Kritik

The Babysitter Netflix

„The Babysitter“ // Deutschland-Start: 13. Oktober 2017 (Netflix)

Für den 12-jährigen Cole Johnson (Judah Lewis) sind Demütigungen an der Tagesordnung, es fehlt ihm einfach das Selbstvertrauen, um sich auch mal gegen andere durchzusetzen. Einen Lichtblick gibt es jedoch: Bee (Samara Weaving), seine Babysitterin, die auf ihn aufpassen soll, während seine Eltern unterwegs ist. Bee ist nicht nur nett und eine klasse Zuhörerin – sie sieht auch noch megaheiß aus. Als Cole nachts aus seinem Bett schlüpft, um sie heimlich zu beobachten, muss er sein Urteil jedoch bald revidieren, denn Bee hat ein paar Freunde (Hana Mae Lee, Robbie Amell, Bella Thorne, Andrew Bachelor) eingeladen und mit ihnen brutal jemanden ermordet. Und wenn Cole nicht höllisch aufpasst, wird er der nächste sein …

Es gehört zu den beliebten Motiven des Horrorgenres bzw. des Thrillers: Ein freundlicher, oft etwas unscheinbarer Menschen erhält Zugang zum Haus einer Familie und entpuppt sich daraufhin als mordlustiger Psychopath. Das können mal Fremde sein, die sich als neue Nachbarn ausgeben, wie es beispielsweise in Funny Games und Replicas – In their Skin der Fall war. Sehr beliebt sind auch Kindermädchen, deren eigentlicher Zweck es ja ist, den Nachwuchs zu schützen. Wenn dann in Filmen wie Emelie oder Dann schlaf auch du ausgerechnet diese Menschen düstere Seiten und Geheimnisse haben, dann ist das nicht nur für die betroffenen Eltern ein absoluter Albtraum.

Ein teuflischer Mordsspaß
The Babysitter steht also in einer langen Tradition, wenn die Titelfigur nicht nur als zu gut um wahr zu sein erscheint, sondern es tatsächlich auch ist. Anders als die obigen Werke, welche Spannung erzeugen wollen, verbunden mit dem einen oder anderen Ausflug ins Tragische, da ist der Netflix-Film auf Spaß aus. Genauer handelt es sich um eine Horrorkomödie, welche die üblichen Klischees eines solchen Films dankbar aufgreift, jedoch lustvoll überdreht und zum Teil auch parodiert. Das zeigt sich gerade bei den Figuren, die mal nicht aufgrund mangelnden Talents oder fehlender Ambitionen Stereotypen entsprechen. Hier ist das ausnahmsweise mal beabsichtigt.

Das macht dann auch tatsächlich Spaß, da sich das Ensemble kopfüber in den Blödsinn stürzt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht dabei natürlich Samara Weaving, die später noch in Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot sowie Guns Akimbo eine Vorliebe für überzogene, blutige Genrekomödien bewies – und eben das Talent. In Sekundenschnelle wechselt sie von der fürsorglichen Kumpelbeschützerin zur verschlagenen Teufelsanbeterin, die zur Erfüllung ihrer Wünsche über Leichen geht – wortwörtlich. Dem Rest der Gleichgesinnten bleibt da zum Teil nicht mehr als ein Gastauftritt, zumal The Babysitter mit einer Laufzeit von 85 Minuten recht knapp ausfällt. Diese Minuten wissen sie aber gut zu nutzen, alle haben ein paar komische Solomomente.

Hauptsache tot
Der zweite Punkt, der einem Genrepublikum Spaß machen dürfte, sind die Todesszenen. Drehbuchautor Brian Duffield (Underwater – Es ist erwacht) hat sich ein paar schön grausige, dabei sehr absurde Möglichkeiten des Ablebens ausgesucht. Wobei auch hier ganz klar auf launigen Crowdpleaser geeicht wurde. Anstatt beispielsweise durch tatsächliche Kämpfe und eine Jagd durchs Haus Nervenkitzel erzeugen zu wollen, sind die Begegnungen meist schon vorbei, bevor sie richtig angefangen haben. Teilweise erinnert das an Kevin – Allein zu Haus, wenn sich der junge Cole mit Einfallsreichtum an die Aufgabe macht, die Invasoren auszuschalten und irgendwie heil aus der Sache zu kommen. Wobei er nicht ganz so abgebrüht ist, schließlich soll mit den gewonnenen Erfahrungen auch ein bisschen das Erwachsenenalter erreicht werden – zumindest aber mehr Selbstvertrauen.

Die vereinzelten Versuche, das Ganze noch mit ein bisschen mehr Emotionen zu verbinden, darf man dabei getrost ignorieren. Wer auch nur irgendwas an dem Ganzen ernst nimmt, hat von vornherein verloren. Aber selbst wer in der Stimmung ist für eine überzogene Horrorkomödie, sollte nicht zu hohe Erwartungen stellen. The Babysitter hält sich dann doch recht stark an die vorgegebenen Bahnen, schafft es zu selten, tatsächlich mal zu überraschen, wird auch nie so böse, wie es sich angeboten hätte. Aber es reicht doch für ein bisschen gut gelaunten Spaß zwischendurch, um mit Dämonen, Blut und nackter Haut den Alltag zu vergessen.

Credits

OT: „The Babysitter“
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: McG
Drehbuch: Brian Duffield
Musik: Douglas Pipes
Kamera: Shane Hurlbut
Besetzung: Samara Weaving, Judah Lewis, Hana Mae Lee, Robbie Amell, Bella Thorne, Andrew Bachelor, Emily Alyn Lind

Bilder

Trailer

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The Babysitter
4.11 (82.11%) 19 Artikel bewerten

The Babysitter
In „The Babysitter“ entdeckt ein 12-Jähriger, dass seine heiße Babysitterin in Wirklichkeit satanische Rituale und Menschenopfer durchführt. Tatsächlich spannend ist der Film nicht, weil er sich dafür gar nicht die Zeit lässt und sich auch vom Ablauf her zu sehr an Erwartungen hält. Dank des gut aufgelegten Ensembles reicht es aber für einen kleinen Crowdpleaser für zwischendurch.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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