Inhalt / Kritik

Xicos Weg Netflix

„Xicos Weg“ // Deutschland-Start: 12. Februar 2021 (Netflix)

Jahre ist es inzwischen her, dass Copis Mutter spurlos verschwunden ist, doch noch immer trauert das Mädchen um sie – umso mehr, da niemand über die Sache reden will. Dabei weiß ihre Großmutter mehr, davon ist sie fest überzeugt. Als Copi ihr eines Tages hinterherschleicht, markiert das den Anfang eines großen Abenteuers, das sie, den Jungen Gus und Hund Xico in die nahegelegenen Berge führt. Während sie dort mystischen Gestalten begegnen und Xico erkennt, dass er mehr ist als ein gewöhnlicher Hund, ist die Sorge bei den Erwachsenen im Dorf groß. Denn ausgerechnet der Berg soll gesprengt werden, um so an die darin verborgenen Rohstoffe zu kommen …

Animationstrend Lateinamerika

In den letzten Jahren ist die Animationsbranche in Lateinamerika stark gewachsen und hat die unterschiedlichsten Titel hervorgebracht. Ob es die irre Science-Fiction-Komödie Lava ist oder das brasilianisch-chilenische Fantasyabenteuer Nahuel and the Magic Book, die Bandbreite ist groß. Vor allem in Mexiko entstehen derzeit sehr viele Filme, wenngleich diese hierzulande wenn überhaupt nur auf Filmfesten laufen oder etwas versteckt auf DVD erscheinen. Das meiste verlässt den Kontinent nicht einmal. Immerhin: Mit Xicos Weg versucht sich nun Netflix an ein bisschen Völkerverständigung und zeigt, dass ansprechende Animationsfilme nicht nur aus den USA, Europa oder Japan kommen können.

Wobei es sich bei Xicos Weg nicht um eine Eigenproduktion des Streaminggiganten handelt. Vielmehr steckt hinter dem Titel das Studio Ánima Estudios mit Hauptsitz in Mexiko City. Bei uns dürften nur die wenigsten diesen Namen kennen, die wenigen bei uns veröffentlichten Filme (Monster Island, Die Monster Academy) gingen ziemlich unter. Daheim ist das Studio aber durchaus umtriebig, rund zwei Dutzend Filme hat es bislang produziert. Das liegt natürlich auch daran, dass die Produktionen deutlich weniger aufwendig sind, als man es von den großen US-Kollegen wie Disney oder Pixar gewohnt ist. Das Budget gibt einfach nicht mehr her. Entsprechend muss man seine Ansprüche und Erwartungen hier schon ein ganzes Stück zurückschrauben.

Spiel mit den Farben

Wobei die Optik von Xicos Weg insgesamt durchaus zweckmäßig ist. Die Kombination aus 2D-Stil und 3D-Technik könnte sicherlich etwas eleganter sein. Auch bei der Detailfreude war noch Luft nach oben. Dafür wurde viel mit Farben gearbeitet, gerade bei der Darstellung der Tiere. Anfangs meint man dabei noch, dass Xico der übliche tierische Sidekick ist, der solche Geschichten witziger, wahlweise niedlicher machen soll. Stattdessen rückt der titelgebende Hund mit der Zeit in den Vordergrund. Hinzu kommen diverse andere Vertreter der heimischen Fauna, vom Opossum über Vögel bis zu Skorpionen. Die können nicht nur alle sprechen, sondern werden Teil einer Mythologie, die dem Film eine verstärkt magische Note gibt.

Tatsächlich fantasievoll ist Xicos Weg hingegen nicht. Natürlich ist es sympathisch, wie sich der Film gegen das Fracking ausspricht und dabei eine ökologische Botschaft mit Fantasy-Aspekten verknüpft. Nur hat man dies schon so oft bei der Konkurrenz gesehen, vor allem die Vergleiche zu Prinzessin Mononoke drängen sich auf. Von dessen Komplexität ist man hier jedoch weit entfernt. Die Zielgruppe ist schließlich ziemlich jung, da müssen beispielsweise die Bösen klar als solche zu erkennen sein. Leicht verständliche Aussagen sind angesagt, keine ambivalenten Überlegungen. So richtig geglückt ist die Verbindung mythischer und aktueller Elemente zudem nicht, das wirkt eher etwas unschlüssig zusammengestopft. Das reicht dann zwar schon noch fürs Mittelfeld und zur Beschäftigung des Nachwuchses. Den internationalen Durchbruch für die mexikanische Animationsszene wird das hier aber eher nicht bedeuten.

Credits

OT: „El Camino de Xico“
Land: Mexiko
Jahr: 2020
Regie: Eric D. Cabello Diaz
Drehbuch: Enrique Renteria
Musik: Magda Rosa Galbán, Juan Antonio Leyva
Animation: Ánima Estudios

Trailer

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Xicos Weg
„Xicos Weg“ verbindet mythologische Elemente mit einer aktuellen ökologischen Aussage, wenn zwei Kinder und ein magischer Hund ihren Berg vor einem Fracking-Unternehmen schützen wollen. Das ist grundsätzlich schon sympathisch, inhaltlich und optisch aber eher schlicht, zudem etwas unschlüssig zusammengestopft.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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