Inhalt / Kritik

Sexify Netflix

„Sexify“ // Deutschland-Start: 28. April 2021 (Netflix)

Die ehrgeizige Informatikstudentin Natalia (Aleksandra Skraba) träumt davon, mit einer von ihr entwickelten App einen renommierten Wissenschaftswettbewerb zu gewinnen. Doch daraus wird nichts. Das Thema Schlaf, so wird ihr gesagt, sei einfach nicht sexy genug. Als sie daraufhin feststellt, wie wichtig Sex für die anderen in ihrem Alter ist, kommt sie auf die Idee das auszunutzen. Warum nicht das Thema ganz wissenschaftlich aufstellen und eine App herausbringen, die einem zu einem besseren Orgasmus verhilft? Da sie von Sex jedoch nicht viel Ahnung hat, bittet Natalia ihre beste Freundin Paulina (Maria Sobocinska) und ihre Mitbewohnerin Monika (Sandra Drzymalska) um Hilfe. Und sie sind nicht die einzigen, bald machen immer mehr junge Frauen bei der Entwicklung mit – was jedoch nicht allen an der Uni gefällt …

Der eigene Körper als Hindernis

Zuletzt gab es auf Netflix diverse Serien, in denen junge Protagonisten und Protagonistinnen große Abenteuer bestreiten mussten, um sich selbst zu finden und erwachsener zu werden. Die Bande aus der Baker Street und Shadow and Bone: Legenden der Grisha verbanden dabei klassische Coming-of-Age-Elemente mit fremden Welten oder auch Magie, wenn innere Reisen mit äußeren zusammenfallen. Doch es geht auch sehr viel alltäglicher und moderner, wie die Serie Sexify demonstriert. Es braucht keine grotesken Kreaturen oder finsteren Geheimnisse, die nur von Schatten zu Schatten weitergegeben werden. Manchmal reicht schon der eigene Körper als schwer zu umfassendes und manchmal irgendwie komisches Hindernis, das überwunden werden muss.

Nun ist es sicherlich keine Seltenheit, Witze zu reißen, die sich um den menschlichen Körper oder Sex drehen. Gerade auf Netflix gibt es massig sogenannte Komödien, die schon zu grölen anfangen, wenn ein Geschlechtsteil nur erwähnt wird. Ganz so plump ist Sexify da nicht. Die polnische Produktion ist auch nicht annähernd so verklemmt wie die diversen US-Kollegen. Tatsächlich ist die Serie erstaunlich freizügig. Gerade zu Beginn sieht man unentwegt, wie irgendwer mit irgendwem Sex hat. Ob es dann nun in der Form gebraucht hätte oder nicht, darüber lässt sich streiten. Glücklicherweise verlässt sich das Regieduo Piotr Domalewski und Kalina Alabrudzinska aber nicht darauf, einfach nur möglichst attraktive junge Menschen ohne Kleidung abzulichten und damit rein voyeuristische Bedürfnisse befriedigen zu wollen.

Auch Frau darf Spaß haben!

Tatsächlich ist der größere Verdienst der Serie, dass sie sich des Thema der weiblichen Lust annimmt und es bei aller Komik ernstnimmt. Wenn beispielsweise zu Beginn Monika einer völlig verdutzten Natalia eröffnet, dass Frauen selten Orgasmen haben, diese vielmehr oft nur vortäuschen, dann ist das in dem Moment aufgrund der ungläubigen Reaktion der Programmiererin zwar witzig. Sexify spricht dabei aber eben auch an, wie weibliche Sexualität und Lustempfinden in einer patriarchischen Welt höchstens Nebenprodukte waren. Etwas, das zwar nett ist, wofür man aber nicht unbedingt etwas tun muss. Schließlich hatte der Mann seinen Spaß, da wird es der Frau auch schon irgendwie gefallen haben.

Allgemein ist Sexify, anders als viele Erotikkomödien, deutlich feministisch angelegt. Die App dient nicht nur den vielen Frauen, dass sie auch mal auf ihre Kosten kommen. Vielmehr wird die Entwicklung zum Mittel für das Trio, um sich selbst zu behaupten und sich einen Platz in dieser Welt zu erkämpfen. Das bedeutet umgekehrt aber auch, dass die App leider einen vergleichsweise geringen Anteil am Geschehen hat. Zwar ist immer wieder von ihr die Rede. Man sieht aber kaum wie tatsächlich mal an ihr gearbeitet wird oder wie das am Ende überhaupt funktionieren soll. Da hätte auf jeden Fall mehr passieren müssen, um aus der Software mehr als nur eine Behauptung zu machen.

Aus frech wird langweilig

Auch in anderer Hinsicht ist Sexify wenig ambitioniert. Der Humor zum Beispiel lässt nicht wirklich viel Variation zu. Sicher ist es nett, wenn ein Computer-Nerd auf einmal die unbekannte Welt des Sexes kennenlernt. Auf Dauer ist das aber zu wenig. Und auch bei der Entwicklung der Geschichte begnügte man sich hier nur mit dem Minimum. Tatsächliche Überraschungen sind Fehlanzeige. Sind erst einmal die drei Figuren etabliert, braucht es nicht sonderlich viel Fantasie, um sich den Rest vorstellen zu können. Der frechen Grundgeschichte zum Trotz: Mit der Zeit wird die Serie schon eher langweilig. Hinzu kommt, dass Natalia und Monika, die anfangs noch überspitzte Karikaturen sind, mit ihrer Selbstfindung zunehmend Konturen verlieren. Wenn sie dadurch glücklicher sind, ist das für sie selbst natürlich schön. Interessant ist es weniger. In der Summe ist das alles noch gut solide, der erhoffte Geheimtipp ist aber nicht daraus geworden.

Credits

OT: „Sexify“
Land: Polen
Jahr: 2021
Regie: Piotr Domalewski, Kalina Alabrudzinska
Drehbuch: Piotr Domalewski
Musik: Jimek
Besetzung: Aleksandra Skraba, Maria Sobocinska, Sandra Drzymalska, Piotr Pacek, Kamil Wodka, Jan Wieteska, Wojciech Solarz

Bilder

Trailer

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Sexify – Staffel 1
In „Sexify“ arbeiten drei Studentinnen an einer App, die zu besseren Orgasmen verhelfen soll. Die Idee an sich ist originell, die Serie setzt sich sympathisch für eine weibliche Selbstentfaltung und Selbstbestimmung ein. Auf Dauer wird es aber eher langweilig, zumal die Entwicklung der App als solcher schon sehr kurz kommt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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