Kritik

Fatal Affair Netflix

„Fatal Affair“ // Deutschland-Start: 16. Juli 2020 (Netflix)

Nicht mehr lang, dann hat es Ellie Warren (Nia Long) geschafft: ihre eigene Kanzlei! Sicher, sie hatte auch bei ihrem bisherigen Arbeitgeber Erfolg. So viel Erfolg, dass ihre Ehe mit Marcus (Stephen Bishop) darunter gelitten hat. Aber wenn sie erst einmal beruflich auf eigenen Füßen steht, wird auch das Privatleben wieder in Ordnung kommen, davon ist sie überzeugt. Doch gerade während dieser heiklen Übergangsphase läuft sie David Hammond (Omar Epps) über den Weg, den sie noch aus Schulzeiten kennt. Sie unterhalten sich, lachen miteinander – und gehen beinahe zusammen ins Bett. Im letzten Moment kann sich Ellie zwar loseisen und das Schlimmste verhindern. David hat aber gar nicht vor, es darauf beruhen zu lassen, und beginnt ihr zu folgen und nachzustellen, in dem festen Willen, sie irgendwann ganz für sich alleine zu haben …

Wann bedeutet ein Nein ein Nein? Dass Männer und Frauen darauf mitunter etwas andere Antworten haben, das haben diverse grausige Geschichten gezeigt, die im Zuge der #MeToo-Bewegung ans Tageslicht kamen. Wer will, kann in dem neuen Netflix-Thriller Fatal Affair ein weiteres Beispiel finden für männliche Besitzansprüche, die dem weiblichen Gegenüber kein wirkliches Mitspracherecht einräumen. Aber damit würde man dem Film mehr Inhalt zusprechen, als er selbst mitbringt. Würde mehr Gedanken in die Geschichte und deren Bedeutung investieren, als es Peter Sullivan und Rasheeda Garner getan haben, von denen das Drehbuch stammt.

Die ewige Verfolgung
Sullivan, der zudem die Regie übernommen hat, dürfte der Zielgruppe kein Unbekannter sein. Schon der Netflix-Thriller Secret Obsession vor ziemlich genau einem Jahr ging auf sein Konto. Und schon damals zeigte der eher im Weihnachtsfilm-Metier tätige Filmemacher, dass er gar nicht die Absicht hat, bei seinen Genreausflügen mehr zu machen als unbedingt nötig. War es beim letzten Mal noch das Mystery-Subgenre, wenn eine Frau ohne Erinnerungen aufwacht, nimmt sich der US-Amerikaner dieses Mal des Psycho-Thrillers an. Genauer ist es das allseits beliebte Thema Stalking, das es Sullivan so sehr angetan hat, dass er daraus neunzig Minuten gemacht hat, die leider für das Publikum eine ebenso große Tortur wie für die Protagonistin darstellen.

Dabei ist es nicht einmal so, dass das Thema an sich überholt wäre. Gerade in heutigen Zeiten, in denen wir von unserem Leben ohnehin viel mehr preisgeben, als wir es sollten, provozieren wir, dass andere darin herumwildern können. Die Serie You – Du wirst mich lieben zeigte, wie einfach es ist, soziale Medien zu missbrauchen und sich in das Leben anderer einzuschleichen. Wie verführerisch das auch ist. Bei Fatal Affair ist das einfacher: Man machte aus David einen Hacker. Spart Zeit. Sinn ergibt das nicht so wahnsinnig, irgendwie wird man auch nie wirklich schlau draus, was der Besessene sonst noch so treibt, wenn er nicht gerade Frauen hinterhersteigt. Aber wozu sich das Hirn zermartern und ausgefeilte Geschichten schreiben, wenn es auch ganz ohne geht? Auf Überraschungen verzichtete man in dem Zusammenhang gleich mit.

Ist das schon alles?
Nun muss ein Thriller sicher nicht Wendungen ohne Ende haben, um unterhalten zu können. Das Gefühl, einem anderen Menschen ausgeliefert zu sein, kann auch so schon schrecklich genug sein. Aber es gehört dann doch mehr dazu, einen offensichtlich psychisch gestörten Mann irgendwo zu platzieren, um allein dadurch Spannung zu generieren. Natürlich demonstriert Fatal Affair gleich zu Beginn, dass das Adjektiv nicht ganz umsonst im Titel steht, wenn der Film mit einem heimtückischen Mord losgeht. David lässt zudem keinen Zweifel daran, dass er zu allem bereit ist. Das zu wissen, ist aber nicht gleichzusetzen damit, dass einem das in irgendeiner Form nahegeht. Tatsächlich macht sich hier bald Gleichgültigkeit breit, was denn nun als nächstes geschieht.

Zum Teil ist das darauf zurückzuführen, dass man es ohnehin schon weiß. Sullivan klappert brav die üblichen Stationen ab, ohne an irgendeiner Stelle mal etwas Eigenes zu machen. Weder lässt er sich besondere Situationen einfallen, noch inszeniert er sie auf irgendwie sehenswerte Weise oder gibt sich Mühe, die Figuren zu vertiefen, die sich ohnehin immer verlässlich falsch verhalten. Das ist alles so lieblos abgespult, dabei manchmal so idiotisch, dass man sich wünschen würde, David wäre erfolgreich bei seinen Unternehmungen, und sei es nur, um der Geschichte den Gnadenstoß zu versetzen. Wer noch nie einen Stalking-Thriller gesehen hat, der wird eventuell hiervon noch unterhalten werden, darf gespannt sein, worauf das hinauslaufen wird. Ansonsten droht eine Langeweile, die tödlicher ist als der Antagonist.

Credits

OT: „Fatal Affair“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Peter Sullivan
Drehbuch: Peter Sullivan, Rasheeda Garner
Musik: Matthew Janszen
Kamera: Eitan Almagor
Besetzung: Nia Long, Omar Epps, Stephen Bishop, Maya Stojan

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Fatal Affair
In „Fatal Affair“ kann ein Mann nicht ertragen, dass seine verheiratete Traumfrau ihn zurückstößt, weshalb er anfängt ihr nachzustellen, um sie doch noch für sich zu gewinnen. Das hört sich spannend an, ist es aber nicht, da der Stalkingthriller weder in die Geschichte, noch die Inszenierung oder Figurenzeichnung Arbeit investiert hat und entsprechend tödlich langweilt.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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