Dirty Lines Netflix
© Netflix/Mark De Blok

Dirty Lines – Staffel 1

Dirty Lines Netflix
„Dirty Lines – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 8. April 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Amsterdam Mitte der 1980er: Die Studentin Marly Salomon (Joy Delima) hat so ihre Schwierigkeiten, den Alltag zu meistern. Vor allem finanziell hapert es bei ihr ziemlich. Aber vielleicht ist Teledutch die Antwort auf ihre Probleme? Zumindest versprechen die Brüder Frank (Minne Koole) und Ramon Stigter (Chris Peters), die gemeinsam die erste Sex-Hotline der Niederlande gegründet haben, dass man hiermit jede Menge Geld verdienen kann. Tatsächlich ist der Andrang nach kleineren Startproblemen gigantisch. So gigantisch, dass die Telefonleitungen unter der Masse an Anrufern zusammenbrechen, weshalb man die beiden aus dem Netz werfen will. Währenddessen hat Marly andere Sorgen: Ihre konservativen Eltern haben von ihrem Versuch erfahren, mit erotischen Bandaufsagen den Lebensunterhalt zu verdienen, und haben die junge Frau empört vor die Tür gesetzt …

Telefonsex als Geschäftsmodell

Es geht doch nichts über eine schöne Aufsteigergeschichte! Die im Englischen Rags to Riches genannten Titel handeln davon, wie sich jemand aus einfachsten Verhältnissen bis an die Spitze kämpft, sei es durch harte Arbeit oder auch durch eine originelle Geschäftsidee. Der alte Amerikanische Traum, dass es jeder zu was bringen kann, vom Tellerwäscher zum Millionär. Man muss es nur richtig wollen. Das kann ganz inspirierend sein, vielleicht doch ein bisschen mehr aus seinem Leben herauszuholen. Ernüchternd, wenn dieser Aufstieg mit einem bösen Absturz einhergeht – was keine Seltenheit ist bei solchen Geschichten. Manche setzen auch einfach auf Unterhaltungswert, so wie es die niederländische Netflix-Serie Dirty Lines tut, die sich mit dem Thema Telefonsex ein eher ungewöhnliches Geschäftsfeld ausgesucht hat.

In Zeiten von Internetpornos, die problemlos, gratis und ununterbrochen zur Verfügung stehen, ist die Vorstellung, für solche Sex-Hotlines zu bezahlen, natürlich etwas befremdlich. Einem heutigen Publikum ist das eher weniger zu vermitteln. Der Vergleich zu Der nackte Regisseur, das von der Pornoindustrie Japans in den 1980ern erzählt, liegt da auf der Hand. Und wie bei den schlüpfrigen Kollegen aus Fernost liegt bei Dirty Lines der Reiz durchaus in dieser historischen Komponente. Eben weil das so unvorstellbar ist, macht es Spaß, bei diesem Unternehmen zuzusehen. Umso mehr, da hier lauter Amateure am Werk sind, die zwar eine grobe Idee davon haben, womit sie ihr Geld verdienen wollen. So richtig viel Ahnung haben sie aber nicht, weswegen da dauernd etwas schief geht. Sie mögen einen Instinkt dafür haben, wie ihre Mitmenschen so ticken. Sonderlich praktisch sind sie nicht.

Humorvolles Zeitporträt

Serienschöpfer und Co-Regisseur Pieter Bart Korthuis geht dieses Thema dann auch mit einer größeren Portion Humor an. Auch wenn es zwischendurch schon mal ernster werden darf, insgesamt ist Dirty Lines doch deutlich stärker im Komödienfach zu Hause. Zum Teil besteht der Witz in den skurrileren Figuren, die in diesem Bereich arbeiten. Dann wird viel auf Kontraste zurückgegriffen, wenn sich beispielsweise nach außen hin bieder erscheinende Mauerblümchen vor den Mikrofonen – und damit dem geistigen Auge der Zuhörer – in Sexnymphen verwandeln. Unterhaltsam sind aber auch die Versuche, das Geschäftsfeld zu erweitern und neue Zielgruppen zu erschließen, darunter Frauen und Homosexuelle. Da wird einfach alles mal ausprobiert, eine kuriose Schnarch-Hotline inklusive.

Aber auch beim Drumherum fahren Korthuis und sein Team alles Mögliche auf. Dirty Lines ist nicht nur die Geschichte einer neuen Geschäftsidee, sondern vor allem auch ein Zeitporträt. Themen wie der Kalte Krieg oder der Mauerfall haben zwar prinzipiell nichts mit dem offensiven Stöhnen der Protagonistinnen und später Protagonisten zu tun. Sie helfen aber doch dabei, einen historischen Kontext aufzubauen, innerhalb dessen sich das hier alles abspielt. Hinzu kommen am Rande gesellschaftliche Fragen auf, etwa zur Rolle der Frau, welche ebenfalls dazu beitragen, dass das Spiel mit dem falschen Sex mehr ist als nur eine reine Spaß-Kuriosität. Richtig vertieft wird das zwar alles nicht, dafür reichen die sechs Folgen à durchschnittlich 45 Minuten gar nicht aus. Dennoch ist die Serie ein würdiger Zuwachs im Netflix-Sortiment.

Credits

OT: „Dirty Lines“
Land: Niederlande
Jahr: 2022
Regie: Pieter Bart Korthuis, Anna van der Heide, Tomas Kaan
Drehbuch: Franky Ribbens, Lotte Tabbers, Tijs van Marle
Idee: Pieter Bart Korthuis
Vorlage: Fred Saueressig
Musik: Alexander Reumers
Kamera: Mick Van Rossum, Gregg Telussa
Besetzung: Joy Delima, Minne Koole, Chris Peters, Charlie Chan Dagelet, Abbey Hoes, Benja Bruijning, Yari van der Linden, Julia Akkermans, Joes Brauers, Andre Dongelmans, Laura Bakker, Michael Muller

Bilder

Trailer

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Dirty Lines – Staffel 1
Fazit
„Dirty Lines“ ist eine unterhaltsame, oft humorvolle Serie über den Boom von Sex-Hotlines in den Niederlanden in den 1980ern. Neben dem ungewöhnlichen und für ein heutiges Publikum kaum mehr nachzuvollziehenden Geschäftsfeld sind es vor allem die zeithistorischen Elemente einer sich wandelnden Gesellschaft, welche die Geschichte sehenswert machen.
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