How To Sell Drugs Online Fast Netflix

„How to Sell Drugs Online (Fast) – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 31. Mai 2019 (Netflix)

Was hatte sich Moritz (Maximilian Mundt) nicht darauf gefreut: endlich ist Lisa (Lena Klenke) wieder da! Jetzt könnten sie wieder zusammen sein und ihre Pläne umsetzen, die sie schon lange haben. Dachte er. Tatsächlich ist sie aber irgendwie anders, seitdem sie aus ihrem USA-Aufenthalt zurück ist. Und dann der Schock: Lisa will erst einmal eine Auszeit, um sich neu orientieren zu können. Da hat bestimmt Daniel (Damian Hardung) Schuld dran. Der sieht nicht nur besser aus, sondern ist dank seiner Drogenverkäufe der coole Junge der Schule. Aber was der kann, das kann Moritz aus. Also besorgt er sich vom zwielichtigen Dealer Buba (Bjarne Mädel) Ecstasy, das er erst verschenken, später auf seiner neuen Internetplattform verhökern will, die er mit seinem besten Freund Lenny (Danilo Kamperidis) aufgebaut hat.

Deutschland und Netflix, das war bislang keine besonders produktive Partnerschaft. Bislang gibt es keinen einzigen wirklichen deutschen Netflix-Film, auch bei den Serien ist das Angebot überschaubar. Nach dem Mystery-Thriller Dark, der 2017 weltweit Aufmerksamkeit erhielt und demnächst fortgesetzt wird, hieß es im Anschluss mehr als ein Jahr warten, bis mit Dogs of Berlin ein zweiter Titel erschien. Und der wurde dann auch noch weitestgehend verrissen. Dafür soll jetzt richtig rangeklotzt werden, diverse Serien sind gleichzeitig in Auftrag gegeben worden.

Aus Liebe zum Verbrechen
Das erste greifbare Ergebnis ist How to Sell Drugs Online (Fast), dessen englischer Titel bereits verrät: Das Ding soll weltweit für Quote sorgen. Das könnte auch durchaus funktionieren: Obwohl die Serie in der fiktiven Kleinstadt Rinseln in der deutschen Provinz spielt, ist vieles hier universell genug, dass auch ein internationales Publikum reinschauen kann. Vor allem der Grundgedanke, dass ein junger Mensch alles dafür tun würde, um seine große Liebe zurückzugewinnen, dürfte den wenigsten fremd sein. Drogendealer werden zwar die wenigsten von uns. Aber es gibt ja Alternativen, sich richtig doof zu verhalten.

How to Sell Drugs Online (Fast) hat hierfür auch die passende Besetzung gefunden. Anders als Oh, Ramona!, wo ein Pin-up-Boy als Nerd verkauft werden sollte, nimmt man Maximilian Mundt diese Rolle auch tatsächlich ab. Er bringt die notwendige Unbeholfenheit mit, wenn er immer wieder vor Situationen steht, die eigentlich zu groß sind. Wie er sich aus diesen wieder befreit, macht dann auch den Spaß der Serie aus. Die an und für sich alltägliche Situation wird immer absurder, Moritz’ Rettungsversuche machen zuverlässig alles nur noch schlimmer. Und ehe er es sich versieht, vertickt er im Netz Drogen – von seinen Kinderzimmer aus, während sein Vater (Roland Riebeling) nebenan Polizeiarbeit nachgeht.

Spaß (nicht nur) für Jugendliche
Die Vergleiche zu Breaking Bad liegen auf der Hand: In beiden Fällen wird ein unbescholtener Bürger zum Drogendealer, weil er sich nicht anders zu behelfen weiß. Und doch trifft es der Vergleich nicht. Wo der US-Kollege von Anfang an sehr düster und ernst ist, da wird hier eine Komödie raus. Das erinnert oft an American Animals, wo ebenfalls völlig unvorbereitete Jugendliche zu Kriminellen werden, gerade auch weil beide auf Meta-Elemente werden. Da wird durchaus schon mal das Publikum direkt angesprochen und aufgefordert, das Handy jetzt beiseitezulegen. Allgemein scheinen hier vor allem Jugendliche im Visier zu sein: Anders als obiger Film, der gleichzeitig auch ein wenig als Gesellschaftsporträt und Dekonstruktion eines Wahrheitsbegriffes funktioniert, ist das hier oberflächlicher, seichter, stärker auf reine Unterhaltung ausgelegt – und mit weniger emotionalem Tiefbau.

Spaß macht es aber natürlich schon, den beiden Jungs zuzuschauen, wie sie immer tiefer hineingezogen werden. Und auch die diversen Coming-of-Age-Elemente fügen sich gut in die Geschichte ein: Vor allem Lisa hat damit zu kämpfen, was sie genau mit ihrem Leben anfangen will, wenn sich gleichzeitig alles ändert und nichts ändert. Während sie für die eher emotionaleren Momente zuständig ist, darf Bjarne Mädel (25 km/h) als Kleinstadt-Dealer die meisten Lacher abholen. Auch sein Buba wäre gern zu Größerem berufen, scheint seine Erfahrungen als Gangster in erster Linie aus dem Fernseher zusammengeklaubt zu haben. Das ist dann am Ende nicht die ganz große Kunst. Die Art und Weise, wie How to Sell Drugs Online (Fast) mit Social-Media-Kommunikation umgeht ist zum Beispiel trotz der vielen Blinklichter eher gewöhnlich. Mit gerade einmal sechs Folgen à 30 Minuten ist die erste Staffel aber so schnell vorbei, dass das kaum eine Rolle spielt, bei dem hohen Tempo bleibt für Längen kein Platz – zumal das Ende noch einiges für die Zukunft verspricht.



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How to Sell Drugs Online (Fast) – Staffel 1
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How to Sell Drugs Online (Fast) – Staffel 1
„How to Sell Drugs Online (Fast)“ erzählt die Geschichte eines Jugendlichen, der eigentlich nur seine Freundin zurückwollte und plötzlich zum Online-Drogen-Dealer wird. Das ist unterhaltsam, eskaliert schnell und baut dabei noch ein paar schöne Coming-of-Age-Elemente ein. Die ganz großen Ambitionen verfolgt die Serie dabei jedoch nicht.
7von 10

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