Voir Die Filmkunst der Moderne Netflix
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Voir: Die Filmkunst in der Moderne – Staffel 1

Inhalt / Kritik

Voir Die Filmkunst der Moderne Netflix
„Voir: Die Filmkunst in der Moderne – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 6. Dezember 2021 (Netflix)

In den letzten Jahren hat nicht nur die steigende Popularität von Streaminganbietern dem Kino viele Zuschauer genommen, sondern auch die Kulturpolitik verschiedener Länder, denen Kultur schlicht und ergreifend egal ist oder nur ein Anlass, um irgendwelche Preise oder Urkunden zu vergeben. Das Kino als kultureller Raum, als Ort des Austausches und des Treffens geht mehr und mehr verloren, auch wenn sich einzelnen kleine Lichtspielhäuser, besonders in größeren Städten, nach wie vor gegen den Trend wehren. Nur selten ist das Kino noch jener Platz, in dem eine Begegnung stattfindet, welche zum Nachdenken anregt, was zweifelsohne auch am Programm an sich liegt, welches jeden Monat eine feste Zahl an Neuverfilmungen, romantischen Komödien oder Superheldenfilmen zu bieten hat, die nicht mehr viel gemeinsam haben mit den Produktionen der Vergangenheit und sich in erster Linie als Teile einer Marketing-Kampagne sehen, bei der es um Profit geht, nicht aber darum, eine packende Geschichte zu erzählen. Bedenkt man, welchen Einfluss Filme wie Der Pate, Der weiße Hai, Der Exorzist oder Rosemaries Baby allein auf heutige Filmschaffende haben, ist die Frage durchaus berechtigt, inwiefern heutige Produktionen einen solchen für sich beanspruchen können oder überhaupt wollen.

Ausgerechnet auf Netflix, jenem Streaminganbieter, der in mehr als nur eine Hinsicht den Grundstein für viele der oben angeführten Entwicklungen gelegt hat, ist seit kurzem mit Voir: Die Filmkunst in der Moderne eine Reihe von Kurzdokumentationen, oder vielmehr Essay-Filmen erschienen, die den Zuschauer an die Attraktivität und den Einfluss der Filmkunst erinnern sollen. Unter anderem produziert von Regisseur David Fincher erzählen die insgesamt sechs Episoden von einzelnen Filmen und den Eindruck, den diese bei den Machern hinterlassen haben, oder über diverse Entwicklungen innerhalb der Industrie, beispielsweise über weibliche Charaktere in Animationsfilmen oder inwiefern es wichtig ist einen Protagonisten oder eine Protagonistin eines Filmes sympathisch zu finden. Inszeniert werden die Episoden von Regisseuren wie David Prior (The Empty Man) oder Julie Ng, wobei die Drehbücher Teil von Filmkritikern wie Walter Chaw oder Bloggern wie Sasha Stone oder Drew McWeeney kommen.

Die Beziehung von Zuschauer und Leinwand

Wer sich interessiert für Filmgeschichte und besonders gerne die Booklet-Texte von Veröffentlichungen liest, wird gewiss Freude an den einzelnen Episoden von Voir haben. Mag auch die Qualität oder die inhaltliche Auseinandersetzung variieren, so beinhaltet doch jede Folge eine ganze Menge an interessanten Ideen wie auch Hintergrundinformationen, welche die Sichtweise auf liebgewonnene Werke verändern können. Interviews mit Animationskünstlern über das Design von männlichen und weiblichen Charakteren in Animationsfilmen sind ebenso interessant wie der Gedanke, dass ein Protagonist wie Travis Bickle (Taxi Driver) oder ein Film wie Der weiße Hai in der heutigen Zeit wahrscheinlich nicht mehr realisierbar wären. Darüber hinaus geht es immer wieder über die sehr persönliche Rezeption eines Filmes und dessen Bedeutung, wenn beispielsweise das Raubtierhafte und Schockierende eines Hais gleichgesetzt wird mit dem Terror häuslicher Gewalt sowie der eigenen Emanzipation als Zuschauerin.

Die einzelnen Episoden von Voir sind zwar informativ und beruhen auf teils auf einer Vielzahl an Beispielen, sind aber niemals akademisch und damit für jeden Zuschauer verständlich. Es geht auch gar nicht um eine wissenschaftliche oder fachliche Auseinandersetzung, sondern eher um die Beziehung von Mensch und Leinwand, was eine Geschichte und eine Figur mit uns macht, welche Fragen eine Figur wie Michael Corleone (Der Pate) oder Travis Bickle uns stellt. Das ist insgesamt sehr unterhaltsam, kurzweilig und in den Weiten von Netflix eine willkommene Abwechslung von der Norm.

Credits

OT: „Voir“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: David Prior, Keith Clark, Julie Ng, Taylor Ramos, Tony Zhou
Drehbuch: Walter Chaw, Sasha Stone
Kamera: Martim Viam, Alfonso Chin

Trailer

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"Voir: Die Filmkunst in der Moderne" ist eine Reihe von sechs Episoden, die informativ und unterhaltsam den Zuschauer in sehr persönliche Herangehensweisen an bekannte Filme oder Entwicklungen innerhalb der Filmindustrie einführen. Neben den zahlreichen Hintergrundinformationen sind besonders die Sichtweisen der Macher hilfreich dabei, die Sichtweise auf einen Film oder eine Figur zu verändern oder diese überhaupt zuzulassen.
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