Inhalt / Kritik

Mixtape Netflix

„Mixtape“ // Deutschland-Start: 3. Dezember 2021 (Netflix)

Seit dem Tod ihrer Eltern bei einem Autounfall lebt Beverly Moody (Gemma Brooke Allen) bei ihrer Großmutter Gail (Julie Bowen), die sie liebevoll und mit großer Fürsorge aufzieht. Und auch wenn die inzwischen 12-jährige Beverly glücklich ist und Gail über alles liebt, in ihr sitzt der Schmerz, ihre Eltern nie kennengelernt zu haben. Die Sehnsucht wird von Tag zu Tag größer, mehr über sie zu erfahren. Wer waren sie? Was mochten sie? Eine Antwort könnte ihr ein Mixtape liefern, welches die beiden aufnahmen, als sie selbst Jugendliche waren. Dummerweise endet der Versuch, sich dieses anzuhören, in einem Kabelsalat, der die Kassette unbrauchbar macht. Und so bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich selbst auf die Suche nach den Liedern zu machen, in der Hoffnung, den Eltern damit näherzukommen. Dabei findet sie in Ellen (Audrey Hsieh) und Nicky (Olga Petsa) wertvolle Mistreiterinnen bei dieser Mission. Aber auch Anti (Nick Thune), der einen Indie-Plattenladen betreibt, wird in die Suchaktion einbezogen …

Wer bin ich und woher komme ich?

Es gehört zum Heranwachsen dazu, dass sich junge Menschen selbst zu finden und zu bestimmen versuchen. Üblicherweise geht das über einen Wechsel von Imitation und Abgrenzung: Man schaut sich von anderen ab, wie sie das so machen. Gerade Eltern werden dabei oft zu einer widersprüchlichen Mischung aus Vorbild und Abschreckung. Nur wer weiß, woher er kommt, kann festlegen, wer er sein möchte. Was aber wenn man genau das nicht weiß? Wenn man keine Eltern hat, die man wahlweise fragen oder gegen die man sich auflehnen kann? Von einem eben solchen Fall erzählt der Netflix-Film Mixtape über ein Mädchen, das ohne Eltern aufgewachsen ist. Ein Mädchen, dem gleichzeitig nichts und doch etwas sehr Essentielles fehlt und das diese Leerstelle irgendwie füllen möchte.

Sehr schön ist dabei der Einfall, diese Annäherung über das Mittel der Musik zu machen. Dass Musik ein verbindendes Element ist, diese Erfahrung dürften die meisten von uns gemacht haben. Ob es der gemeinsame Besuch eines Konzertes ist oder das Teilen der neuesten Lieder mit Freunden und Freundinnen, so etwas kann schon zusammenschweißen. Wenn sich Beverly die Songs anhört, die ihren Eltern wichtig waren – sonst landeten sie nicht auf dem Mixtape –, dann ist das tatsächlich eine Möglichkeit, auf anderen Wegen doch noch den Zugang zu jemandem zu finden. Die Hoffnung des Mädchens: Sie lernt auf diese Weise, welche Menschen ihre Eltern waren und vielleicht Spuren von ihnen in sich selbst zu entdecken.

Zwischen Identifikation und Nostalgie

Der Film richtet sich dabei eindeutig an eine etwas jüngere Zielgruppe, die selbst noch nicht genau weiß, wer sie ist und wie sie sich in dieser Welt positionieren kann. In dem Zusammenhang sind auch die Freundschaften wichtig, welche Beverly während ihrer Reise schließt. Denn diese helfen ihr nicht nur dabei, die Lieder aufzutreiben, die durch den Kabelsalat verloren gegangen sind, sondern verhelfen ihr auch zu dem Selbstbewusstsein, welches sie braucht, um sich behaupten zu können. Gleichzeitig spricht Mixtape aber auch ein etwas älteres Publikum an. Durch das historische Setting – der Film spielt kurz vor der Jahrtausendwende – gibt es hier noch lauter Elemente, die die man von früher kennt wie Plattenläden oder Musikkassetten. Man darf sich an Napster erinnern, eine frühere Musiktauschbörse. Ein gewünschtes Lied aufzutreiben, war damals tatsächlich noch mit Arbeit verbunden, anstatt alles per Klick nach Hause serviert zu bekommen.

Eine wirkliche Aussage dazu trifft Drehbuchautor Stacey Menear, der mit dem Horrorfilm The Boy vor Jahren sein Debüt gab und hier eine komplett andere Richtung einschlägt, aber nicht. Allgemein sollte man inhaltlich nicht zu viel von Mixtape erwarten. So wird die Bedeutung der einzelnen Lieder nur selten deutlich. Die Entwicklung der Figuren ist überschaubar oder findet sprunghaft statt. Das betrifft beispielsweise die Freundschaft von Anti zu den Mädchen. Auch die Konflikte, die später stattfinden, sind in erster Linie drin, weil man sich diesen Konventionen gegenüber verpflichtet fühlte, nicht weil sie sich wirklich aus der Geschichte ergeben würden. Hier und an anderen Stellen machte man sich es schon recht einfach: Man wollte die Belohnung zum Schluss, ohne sich zu sehr dafür anstrengen zu müssen.

Netter, gut besetzter Film

In der Summe ist Mixtape aber schon ein ganz schöner Film geworden, der bekannte Themen des Coming-of-Age-Bereiches mit einer Mischung aus humorvollen und nachdenklichen Szenen variiert. Ein Pluspunkt ist zudem die sympathische Protagonistin, welche im gleichen Maße anstrengend und mitreißend sein kann. Nachwuchsschauspielerin Gemma Brooke Allen, die vorher unter anderem in Kate eine Nebenrolle hatte, beweist hier, dass sie auch im Mittelpunkt stehen kann. Der Rest des Ensembles zeigt zumindest solide Leistungen. Wem das reicht und einfach mal wieder einen netten Jugendfilm sehen will, der zu Herzen gehen kann, ohne dabei richtig fordernd zu werden, der kann es durchaus hiermit versuchen – und sich im Anschluss fragen, was wohl auf dem eigenen Mixtape gelandet wäre.

Credits

OT: „Mixtape“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Valerie Weiss
Drehbuch: Stacey Menear
Musik: Tamar-kali
Kamera: Matthew Clark
Besetzung: Gemma Brooke Allen, Audrey Hsieh, Olga Petsa, Julie Bowen, Nick Thune

Bilder

Trailer

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Mixtape
In „Mixtape“ versucht ein 12-jähriges Mädchen ihren früh verstorbenen Eltern näherzukommen, indem es die Lieder sucht, welche diese damals gehört haben. Das ist eine schöne Idee, bietet einem jüngeren Publikum Identifikationsfläche und Älteren Nostalgiepunkte und ist zudem gut gespielt. Sonderlich viel Tiefgang sollte man dabei jedoch nicht erwarten, das Drehbuch macht es sich ganz gern etwas einfacher.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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