Diablero netflix

„Diablero – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 21. Dezember 2018 (Netflix)

Auch ein Mann Gottes kann hin und wieder mal die Nähe einer Frau genießen. Zumindest Vater Ramiro Ventura (Christopher von Uckermann) konnte das und zeugte dabei auch gleich Nachwuchs. Als eben dieser von einem Dämon entführt wird, sucht er die Hilfe von Elvis Infante (Horacio García Rojas), der sich auf die Dämonenjagd spezialisiert hat. Abgerundet wird das Trio durch Nancy Gama (Giselle Kuri), die ihrerseits ein inniges Verhältnis zu Dämonen hat: Sie lässt sich regelmäßig von solchen besessen, um so deren Kräfte zu nutzen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Antworten und stellen dabei fest, dass es noch weit mehr Kinder gibt, die entführt worden sind. Aber von wem? Und wozu?

Das mexikanische Kino hat uns ja im Laufe der Zeit mit so manch einem düsteren und dabei ungewöhnlichen Stoff beschenkt. Der bekannteste Export ist natürlich Guillermo del Toro (Pans Labyrinth, Shape of Water – Das Flüstern des Meeres). Doch hinter dem preisgekrönten Regisseur tummeln sich immer wieder andere interessante Genrebeiträge, darunter die skurrile Sci-Fi-Hommage The Similars oder der alptraumhafte Urlaub in Time Share. Insofern ist die Freude immer groß, wenn wieder mal ein Werk aus dem mittelamerikanischen Land seinen Weg zu uns findet.

Teuflische Zustände in Mittelamerika
Zumindest teilweise wird Diablero, das auf einem Roman von Francisco Haghenbeck basiert, dieser Vorfreude auch gerecht. Wenn hier ein ungleiches Trio auf Dämonenjagd geht, dann geht das mit einem nicht ganz alltäglichen Szenario einher. Teuflische Gestalten scheint es in Mexiko nämlich jede Menge zu geben. So viele, dass es für sie eine eigene Kategorisierung sowie einen blühenden Schwarzmarkt gibt. Und damit natürlich auch ruchlose Gangster, die eben damit ihr Geld verdienen, was dazu führt, dass die Protagonisten sich nicht nur mit überirdischen, sondern auch sehr irdischen Monstern herumplagen müssen.

Diese Mischung aus Gangstermob und Fantasyschreckgestalten erinnert ein wenig an From Dusk till Dawn, zumal auch Diablero Wert legt auf die zwischenmenschliche Komponente. Die Chemie zwischen den dreien stimmt insgesamt, lebt auch von dem Kontrast zwischen den drei nicht unbedingt heldenhaften Helden. Und den diversen Macken, welche die drei mit sich herumtragen. Dabei greift die Serie natürlich auf diverse Klischees zurück, Einfälle wie die Fähigkeit von Nancy, Dämonenkräfte zu nutzen, entschädigen dafür jedoch.

Da wäre mehr drin gewesen
Wirklich überspringen will der Funke dennoch nicht. Die Netflix-Serie versucht wie diverse andere Kollegen die Balance aus Horror und Komödie, kombiniert das Unheimliche mit dem Lächerlichen. Das funktioniert aber weder gesondert noch in Verbindung: Die Gags sind oft zu bemüht, nicht so geistreich, wie es das Szenario vorgibt. Eine wirkliche Spannung will genauso wenig auftreten. Zwar wird immer mal wieder gekämpft, es entsteht hieraus aber nicht das Gefühl einer tatsächlichen Bedrohung. Da ist Diablero den derzeitigen Superhelden-Produktionen doch noch näher als dem Horrorgenre. Und auch die Geschichte um die entführten Kinder ist weitestgehend nur Standard.

Dennoch: Einen Blick wert ist die Serie schon, zumal sie mit acht Folgen à 40 Minuten nicht übermäßig lang ist. Potenzial hat die Welt, in der Dämonen erstaunlich frei umherlaufen ohnehin, gleiches gilt für die Figuren. Und da Diablero zum Ende hin auch andeutet, dass es mit dem Abspann vielleicht doch noch nicht getan ist, könnte das ja durchaus passieren. Sollte dieses Mal stärker an dem Drehbuch gearbeitet werden und konsequenter an einem Konzept, anstatt sich auf Einzelelemente zu veranlassen, ist zumindest das Zeug da für eine teuflisch gute Unterhaltung.

Diablero – Staffel 1
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Diablero – Staffel 1
Ein Priester, ein Dämonenjäger und eine besessene Frau machen sich gemeinsam auf die Suche nach verschwundenen Kindern, das ist doch mal eine ungewöhnliche Konstellation. Auch das Szenario von „Diablero“ über eine Welt, in der Dämonen geradezu alltäglich sind, hat Potenzial. Richtig genutzt wird das aber nicht, die mexikanische Serie wird trotz unstrittiger Vorzüge nie so spannend oder auch lustig, wie sie sein könnte.
6von 10

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