Three Days of Christmas Netflix

„Three Days of Christmas“ // Deutschland-Start: 6. Dezember 2019 (Netflix)

Spanien, 1949: Die Familie ist zusammengekommen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Ein Fest wie jedes andere, so dachten sie. Doch dann finden die drei jungen Schwestern ein Mädchen, dessen Vater von der Polizei gesucht wird. Um sie zu schützen, beschließen die drei, es in ihrem Schuppen zu verstecken, ohne dabei zu ahnen, was sie damit anrichten werden. Denn der örtliche Polizist ist ihnen bereits auf der Spur und fest entschlossen, die Flüchtigen einzufangen, koste es, was es wolle. Als es zu einer Konfrontation kommt, endet dies in einer Katastrophe, welche die Familie noch Jahrzehnte später verfolgen wird …

Wer fleißig die neuen Serien von Netflix schaut, der könnte bei Three Days of Christmas stutzig werden: Moment, habe ich das nicht schon einmal gesehen? Tatsächlich basiert die spanische Produktion auf demselben Konzept, das einige Wochen zuvor auch schon der deutsche Inhouse-Kollege Zeit der Geheimnisse verwendet hatte. Beide Serien sind Dreiteiler, erzählen eine Familiengeschichte anhand mehrerer Weihnachtsfeiern, die Jahrzehnte auseinander liegen. Und auch der Fokus auf die weiblichen Mitglieder der Familie, die allesamt irgendwelche Geheimnisse mit sich herumtragen, ist beiden Titeln gemeinsam.

Ähnlich und doch ganz anders
Am Ende sind die zwei Serien jedoch unterschiedlich genug, dass man in beide hineinschauen kann. Beispielsweise verzichtet Three Days of Christmas auf die zahlreichen Zeitsprünge der Deutschen, hier wird die Geschichte fast komplett chronologisch erzählt. Wichtiger war es Pau Freixas, dem Schöpfer der Serie, dem Publikum aufzuzeigen, wie gemeinsame Erfahrungen den Fortgang prägen können. Die Schwestern werden älter mit der Zeit, beginnen als Jugendliche, treten als Erwachsene auf, zuletzt als Großmütter. Doch die Anfangsjahre waren so prägend, dass sie bis in die Neuzeit Spuren hinterlassen haben.

Der zweite große Unterschied: War Zeit der Geheimnisse eine über weite Strecken zurückhaltende Serie, die sehr ruhig ihre Geschichte erzählte, da lieben die Spanier das Drama. Subtilität liegt Freixas nicht allzu sehr, er will lieber sehr offen zeigen, was Sache ist und das Publikum mitreißen. Wem der Kollege in der Hinsicht zu blutleer und langsam war, darf sich freuen. Die Geschichte um eine Familie, die über ihre Geheimnisse Stillschweigen bewahrt, ist selbst alles andere ruhig. Hier fliegen gerne mal die Fetzen, da wird geschrien und geschlagen, als wollte man jedes Klischee des leidenschaftlichen Südeuropäers bestätigen. Das muss man dann im Zweifel nicht immer alles nachvollziehen, da wird lieber etwas zu viel zu macht als zu wenig. Nur weil Weihnachten ist, muss es ja nicht zwangsläufig besinnlich zugehen.

Es lebe (und sterbe) das Drama!
Bewegend ist das Ergebnis dabei nicht unbedingt. Zeitweilig ist Three Days of Christmas so over the top, dass man die Serie eher für eine Komödie halten würde als für ein Drama. Das erinnert an den ebenfalls aus Spanien stammenden Kollegen High Seas, der Krimi zu einer Seifenoper mutieren ließ. Wer diese Art der Unterhaltung schätzt, sollte auch der Weihnachtsgeschichte eine Chance geben. Wobei der Vergleich ein wenig hinkt, da die langsame Enthüllung der Geheimnisse wegfällt. Hier ist man ja schließlich live dabei, wenn das geschieht, das offiziell nie stattgefunden hat. Es geht also weniger darum, was vorgefallen ist, sondern wie die Leute im Anschluss damit umgehen.

Das ist teilweise interessant. Außerdem muss man die Ambition bewundern, tatsächlich viele Rollen doppelt und dreifach besetzt zu haben, von der Jugendlichen bis zur alten Frau. Wo andere sich mit fragwürdigen Masken oder digitaler Technik behelfen, da wurde hier mit einem riesigen Cast gearbeitet. Der Nachteil ist jedoch, dass die Figuren nach jedem Zeitsprung erst einmal nicht wirklich wiederzuerkennen sind. Ohnehin, sie heben sich lediglich durch ihre Lebensgeschichten voneinander ab. Der eigentliche Charakter der Schwestern wird nie zufriedenstellend ausgearbeitet, die einzelnen Frauen sind Teil eines Phänomens, weniger eigenständige Kreationen. Das ist durchaus verschenktes Potenzial, die Geschichte hätte insgesamt deutlich mehr hergegeben als das, was hier draus gemacht wurde: Three Days of Christmas geht nicht so wirklich zu Herzen, geht aber auch nicht in die Tiefe, sondern begnügt sich mit oberflächlichem Melodram.



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Three Days of Christmas
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Three Days of Christmas
„Three Days of Christmas“ erzählt die Geschichte mehrerer Schwestern, die ein düsteres Geheimnis über mehrere Jahrzehnte verfolgt. Das Konzept der spanischen Weihnachtsserie ist interessant, das Ergebnis ist es nur bedingt. Die Überlegungen zu langfristigen Auswirkungen von Familienereignissen sind zu sehr mit seifenoperartigen Auswüchsen beschäftigt, um wirklich in die Tiefe zu gehen.
5von 10

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