Inhalt / Kritik

Arlo der Alligatorjunge Arlo the Alligator Boy Netflix

„Arlo, der Alligatorjunge“ // Deutschland-Start: 16. April 2021 (Netflix)

Sein ganzes bisheriges Leben hatte Arlo im Sumpf zugebracht. Doch eines Tages erfährt er von Edmée, die ihn bis dahin aufgezogen hat, dass er eigentlich aus New York City stammt. Fest entschlossen, seinen Vater kennenzulernen und seine Wurzeln zu sehen, macht sich der Alligatorjunge daher auf den weiten Weg. Dabei begegnet er unterwegs dem Riesenmädchen Bertie und einem bunten Haufen an Betrügern, die ihm versprechen, ihn bei seiner Reise zu unterstützen. Und er kann jede Hilfe gebrauchen. Nicht nur, dass Arlo sehr behütet aufgewachsen ist und daher wenig Ahnung hat von dem, was in der großen, weiten Welt geschieht. Zusätzlich wird er auch von Ruff und Stucky verfolgt, die in ihm eine viel Profit versprechende Attraktion sehen …

Geschenke für Animationsfans

Wer Animationstitel schätzt, für den führt mittlerweile eigentlich kaum ein Weg mehr an Netflix vorbei. Unzählige Filme und Serien hat der Streamingdienst inzwischen schon lizensiert, eingekauft oder gleich selbst produziert. Klar, wie in allen anderen Bereichen auch neigt das mehr zur Masse als zur Klasse. Da ist schon viel Zeug dabei, mit dem man letztendlich nur seine Zeit verschwendet. Doch so ungewöhnliche Titel wie Ich habe meinen Körper verloren, Familie Willoughby oder Hilda lassen die vielen durchschnittlichen bis mäßigen Geschichten vergessen, die sich dort so tummeln. Inhaltlich wie visuell ungewöhnlich stellen sie eine absolute Bereicherung in diesem Feld dar.

Das gilt auch, wenngleich etwas eingeschränkter, für Arlo, der Alligatorjunge. Der Titel selbst klingt dabei nicht so wahnsinnig vielversprechend. Tiere als Protagonisten sind in Animationsfilmen nun wirklich nichts Besonderes. Und auch wenn Alligatoren normalerweise eher auf der Antagonistenseite stehen – siehe der Klassiker Bernard & Bianca – Die Mäusepolizei –, das alleine reicht als Verkaufsargument nicht aus. Gleiches gilt für die Musical-Einlagen. Animationsfilme, die ein jüngeres Zielpublikum vor Augen haben, bauen bekanntlich gern alle paar Minuten irgendwelche Popnummern ein, um Wartezeiten zu überbrücken oder inhaltliche Leerstellen zu kaschieren. Es ist eher schon die Ausnahme, wenn da nicht jemand singt, sei es im Vordergrund oder im Hintergrund.

Kuriose Figuren auf Schritt und Tritt

Während die Erwartungen im Vorfeld durch die bloße Beschreibung sich eher im Mittelfeld platzierten, gibt es doch einige Punkte, welche Arlo, der Alligatorjunge einige Stufen nach oben springen lässt. Zum einen hat Ryan Crego, der die Geschichte entwickelte, die Texte fürs Drehbuch und die Lieder schrieb und zudem Regie führte, noch eine Reihe weiterer Figuren eingebaut. Und die sind reichlich kurios. Ein einsames Riesenmädchen, ein geld- und pizzaliebender Nager und Fische auf zwei Beinen sieht man schließlich nicht alle Tage. Und dann wäre da noch Furlecia, bei der man vor lauter pinkfarbenem Fell nicht sehen kann, was das eigentlich sein soll. Die Antagonisten, zwei skrupellose Hillbillys, sehen da zwar normaler aus, sind für sich genommen aber ebenfalls recht kurios.

Immer wieder wird es durch sie, aber auch anderweitig überraschend schräg in Arlo, der Alligatorjunge. Dazu passt auch die sehenswerte Optik. Zwar ist der von Titmouse Inc. produzierte Streifen alles andere als ein technisches Wunderwerk. Auch die Hintergründe des 2D-Streifens sind eher schlicht gehalten – mit einem Film wie Wolfwalkers kann es das hier auf keinen Fall aufnehmen. Aber es ist doch stimmungsvoll und charmant umgesetzt, mit einer Reihe visueller Gags, die nicht nur junge Augen erfreuen. Überhaupt dürfen hier, trotz der tendenziell kindlichen Ausrichtung, auch Erwachsene Platz nehmen. Die Geschichte um Selbstfindung und der Einsatz für Toleranz ist sympathisch, ebenso die Abkehr von einer rein auf Geld und Ansehen ausgerichteten Gesellschaft.

Ein Spaß mit kleineren Schwächen

Das ist natürlich nicht wirklich neu oder einfallsreich, zum Teil auch ein bisschen überhastet erzählt – gerade zum Ende hin wird da manche Abkürzung genommen. Die Lieder sind ebenfalls nichts Besonderes, wenngleich sie besser in die Geschichte integriert sind als bei so mancher Konkurrenz. Doch selbst wenn Arlo, der Alligatorjunge da teilweise unter den Möglichkeiten bleibt, sehenswert ist der Film allemal. Die sympathisch-schrulligen Figuren und der Mix aus realistischem Setting und irgendwelchen Fantasywesen, die mitten durch New York streifen, machen schon Spaß. Sie machen auch neugierig auf die bereits angekündigte Serie I Heart Arlo, welche an den Film anschließen soll und weitere Geschichten aus der Großstadt erzählt.

Credits

OT: „Arlo the Alligator Boy“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Ryan Crego
Drehbuch: Ryan Crego, Clay Senechal
Musik: Alex Geringas, Ryan Crego
Animation: Titmouse Inc.

Bilder

Trailer

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Arlo, der Alligatorjunge
In „Arlo, der Alligatorjunge“ erfährt ein humanoider Alligator, dass sein Vater in New York lebt, und tritt im Anschluss die weite Reise aus dem Sumpf an. Der Animationsfilm macht aufgrund der kuriosen Figuren, stimmigen Bilder und einer rührenden Geschichte wegen Spaß. Die vielen Lieder sind hingegen eher ein bisschen langweilig. Zum Ende hin hatte man es beim Erzählen auch recht eilig.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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