Kritik

Verrückter Planet Absurd Netflix

„Absurd Planet“ // Deutschland-Start: 22. April 2020 (Netflix)

In den zahlreichen Dokumentationen, die Netflix veröffentlicht, bietet der Streamingdienst eine beachtliche Vielzahl an Themen, aus allen Bereichen des Lebens. Während True Crime Dokus oft die Schlagzeilen beherrschen, gibt es gleichermaßen Beiträge zu gesellschaftlich relevanten Aspekten, zu Geschichte, Kultur oder Natur. Mit Verrückter Planet ist nun eine weitere Serie angetreten, den Menschen daheim die große weite Welt näherzubringen. Genauer stürzt man sich hier auf Tiere, die komisch aussehen oder sich komisch verhalten, manchmal auch einfach nur nicht unseren Erwartungen entsprechen.

Große und kleine Verrücktheiten
Dass es bei Pinguinen, eine der Vorzeigeschöpfungen in Hinblick auf Monogamie, Prostitution gibt, dürfte nicht so vielen bekannt sein. Auch nicht, dass Grönlandhaie über 400 Jahre alt werden können, was im Reich der Wirbeltiere die Krone bedeutet. Hinzu gesellen sich Klassiker wie das Seepferdchen, bei denen ausnahmsweise das Männchen die Babys austrägt, oder die Jesus-Echse, die tatsächlich einige Meter übers Wasser laufen kann, was ihr dann auch den Namen eingebracht hat. Und das sind nur vier von Dutzenden, wenn nicht gar Hunderten Beispielen, die in Verrückter Planet auftauchen.

Das ist eine Menge, zumal die Serie nicht wirklich umfangreich ist. Zwölf Folgen umfasst die erste Staffel, jede davon nicht einmal zwanzig Minuten lang. Da bleibt pro Tier kaum Zeit. Die meisten werden nur wenige Sekunden gezeigt, bevor es weiter zur nächsten Art geht. Für Tiefgang bleibt in diesem Dauerfeuer natürlich keine Zeit. Wer sich von Verrückter Planet eine tatsächliche Dokumentation erhofft, mit weitergehenden Informationen, für den ist das eine äußerst unbefriedigende Angelegenheit. Anstatt das Publikum wirklich mitzunehmen auf eine Reise, gibt es hier nur die Zusammenfassung. Momentaufnahmen, die oft wahllos zusammengeschnitten wurden. Man gab zwar brav jeder Folge einen Titel, verzichtet oft aber darauf, ihnen ein durchgehendes Thema zu geben.

Dauergeplapper und plumper Humor
Die Willkürlichkeit ist aber nicht der einzige Grund, weshalb Verrückter Planet recht anstrengend ist. Um den Unterhaltungsfaktor noch etwas hochzuschrauben, werden humorvoll gemeinte Voice-overs eingebaut. Und auch da kannte man keine Zurückhaltung. Die Serie beginnt damit, dass die selbsternannte Mutter Natur sich zu Wort meldet und ankündigt, dass wir viele kuriose Kreationen zu Gesicht bekommen werden. Und sie ist nicht die einzige, die was zu sagen hat: Viele der gezeigten Geschöpfe plappern munter drauf los, dem Publikum wird praktisch nie ein Moment der Ruhe gegönnt, um auch mal etwas verarbeiten oder wenigstens den Anblick der außergewöhnlichen Tiere genießen zu können.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Humor meist ausgesprochen plump ist. Würde sich die Serie explizit an Kinder richten, wäre das mit den einfacheren Witzen noch eher vertretbar. Es finden sich aber auch zahlreiche Gags drin, die ein junges Publikum nicht verstehen wird – wer von denen kennt Adrien Brody? –, oder auch unangemessen sind, wenn mal wieder irgendwelche Sex-Zoten aus der Mottenkiste gekramt werden. Dann und wann wird Verrückter Planet zwar so absurd, dass es tatsächlich lustig wird. Insgesamt ist das hier aber nicht mehr als ein billiger Zusammenschnitt von YouTube-Videos, der weder richtig unterhaltsam noch lehrreich ist, und ein prinzipiell faszinierendes Thema verschenkt.

Credits

OT: „Absurd Planet“
Land: USA
Jahr: 2020

Trailer

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Verrückter Planet – Staffel 1
3.37 (67.41%) 27 Artikel bewerten

Verrückter Planet – Staffel 1
Die Welt ist voller ungewöhnlicher Tiere, und „Verrückter Planet“ will sie alle zeigen. Das Problem der Doku-Serie ist dabei einerseits der schnelle und willkürliche Zusammenschnitt der unterschiedlichsten Arten, welcher keinerlei Tiefgang ermöglicht, andererseits der plumpe Voice-over-Humor, der ebenso wenig ein klares Konzept verfolgt.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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