Kritik

Vampires vs the Bronx Netflix

„Vampires vs. the Bronx“ // Deutschland-Start: 2. Oktober 2020 (Netflix)

Dass sich ihre Nachbarschaft zunehmend verändert, haben Miguel (Jaden Michael), Luis (Gregory Diaz IV) und die anderen schon wahrgenommen. Es ziehen neue Leute in die Gegend, meist mit viel Geld, irgendwie ist die ganze Stimmung in der Bronx nicht mehr dieselbe. Doch bald haben die Jungs deutlich akutere Probleme, denn irgendetwas Unheimliches geht vor, immer mehr Menschen sind plötzlich verschwunden. Auf der Suche nach Antworten stellen sie fest, dass eine Gruppe von Vampiren sich in der Gegend breit macht und Jagd auf die Einwohner macht. Aber wer sollte einem Haufen Kinder schon Glauben schenken? Also beschließen sie, selbst den Kampf aufzunehmen und die Bronx vor den Vampiren zu schützen …

Das Thema der Gentrifizierung hat in den letzten Jahren deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Kein Wunder, handelt es sich doch um ein Phänomen, das auf der ganzen Welt beobachtet werden kann: Reiche Leute kaufen die Innenstädte auf, machen das Leben dort unbezahlbar und zwingen die weniger vermögende Bevölkerung in die Außenbezirke zu ziehen. Das bedeutet nicht nur großen gesellschaftlichen Sprengstoff, sondern auch der Verlust von Identität, wenn in Jahrzehnten gewachsene Viertel zunehmend austauschbar werden und der Charakter, der sie ausmacht, verschwindet. Aufgegriffen wurde dieses Thema zuletzt sehr oft in Filmen und Serien: Während etwa Gentefied und Die Känguru-Chroniken das Ganze sehr humorvoll angingen, kombinierte Blindspotting diese Veränderungen mit anderen gesellschaftlichen Problemen. Der letzte Mieter machte daraus sogar einen Thriller.

Blutsauger im doppelten Sinn
Der Netflix-Film Vampires vs. the Bronx versucht nun einen komplett anderen Weg. Und eines muss man Regisseur Osmany Rodriguez, der zusammen mit Blaise Hemingway das Drehbuch geschrieben hat, auch lassen: Die Idee ist so ungewöhnlich, dass man ihnen allein dafür schon Respekt zollen muss. Dass die Invasoren, die im Rahmen der Gentrifizierung die Viertel in Besitz nehmen, Blutsauger sind, das ist zwar kein Geheimnis. Der Film nimmt das aber wörtlich und macht aus den Monstern tatsächliche Vampire, welche Häuser aufkaufen, um ungestört ihren finsteren Machenschaften nachgehen zu können. Das ist dann als gesellschaftliche Aussage nicht wirklich subtil, aber doch ein guter Einfall.

Allerdings ist das mehr oder weniger auch der einzige nennenswerte Einfall, den das Duo hatte. Das satirische Potenzial, welches eine solche Verunglimpfung mit sich bringt, wird nicht einmal ansatzweise genutzt. So tritt Sarah Gadon als Vampir-Anführerin zwar schon mit einer Lust am Bösen auf, wird aber nie so diabolisch, wie man sich das wünschen würde. Der Rest der Blutsauger bleibt ohnehin ohne Biss und Ausdruckskraft. Das mag sicher auch an der anvisierten Zielgruppe liegen, die hier ein bisschen jünger ausfällt. Vampires vs. the Bronx steht dann doch eher in der Tradition von Teenie-Komödien als der des Horrors. Es soll mal wieder darum gehen, wie Kinder die ganze Welt retten – oder wenigstens ihre Nachbarschaft.

Nicht viel mehr als Klischees
Das ist natürlich legitim, in diesem Fall aber eine Verschwendung. Hinzu kommt: Vampires vs. the Bronx ist nicht einmal eine besonders gute Teeniekomödie. Im Idealfall lernen die Protagonisten auf diese Weise mehr über sich und die Welt, wachsen mit ihren Erfahrungen. Hier lernen sie nur, dass es Vampire gibt und sie tatsächlich sehr empfindlich darauf reagieren, wenn Pflöcke durch ihr Herz gerammt wird. Ohnehin nutzt der Film so ziemlich jedes Klischee, welches es um die Blutsauger gibt. Solche kann man ironisch brechen oder eine liebevolle Hommage draus machen. Beim Netflix-Film hat es aber nur zu Zitaten gereicht, die etwas lieblos aneinandergereiht werden.

Schlecht ist Vampires vs. the Bronx damit nicht. Der Film wird nur den diversen Ansprüchen, die man an ihn haben darf, nicht gerecht: Er ist weder besonders witzig, spannend schon gar nicht, letztendlich auch irgendwie nichtssagend. Die Jungs selbst sind zwar schon sympathisch, weshalb man sich ihren Kampf um das Viertel anschauen kann. Außerdem hat es natürlich David-gegen-Goliath-Qualität, wenn einfache Kinder, zudem mit dunkler Hautfarbe, gegen erwachsene, mächtige Weiße antreten und gegen sie triumphieren. Das reicht nur nicht wirklich aus, am Ende bleibt von den nicht mal anderthalb Stunden kaum etwas zurück, an das es sich zu erinnern lohnte.

Credits

OT: „Vampires vs. the Bronx“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Osmany Rodriguez
Drehbuch: Osmany Rodriguez, Blaise Hemingway
Musik: Brooke Blair, Will Blair
Kamera: Blake McClure
Besetzung: Jaden Michael, Gerald W. Jones III, Gregory Diaz IV, Sarah Gadon, Method Man, Shea Whigham, Coco Jones, The Kid Mero, Chris Redd, Vladimir Caamaño, Jeremie Harris

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Vampires vs. the Bronx
Gentrifizierung mal anders: In „Vampires vs. the Bronx“ sind die Blutsauger, welche ein Viertel an sich reißen, ausnahmsweise mal welche im wortwörtlichen Sinn. Das ist als Idee witzig, der Film macht aber wenig draus. Das satirische Potenzial wird nicht genutzt, die Teeniekomödie ist weder besonders witzig noch spannend, beschränkt sich auf einfache Zitate. Das kann man sich anschauen, hätte aber deutlich mehr sein können.
5von 10

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