Inhalt / Kritik

Die Frauen und der Mörder The Women and the Murder Netflix

„Die Frauen und der Mörder“ // Deutschland-Start: 9. September 2021 (Netflix)

Bei den Dutzenden True Crime Dokus, die Netflix jedes Jahr aufs Publikum loslässt, gibt es die unterschiedlichsten Ausführungen und Richtungen. Während manche als Porträts der vorgestellten Verbrecher dienen, kümmern sich andere mehr um die Opfer und welche Auswirkungen die Taten auf ihre Familien haben. Besonders beliebt sind aber vor allem die Titel, bei denen das Publikum „live“ dabei sein darf, wie nach dem jeweiligen Täter gesucht wird. Mord an der Costa del Sol oder Der Yorkshire Ripper sind zwei aktuellere Beispiele dafür, wie eine solche Doku zu einer Art Krimi werden kann. Damit gehen die typischen Fragen dieser Genres einher: Wer steckte hinter den Morden? Und wird die Person geschnappt?

Bei Die Frauen und der Mörder ist das nicht anders. Hier sind wir zwar mal ausnahmsweise nicht auf dem amerikanischen Kontinent unterwegs, sondern in Frankreich, was an einer Stelle auch entsprechend kommentiert wird. Schließlich gelten Serienmörder irgendwie als amerikanisch. Ansonsten ist der Ablauf aber sehr ähnlich. Da werden Spuren gesucht und analysiert. Irgendwann kommt die Polizei auf die Idee, wer der Schuldige ist. Die restliche Zeit des Films wird dem Versuch gewidmet, die Person auch zu überführen. Schließlich fanden die Morde im Paris der 1990er statt, da war so manches, was für uns aus dem Fernsehen geläufig und CSI-geprüft ist, nicht ganz alltäglich. Aber auch anderweitig geraten die Untersuchungen ins Stocken. Wenn etwa der Tod von Lady Di passiert, dann haben normale Tote eben zu warten.

Viel Inhalt ohne echten Fokus

Daraus hätte man auch ein insgesamt gesellschafts- oder systemkritisches Werk machen können, welche den Mord und die Ermittlungen in einen größeren Kontext stellen. Ganz so weit wollte das Regieduo Mona Achache und Patricia Tourancheau dann aber doch nicht gehen. Stattdessen begleiten sie die Polizistin Martine Monteil sowie Anne Gautier, die Mutter eines der Opfer, die jeweils darum kämpfen, den Täter zu schnappen, dazu eine Reporterin und Anwältinnen  – daher auch der Titel Die Frauen und der Mörder. Diese Vorgehensweise gibt der True Crime Doku eine stärker persönliche Note, als es bei der Konkurrenz oft der Fall ist, wo die Ermittlungen vergleichsweise anonym ablaufen. Es ist der individuelle Einsatz zweier Frauen, die nicht müde wurden weiterzusuchen, selbst wenn es zwischendurch immer wieder nur mühsam voranging.

Viel gerätselt wird dabei jedoch nicht. In Die Frauen und der Mörder geht es weniger darum, ein großes Geheimnis zu lüften und eine verblüffende Antwort zu finden. Tatsächliche Alternativen bieten sich nicht. Offen bleibt, ist erst einmal der Verdächtige gefunden, lediglich, ob er für alle Verbrechen verantwortlich gemacht werden kann und wie viele er überhaupt begangen hat. Das hat nicht den Spannungsfaktor anderer solcher Dokus. Der Film entwickelt auch keine vergleichbare Tragik, wie es beispielsweise bei Die drei Tode der Marisela Escobedo der Fall war. Auch dort war eine Frau auf der Suche nach dem Mörder ihrer Tochter, mit verheerenden Folgen, die einem nahe gingen. Hier ist es vielmehr der Fall, dass ziemlich viel auf einmal angesprochen werden sollte, weshalb da einiges an der Oberfläche bleibt. Da fehlt schon irgendwie der Fokus.

Credits

OT: „The Women and the Murderer“
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Regie: Mona Achache, Patricia Tourancheau

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Die Frauen und der Mörder
„Die Frauen und der Mörder“ rekonstruiert die Jagd auf einen Frauenmörder, der in den 90ern in Paris sein Unwesen trieb. Das hat einige interessante Aspekte, kann sich aber nie so recht entscheiden, worum es eigentlich gehen soll. Dadurch bleibt einiges, was hätte vertieft werden müssen, nur an der Oberfläche.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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