Moje wspaniale zycie Mein wundervolles Leben Netflix
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Mein wundervolles Leben

Moje wspaniale zycie Mein wundervolles Leben Netflix
„Mein wundervolles Leben“ // Deutschland-Start: 28. Februar 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Joanna (Agata Buzek) ist eine Frau mittleren Alters, die ein ganz normales, wenn auch äußerst stressiges Leben führt. Sie arbeitet als Englischlehrerin und ist verheiratet mit Witek (Jacek Braciak), der an derselben Schule den Posten des Direktors innehat. Mit den beiden in einer Wohnung leben ihre zwei Söhne, der eine im Teenageralter, der andere ein junger Erwachsener mit Freundin und eigenem Kind, jedoch ohne die finanziellen Mittel, eine eigene Bleibe zu suchen. Außerdem hat Joanna noch ihre demente Mutter (Malgorzata Zajaczkowska) bei sich aufgenommen, die mehr und mehr zum Pflegefall wird. Sieben Personen wohnen also auf relativ engem Raum in einer Großstadtwohnung – Reibereien und Streit sind da quasi vorprogrammiert. Während Joannas Mutter immer mehr Aufmerksamkeit und Pflege erfordert, liegt ihr die Freundin ihres Sohnes ständig damit in den Ohren, Joanna möge ihr doch die nun leerstehende Wohnung ihrer Mutter überlassen. Von den Erinnerungen in dieser Wohnung will sich Joanna jedoch nicht trennen, vor allem aber dient sie ihr als Treffpunkt mit ihrem Kollegen Maciek (Adam Woronowicz), mit dem sie eine heimliche Affäre hat.

Dokument eines stressigen Alltags

Um es einmal vorwegzunehmen: In Mein wundervolles Leben passiert eigentlich nicht viel. Wer einen Film mit spannender Handlung sucht, für den ist dieses Drama definitiv nichts. Lange Zeit konzentriert sich Regisseur und Autor Lukasz Grzegorzek nämlich ganz einfach darauf, den Alltag der Charaktere zu zeigen. Dabei steht Joanna stets im Mittelpunkt (obwohl sie selbst sich den Geschehnissen um sie herum wohl gerne entziehen würde). Ein schreiendes Baby, dessen Eltern anscheinend nicht so recht wissen, wie sie mit dem Kind umgehen sollen; eine alte, an Alzheimer erkrankte Frau, auf die man ständig achtgeben muss; ständige Diskussionen mit der Freundin ihres Sohnes; nicht zuletzt die schlechte Stimmung zwischen ihr und ihrem Mann – all das sind die Dinge, mit denen Joanna sich zu Hause herumschlagen muss. In der Art und Weise, wie er dieses anstrengende Chaos darstellt, wirkt der Film teilweise fast dokumentarisch.

Dank des lebensechten und nuancierten Schauspiels von Agata Buzek (Schlaf) sind diese Schilderungen des alltäglichen Lebens auch zumindest eine Weile durchaus packend. Man leidet mit Joanna, ist mit ihr genervt und spürt dann wieder mit ihr die Erleichterung, wenn sie sich diesem Stress vorübergehend entziehen kann. Mit anonymen Nachrichten, die Joanna erhält, geht schließlich scheinbar die „richtige“ Handlung des Films los. Der unbekannte Absender versucht, sie zu erpressen und droht, eines ihrer Geheimnisse bekannt zu machen. Das verstärkt den Stress, unter dem Joanna steht, natürlich nur noch und man muss noch einmal Buzeks darstellerische Leistung hervorheben, ohne die all diese Ereignisse den Zuschauer wahrscheinlich ziemlich kalt lassen würden.

Nicht wirklich spannend

Einen spannenden Thriller um Erpressung und lang gehütete persönliche Geheimnisse darf man hier aber nicht erwarten. Die Handlung um die anonymen Nachrichten wird relativ nebensächlich abgehandelt und ist eben nur eines von mehreren Elementen, die sich negativ auf Joannas Gemütszustand auswirken. Trotz der lobenswerten schauspielerischen Leistungen und des realistisch dargestellten Alltags geht dem Film irgendwann in der Mitte ein wenig die Luft aus. Realismus allein ist eben ohne eine spannende Geschichte nicht genug. So bleibt also das detaillierte Portrait einer dysfunktionalen Familie, in der Jede/r auf seine/ihre eigene Weise versucht, sich dem Stress und den Streitereien zu entziehen – etwa durch Drogenkonsum, regelmäßige Barbesuche oder Affären.

Joanna wird zudem als Hypochonderin gezeichnet – ein weiteres Fass, das der Film aufmacht, ohne damit auf Handlungsebene wirklich etwas anzufangen. Stattdessen geht es hier eben vor allem um Charakterisierungen, und diese sind besonders im Fall der Hauptfigur eindeutig gelungen. Als der Film nach etwas über 90 Minuten schließlich zu Ende ist, hat man weniger das Gefühl, eine vollständige Geschichte vorgesetzt bekommen zu haben, als vielmehr eben einen Ausschnitt aus dem Alltag einer Frau, deren Leben ihr in allen Bereichen über den Kopf wächst. Die letzten Einstellungen des Films irritieren dann allerdings, da sie ein unklares Ende andeuten, von dem man nicht weiß, ob es nur Joannas Phantasie entspringt oder ihre Situation doch noch zu einem befriedigenden Abschluss bringt.

Credits

OT: „Moje wspaniale zycie“
Land: Polen
Jahr: 2021
Regie: Lukasz Grzegorzek
Drehbuch: Lukasz Grzegorzek
Musik: Piotr Waglewski
Kamera: Weronika Bilska
Besetzung: Agata Buzek, Jacek Braciak, Adam Woronowicz, Jakub Zajac, Malgorzata Zajaczkowska

Trailer

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Mein wundervolles Leben
Fazit
Dank hervorragender Schauspielleistungen bietet „Mein wundervolles Leben“ einen realistischen, teils dokumentarisch wirkenden Blick ins Leben einer Frau mit Problemen an mehreren Fronten. Das zieht einen zumindest immer wieder ins Geschehen hinein, auch wenn man eine packende, konventionelle Handlung vermisst.
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