut ist. Als sie eines Tages den Wildhüter Oliver Mellors (Jack O’Connell) kennenlernt, wird dies für sie zum ersehnten Ausbruch. Die beiden treffen sich wieder und wieder und beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Was zunächst jedoch ein reiner Zeitvertreib ist, wird nach einer Weile zu einer echten Herzensangelegenheit – und damit zu einem Dilemma …

Erinnerung an einen Sexskandal

Als Lady Chatterleys Liebhaber 1928 erschien, sorgte der britische Autor D. H. Lawrence damit für einen handfesten Skandal. Der offene Umgang mit Sexualität galt damals noch als anrüchig, erst deutlich später durfte der mehrfach umgeschriebene Roman für sich stehen und rückte in den Kanon der Literaturgeschichte. Seither wurde er viele Male adaptiert, beispielsweise beim französischen Lady Chatterley, das 2007 mehrere Césars erhielt, darunter den für den besten Film des Jahres. Ob die neue Netflix-Version auch Filmpreise abstauben wird, darf eher bezweifelt werden. Dafür erhielt die Verfilmung bislang zu wenig Aufmerksamkeit. Immerhin: Sie feierte auf dem renommierten Telluride Film Festival 2022 Premiere und erhielt bislang überwiegend gute Kritiken. Manche lassen sich sogar dazu hinreißen, diese Version als die bislang beste zu bezeichnen.

Ganz so weit muss man dann doch nicht mit dem Lob gehen. Gelungen ist die Adaption aber durchaus. Selbstverständlich ist das nicht. Wo der Roman seinerzeit durch die pure Beschreibung von Sexszenen automatisch etwas Besonderes wurde, kann man dies von einem Film, der ein knappes Jahrhundert später erscheint, kaum mehr erwarten. Sex ist allgegenwärtig, wurde auch filmisch zu einem Konsumgut. 365 Days etwa feierte schließlich nicht wegen inhaltlicher Qualitäten Erfolge, sondern wegen der regelmäßigen Entkleidungen des brutalen Protagonisten, was für manche gleichbedeutend mit Romantik war. Eine ähnliche Verherrlichung ist Lady Chatterleys Liebhaber fremd. Regisseurin Laure de Clermont-Tonnerre nutzt explizite Intimität, um die Nähe der beiden Figuren zu beschreiben, nicht als Selbstzweck.

Gut, aber nicht aufregend

Insgesamt gelingt es der französischen Filmemacherin (The Mustang), die langsam entstehende Beziehung der beiden spürbar zu machen. Anfangs hat das mehr von einem Abenteuer für die beiden, für die Protagonistin wird es zu einem Ausbruch aus dem Gefängnis, welches ihr Zuhause für sie geworden ist. Doch um das reine Prickeln geht es in Lady Chatterleys Liebhaber eben nicht, sondern eine Frau, die durch eine Verkettung von Zufällen vor einer schwierigen Entscheidung steht. Soll sie ihr altes Leben hinter sich lassen, um mit einem einfachen Wildhüter neu anzufangen? Will sie das überhaupt? Damit verbunden ist auch das Thema des Klassenunterschieds, welcher schon Lawrence beschäftigte. Die Vorstellung, dass eine Frau aus gutem Haus sich mit einem Mann aus einer niederen Schicht einlässt, das war schon unerhört.

Inzwischen hat sich auch das geändert, weshalb das Drama kein Aufregerpotenzial hat. Ebenso wenig handelt es sich um einen dieser hübsch zurechtgemachten Kostümfilme, bei denen alles immer überlebensgroß ist. Lady Chatterleys Liebhaber ist deutlich zurückhaltender und zeigt seine Protagonistin als einen Menschen aus Fleisch und Blut. Natürlich geht das mit größeren Emotionen einher, ohne deswegen aber gleich zu einer dieser Schmonzetten zu werden, wie man sie in dem Bereich häufiger vorfindet. Ob es den Film nun unbedingt gebraucht hätte, darüber lässt sich streiten. Laure de Clermont-Tonnerre versteht es zwar, den Roman zu adaptieren, hat diesem aber nichts Nennenswertes und Eigenes hinzuzufügen. Auch schauspielerisch ist das alles auf einem guten Niveau, ohne dabei einen ganz großen Eindruck zu hinterlassen.

Credits

OT: „Lady Chatterley’s Lover“
Land: UK, USA
Jahr: 2022
Regie: Laure de Clermont-Tonnerre
Drehbuch: David Magee
Vorlage: D. H. Lawrence
Musik: Isabella Summers
Kamera: Benoît Delhomme
Besetzung: Emma Corrin, Jack O’Connell, Matthew Duckett, Joely Richardson, Ella Hunt

Bilder

Trailer

Filmfeste

Telluride Film Festival 2022

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Lady Chatterleys Liebhaber (2022)
fazit
Der Roman war seinerzeit ein Skandal, der Film wird das kaum werden. Es gelingt bei „Lady Chatterleys Liebhaber“ ganz gut, die Geschichte um eine Frau aus gehobenem Haus, die mit einem einfachen Wildhüter eine Affäre beginnt, zu erzählen. Das Drama hat dabei aber nicht wirklich viel Eigenes hinzuzufügen.
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