Kein Lebenszeichen Disparu à jamais Gone for Good Netflix
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Kein Lebenszeichen

Inhalt / Kritik

Kein Lebenszeichen Disparu à jamais Gone for Good Netflix
„Kein Lebenszeichen“ // Deutschland-Start: 13. August 2021 (Netflix)

Guillaume Lucchesi (Finnegan Oldfield) dachte, endlich sein großes Glück gefunden zu haben: Judith (Nailia Harzoune). Mit ihr will er alt werden, der Heiratsantrag ist bereits gemacht. Doch dann verschwindet sie auf einmal spurlos, ohne ein Wort, ohne jede Erklärung. Damit will er sich jedoch nicht zufriedengeben. Und so macht er sich zusammen mit dem Sozialarbeiter Daco (Guillaume Gouix) und Inès (Garance Marillier) auf die Suche nach der Verschwundenen. Während er ihr nachforscht, muss er nicht nur feststellen, dass in ihrem Leben einiges vorgefallen ist, von dem er keine Ahnung hatte. Ebenso schockierend ist, dass die Geschichte irgendwie mit seinem älteren Bruder Fred (Nicolas Duvauchelle) zusammenhängt, der vor einigen Jahren gestorben ist …

Ein überzeugter Twister

Der Deal, den Netflix mit Harlan Coben ausgehandelt, trägt weiter Früchte. In regelmäßigen Abständen darf sich das Publikum auf weitere Geschichten aus der Feder des US-amerikanischen Thriller-Autor freuen, welche für den Streamingdienst adaptiert werden. Bemerkenswert ist dabei, dass irgendwie jede Adaption aus einem anderen Land kommt. Während der Auftakt, die britische Serie Ich schweige für dich, zumindest noch im englischsprachigen Raum entstand, wurden die anderen in Kontinentaleuropa produziert. So ging es bei Das Grab im Wald nach Polen. Kein Friede den Toten wiederum stammt aus Spanien. Nun ist mit Kein Lebenszeichen, der vierten Serie, welche auf einem Buch von Coben basiert, Frankreich an der Reihe.

Doch wohin auch immer uns Netflix mit der Hilfe des Autors entführt, eines bleibt dabei gleich: Der Schriftsteller hat eine Vorliebe für wendungsreiche Thriller. Wann immer man sich ein von ihm konzipiertes Werk anschaut, weiß man auf Anhieb, dass man erst einmal niemandem glauben sollte. In seiner Welt wird gerne gelogen und getäuscht. Selbst vermeintlich feststehende Wahrheiten stellen sich irgendwann als Betrug oder zumindest Irrtum heraus. Das ist bei Kein Lebenszeichen nicht anders. Immer wieder hat man den Eindruck, dass es hier gar nicht darum ging, eine wirkliche Geschichte zu erzählen, sondern primär darum, das Publikum aufs Glatteis zu führen. Wendungen sind kein Mittel zum Zweck. Sie sind der Zweck.

Der Sprung zwischen den Zeiten

Zu diesem Zweck springt Regisseur Juan Carlos Medina (Painless – Die Wahrheit ist schmerzhaft, The Limehouse Golem) kontinuierlich zwischen den Zeiten hin und her. Während der Hauptstrang in der Gegenwart spielt, in der Guillaume seine verschwundene Freundin sucht, kehren wir regelmäßig in die Vergangenheit zurück. Teilweise dient dies tatsächlich dazu, Ereignisse in der Jetztzeit anders einzuordnen, wenn sich das alles nicht so abgespielt hat wie zuvor gedacht. Teilweise sollen auf diese Weise aber auch die Figuren und vor allem die Beziehungen untereinander vertieft werden. Gerade die komplexen, nicht immer einfachen Verhältnisse bei Familie Lucchesi sollen letztendlich maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Sache so schlecht ausging.

Das klingt eigentlich ganz vielversprechend. So richtig überzeugend ist das Ergebnis aber nicht. Während anfangs die Spannung noch recht hoch ist, weil man schon ganz gerne wissen möchte, was mit Judith denn nun passiert ist, franst die Geschichte irgendwann gehörig aus. Dass zwischendurch beispielsweise viel über die Vorgeschichte von Daco erzählt wird, hilft zwar seiner Charakterisierung. Es hilft aber nicht dabei, die Handlung voranzutreiben. Kein Lebenszeichen ist so beschäftigt damit, dass alles irgendwie ganz anders ist, als man denken will, bis der Hauptstrang quasi zum Erliegen kommt. Wendungen sollten im Idealfall dazu führen, dass eine Geschichte eine andere Richtung einschlägt. Wenn das aber dazu führt, dass sie sich nur noch im Kreis dreht, ist da doch etwas schief gegangen.

Nur keine Zurückhaltung!

Konstant ist dafür, gerade zum Ende hin, eine furchtbar nervige Musik. Offensichtlich war man der Ansicht, dass das Publikum nicht in der Lage ist, die Dramatik der Situation zu begreifen, weshalb diese mit aller Macht in die Köpfe und Herzen geprügelt werden soll. Dass das zu viel ist, wäre noch gewaltig untertrieben. Irgendwann ist der Nervfaktor so hoch, dass die Auflösung irgendwie auch schon egal ist. Interessante Aspekte gab es dabei schon, gerade im zwischenmenschlichen Bereich. Aber es reicht nicht aus, um Kein Lebenszeichen aus dem Mittelfeld herauszukatapultieren. Wer viel Spaß an Twists hat, kann es natürlich trotzdem versuchen, zumal die Miniserie mit fünf Folgen à 50 Minuten recht überschaubar ist. Trotzdem war hier mehr zu erhoffen gewesen, gerade auch wegen des Ensembles, welches in anderen Zusammenhängen sein Talent bewiesen hat, hier aber nicht ganz zum Zug kommt.

Credits

OT: „Disparu à jamais“
IT: „Gone for Good“
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Regie: Juan Carlos Medina
Drehbuch: Pauline Guéna, Nacim Mehtar, Marion Festraëts
Idee: David Elkaïm, Vincent Poymiro
Vorlage: Harlan Coben
Musik: Johan Söderqvist
Kamera: Michel Amathieu
Besetzung: Finnegan Oldfield, Nicolas Duvauchelle, Guillaume Gouix, Garance Marillier, Nailia Harzoune, Tómas Lemarquis

Bilder

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Wenn in „Kein Lebenszeichen“ ein Mann seine Freundin heiraten will, diese daraufhin aber spurlos verschwindet, kommen zwangsläufig Fragen auf. Und es werden noch mehr: Die Romanadaption gefällt sich daran, eine Wendung nach der anderen einzubauen. Teilweise macht das tatsächlich neugierig, teilweise ist das aber ebenso übertrieben wie die Musik, welche um jeden Preis Dramatik vermitteln will und dabei tierisch auf die Nerven geht.
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