Kritik

Gokarts Netflix

„Gokarts“ // Deutschland-Start: 13. März 2020 (Netflix)

Aller Anfang ist schwer, so auch für Jack (William Lodder), als er mit seiner Mutter Christie (Frances O’Connor) nach dem Tod seines Vaters ein neues Leben beginnen muss. Das ist auch deshalb schwierig, weil sie zusammen in eine Kleinstadt in Westaustralien gezogen sind, wo er niemanden kennt. Eher zufällig landet er dabei auf einer Gokart-Bahn und ist gleich Feuer und Flamme: Er will unbedingt an der Meisterschaft teilnehmen! Zuerst gilt es aber erst einmal den grimmigen Patrick (Richard Roxburgh) zu überzeugen, dem die Bahn gehört und der wenig für Jacks Pläne zu haben ist. Doch mit der Zeit gelingt es ihm, ein tatsächliches Team aufzubauen, dem auch Mandy (Anastasia Bampos) und Kumpel Colin (Darius Amarfio-Jefferson) angehören …

So ein Gokart-Rennen ist zwar nicht komplett ungefährlich, kann aber jede Menge Spaß machen. Vor allem kann man dabei viel lernen, zumindest wenn es nach dem Netflix-Film Gokarts geht. Die australische Produktion erzählt die klassische Geschichte eines Jugendlichen, der noch ein bisschen auf der Suche nach sich selbst ist und seinem Platz in dieser Welt. Warum dafür nicht die staubige Piste einer Rennbahn wählen? Doch lernt man schließlich nicht nur, aufs Gaspedal zu treten. Man kann dort auch bremsen. Und mit anderen zusammenarbeiten. Und die Vergangenheit hinter sich lassen.

Der schnelle Weg zur Erkenntnis
Das sind so ziemlich alle Punkte, die Gokarts im Laufe von rund hundert Minuten brav abhakt. Nichts davon ist wirklich überraschend, zumal alle bereits in den ersten Minuten anstehen, der Rest des Films dem Finetuning gewidmet ist. Soll heißen: Der junge Heißsporn muss sich erst einmal kräftig die Finger verbrennen. Das tut er, mehrfach. Aber es ist ja für einen guten Zweck. Nicht allein, dass er am Ende seiner ovalen Reise als besserer Mensch aus dem Wagen steigt, das Publikum darf das auch. Zumindest das jüngere Publikum, für das der Film auch gedreht worden ist.

Das darf sich hier auf einen Mix der verschiedensten Genres freuen. Zum einen geht es natürlich schön zur Sache, wenn sich Jack auf der Rennbahn austoben kann und sich mit ein paar Rivalen Matches liefert. Das Herz bekommt auch ein bisschen zu tun. Schließlich darf sich der junge gutaussehende Knabe in die holde Maid im Mechaniker-Overall verlieben. Ganz zu schweigen von seinen ihn noch immer verfolgenden Erinnerungen an seinen verstorben Vater. Zudem gibt es ein bisschen Humor, gerade beim Austausch mit dem von Richard Roxburgh verkörperten Griesgram, der zu einer Art Mentor werden darf und mit kuriosen Aufgaben für Erheiterung sucht – da werden Erinnerungen an Karate Kid wach.

Sympathisch, aber auch etwas langweilig
Diese Szenen gehören dann auch zu den Höhepunkten. Vor allem eine dieser Aufgaben ist so bescheuert, als hätte das hier eigentlich eine Parodie sein sollen, sich am Ende aber nicht ganz getraut. Ein paar Sympathiepunkte sammelt Gokarts zudem für den Einfall, ein Mädchen zum Technikass zu machen, anstatt es einfach nur als hübschen Pokal am Rand stehen zu lassen, wo es auf den Sieger wartet (also Jack). Mandy hat hier tatsächlich etwas zu tun, darf einen wichtigen Anteil daran haben, wenn der ihr vorbestimmte Traumjunge die Zielgerade passiert, und sich nebenbei gegen männliche Bevormundung wehren.

Das ist nett, so wie der Film insgesamt nett ist. Allzu viel sollte man sich hiervon jedoch nicht versprechen. Schon das Grundszenario ist nicht ganz schlüssig, wenn der geplante Neustart erst viele Jahre nach der Tragödie stattfindet, zu einem irgendwie willkürlichen Zeitpunkt. Die Figuren sind vielmehr Platzhalter für Klischees als tatsächliche Entwicklungen. Leute also, in denen man sich wiederfinden oder viel reinprojizieren kann, ohne sich an Ecken und Kanten zu stören. Viel bleibt am Ende vielleicht nicht zurück. Zum Zeitvertreib reicht es aber, vor allem wenn man zur Zielgruppe gehört.

Credits

OT: „Go!“
Land: Australien
Jahr: 2020
Regie: Owen Trevor
Drehbuch: Steve Worland
Musik: Brendan Woithe
Kamera: Peter Eastgate
Besetzung: William Lodder, Frances O’Connor, Richard Roxburgh, Anastasia Bampos, Darius Amarfio Jefferson

Trailer

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Gokarts
3.86 (77.14%) 14 Artikel bewerten

Gokarts
„Gokarts“ ist ein netter Familienfilm über einen Jugendlichen, der sich auf einer Gokart-Bahn austobt und sich dabei selbst findet. Der Ablauf der Geschichte ist der übliche Standard, auch bei den Figuren sollte man nicht viel erwarten. Das rasante Gokart-Setting und einige witzige Einfälle trösten darüber aber hinweg.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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