Boo Bitch Netflix
© Netflix/Erik Voake

Boo, Bitch

Boo Bitch Netflix
„Boo, Bitch“ // Deutschland-Start: 8. Juli 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Seit vielen Jahren sind Erika (Lana Condor) und Gia (Zoe Colletti) beste Freundinnen, haben gemeinsam alles Mögliche durchgemacht. Bis auf eine Erfahrung: Erika ist tot, gestorben durch ein 500 Tonnen schweres Rentier, das auf die gefallen ist. Eigenartigerweise können sie dennoch alle sehen, so als wäre nie etwas geschehen. Vielleicht aus gutem Grund? Was wenn Erika noch ein wenig Zeit bekommt, bevor alles vorbei ist, um endlich ein richtiges Vermächtnis zu hinterlassen? Schließlich wurde sie bislang kaum von den anderen an der Schule wahrgenommen. Und so machen sich die beiden an die Arbeit, die verbleibende Zeit zu nutzen. Das bedeutet nicht nur, dass sich Erika Riley (Aparna Brielle) stellen muss, dem populärsten Mädchen an der Schule. Auch deren Freund Jake C. (Mason Versaw), auf den sie seit Längerem ein Auge geworfen hat, will sie endlich einmal ansprechen …

Geistreiche Komödien

So ein Geist kann schon eine furchterregende Angelegenheit sein, nicht ohne Grund gehören sie trotz eines meist fehlenden physischen Körpers zu den widerstandsfähigsten Gestalten des Horrorgenres. Das bedeutet aber nicht, dass man mit diesen Figuren nicht auch Spaß haben könnte. Das bekannteste Beispiel ist ohne Zweifel die Kultkomödie Ghostbusters – Die Geisterjäger, die selbst bald 40 Jahre später noch für Fortsetzungen gut ist. Aber auch Extra Ordinary oder Truth Seekers nähern sich auf humorvolle Weise diesem unheimlichen Thema an. Wer von all dem noch nicht genug hat, der kann einen Blick auf die neue Netflix-Serie Boo, Bitch riskieren. Ein großer Unterschied ist jedoch, dass die Hauptfigur selbst ein Geist ist, weshalb sie näher an Da scheiden sich die Geister ist als an den klassischen Geisterjäger-Geschichten.

In der Tradition vorheriger Titel steht die Serie dennoch. Daraus macht sie auch keinen Hehl, wenn immer mal wieder andere zitiert werden, darunter auch The Sixth Sense. Das muss nicht unbedingt verkehrt sein, solange auf der bewährten Basis etwas Eigenes aufgebaut wird. Bei der von Tim Schauer, Kuba Soltysiak, Erin Ehrlich und Lauren Iungerich entwickelten Serie trifft das nur zum Teil zu. Der originellste Einfall ist noch der, in Boo, Bitch diese Elemente der Fantasykomödie mit denen eines Coming-of-Age-Drama zu verbinden. Anfangs wird noch ein stärkerer Fokus auf den Mystery-Aspekt Wert gelegt, wenn die beiden Jugendlichen erst einmal herausfinden müssen, was geschehen ist und was genau sie in der Situation tun sollen. Doch das macht bald den deutlich irdischeren Fragen Platz, die wir aus diesen Jugendgeschichten kennen. Wer bin ich? Wer will ich sein? Was ist meine Rolle in dieser Welt?

Schöne Metapher, laue Witze

Dass Erika dies angesichts des Todes im Schnellverfahren beantworten soll, ist natürlich unglaublich gemein. Der Zeitdruck wird noch durch die Ungewissheit verstärkt, wie viel Zeit denn bleibt und worum es in Erikas Leben nach dem Tod gehen soll. Die verwendete Metapher des Geistes für einen Mensch, der von anderen nicht gesehen wird, ist dabei sehr schön und passend. Davon einmal abgesehen mangelt es in Boo, Bitch aber an wirklich frischen Bildern und Motiven. Eigentlich werden hier nur die üblichen Stationen abgeklappert und dabei reihenweise Klischees mitgenommen. Die Figur der populären Schulkönigin, der alle zu Füßen liegen, ist zum Beispiel nicht gerade ein Beispiel für kreatives Schreiben. Auch bei der Handlung passiert relativ wenig, das man nicht vorhersieht.

Was hingegen ganz gut funktioniert, ist das Zusammenspiel der beiden Hauptdarstellerinnen. Lana Condor (To All the Boys I’ve Loved Before) und Zoe Colletti (Ein Junge namens Weihnacht) bilden hier ein Freundinnenduo, bei denen es einfach Spaß macht, ein wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Zusammen mit den prinzipiell guten Aussagen der Serie und der kurzen Laufzeit – die acht Folgen sind jeweils nur knapp länger als 20 Minuten – reicht das, um sich einen Abend mit der Serie vertreiben zu können. Dennoch ist es schade, dass nicht mehr aus dem Material gemacht wurde. Gerade im Hinblick auf die Witze ist den diversen Autoren und Autorinnen nicht so wahnsinnig viel eingefallen, weshalb man hier zwischendurch das Gefühl hat, dass die Geschichte kaum vom Fleck kommt.

Credits

OT: „Boo, Bitch“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Lauren Iungerich, Erin Ehrlich, Kimberly McCullough, Kim Nguyen
Drehbuch: Erin Ehrlich, Lauren Iungerich, Tim Schauer, Kuba Soltysiak, Vivian Huang, Jewel Chanel, Sonia Kharkar, Stefanie Leder
Idee: Tim Schauer, Kuba Soltysiak, Erin Ehrlich, Lauren Iungerich
Musik: Kovas
Kamera: Eric Treml
Besetzung: Lana Condor, Zoe Colletti, Mason Versaw, Aparna Brielle, Tenzing Norgay Trainor

Bilder

Trailer

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Boo, Bitch
Fazit
Wenn in „Boo, Bitch“ eine Schülerin erkennen muss, dass sie schon tot ist und ihr nur wenig Zeit bleibt, ein Vermächtnis zu hinterlassen, ist das eigentlich ein vielversprechendes Szenario. Trotz eines gut zusammenspielenden Duos und einer schönen Aussage kommt die Serie aber nicht übers Mittelmaß hinaus, da sowohl bei der Geschichte wie auch den Witzen alles recht bekannt ist.
Leserwertung16 Bewertungen
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von 10