Inhalt / Kritik

Outlaws Netflix 2021

„Outlaws“ // Deutschland-Start: 22. November 2021 (Netflix)

Der 17-jährige Ignacio Canas (Marcos Ruiz) ist nicht unbedingt das, was man einen Gewinnertypen nennt. Von seinen Altersgenossen wird er erbarmungslos gemobbt, ohne dass er sich dagegen zu wehren weiß. Und selbst innerhalb seiner Familie wird Nacho, wie er von allen genannt wird, oft verspottet. Das ändert sich erst, als der Jugendliche im Sommer 1978 die Bekanntschaft von Tere (Begoña Vargas) und Zarco (Chechu Salgado) macht. Die beiden nehmen den Außenseiter unter ihre Fittiche und spannen ihn auch in ihre kriminellen Pläne ein. Zuerst unschlüssig, wie er mit der Situation umgehen soll, findet er sowohl an dem freien Leben wie auch an den zweien Gefallen – vor allem an Tere, für die er schnell Gefühle entwickelt, selbst wenn sie sich nicht so wirklich auf ihn einlassen will …

Zurück in die Vergangenheit

In den letzten Jahren hat sich Nostalgie als beliebtes und lukratives Stilmittel in Filmen etabliert. Große Franchises verweisen ständig auf die eigene Historie, damit ein älteres Fanpublikum mit Tränen in den Augen davor sitzt. Und selbst bei neuen Geschichten wird gerne mal an vergangene Zeiten angeknüpft und so getan, als wären die letzten paar Jahrzehnte nicht geschehen. Auch der Netflix-Film Outlaws versucht, mit viel Stimmung für eine lang zurückliegende Ära das Publikum zu fesseln. Hier ist es ein Sommer Ende der 1970er, der im Leben eines Heranwachsenden zu einem Wendepunkt wird. Am Anfang ist er noch der von allen herumgeschubste Junge. Im Laufe der mehr als zwei Stunden Laufzeit wird er sich nach und nach zum Mann entwickeln.

Grundsätzlich ist das eine zeitlose Geschichte, die man ohne große Änderungen auch in der Gegenwart hätte erzählen können. Diese im Spanien der späten 1970er anzusiedeln, gibt Outlaws jedoch einen besonderen Reiz. Schließlich befand sich das südeuropäische Land damals selbst im Wandel. Diktator Francisco Franco war seinerzeit seit einigen Jahren tot, die Gesellschaft bewegte sich langsam in Richtung Demokratie. Die Adaption eines Romans von Javier Cercas (El Autor) nutzt den zeitlichen Rahmen einer kollektiven Selbstfindung, um von einer individuellen Selbstfindung zu erzählen. Zumindest phasenweise ist der Film daher ein Coming-of-Age-Drama, welches sich mit den üblichen Themen wie Selbstbehauptung und einer ersten Liebe befasst.

Die kriminelle Selbstfindung

Gleichzeitig verbindet Regisseur und Co-Autor Daniel Monzón (Yucatán, El Niño – Jagd vor Gibraltar) diese Themen mit Genreanleihen. Was anfangs noch ein reines Drama und Gesellschaftsporträt ist, wandelt sich zunehmend in einen Thriller. Die kleinen Gaunereien nehmen zu, werden intensiver, die kriminelle Energie wächst im Einklang mit dem Selbstvertrauen von Nacho. Die Einteilung ins Actiongenre, wie man sie zuweilen im Internet findet, ist dabei aber schon gewagt. Zwar kommt es schon zu brisanten Szenen, gerade im späteren Verlauf. Doch die stehen in Outlaws nicht im Mittelpunkt, sondern sind vielmehr die Folge der vorangegangenen Ereignisse. Die Eskalation von dem, was in der Geschichte von Anfang an angelegt war.

Ein Teil der Spannung besteht dann auch in der Frage, wie weit das alles noch eskalieren wird. Aber auch die Hauptfigur selbst trägt dazu bei, dass man hier bis zum Ende dranbleibt. An und für sich ist Nacho die Art von Figur, der man die Daumen drückt und für die man mitfiebert. Wer freut sich nicht, wenn der bislang von allen gemobbte Junge zu jemandem wird? Gleichzeitig ist es natürlich tragisch, dass er seinen einzigen Ausweg darin sieht, sich über Gesetze hinwegzusetzen und andere Leute auszurauben. Outlaws erzählt also, wie einer vom einen Extrem ins andere wechselt, was auch für die Zuschauer und Zuschauerinnen zu einem Konflikt führt. Man weiß hier irgendwann nicht mehr, wie man sich ihm gegenüber positionieren soll.

Sehenswert und gut gespielt

Das ist gut gespielt von Newcomer Marcos Ruiz. Auch das restliche Ensemble überzeugt: Gerade innerhalb des Trios gibt es dabei eine Reihe von sehenswerten Szenen, wenn die Beziehungen untereinander intensiver werden. Zusammen mit der schönen Aufmachung, welche das Publikum auf eine kleine Zeitreise mitnimmt, wird daraus ein Film, bei dem es sich schon lohnt einzuschalten. Allerdings hat Outlaws schon auch einen Hang zur Beschönigung und nostalgischen Schwärmerei, was in Verbindung mit den Verbrechen etwas verharmlosend wirkt. Das spanische Thrillerdrama will seinen Protagonisten eben nicht aufgeben, egal was passiert. Da drückt man dann doch schon mal ein Auge zu. Damit muss man klarkommen, ebenso mit dem eher gemächlichen Tempo: Monzón lässt sich schon recht viel Zeit. Im Gegensatz zu so manchem Zeitfresser, den es bei Netflix gibt, ist diese aber immerhin gut investiert.

Credits

OT: „Las Leyes de la frontera“
IT: „The Laws of the Border“
Land: Spanien
Jahr: 2021
Regie: Daniel Monzón
Drehbuch: Daniel Monzón, Jorge Guerricaechevarría
Vorlage: Javier Cercas
Musik: Derby Motoreta’s Burrito Kachimba
Kamera: Carles Gusi
Besetzung: Marcos Ruiz, Begoña Vargas, Chechu Salgado, Santiago Molero, Carlos Serrano, Jorge Aparicio

Trailer

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Outlaws (2021)
„Outlaws“ folgt einem Jugendlichen, der von allen herumgeschubst wird, bis er zwei Leute findet, die ihn unter seine Fittiche nehmen und damit auf die schiefe Bahn locken. Der Film kombiniert dabei Coming-of-Age-Drama mit zunehmend intensivem Thriller und erzählt vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Spaniens in den späten 1970ern von einer persönlichen Selbstsuche.
7von 10
Leserwertung: (15 Votes)
6.7

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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