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Glória – Staffel 1

Inhalt / Kritik

Gloria Netflix
„Glória – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 5. November 2021 (Netflix)

Als João Vidal (Miguel Nunes) 1968 seine neue Stelle bei RARET antritt, ist der Kalte Krieg auf seinem Höhepunkt. Selbst in Glória do Ribatejo, einem kleinen portugiesischen Dorf, sind dessen Auswirkungen zu spüren. So soll der Sender dabei helfen, die Kommunikation zwischen den USA und den eigenen Verbündeten aufrechtzuerhalten und dabei gleich noch ein bisschen Propaganda betreiben. Doch das ist leichter gesagt denn getan, nicht zuletzt wegen Vidal selbst. Während sein eigener Vater für die autoritäre Regierung tätig ist und den Kommunisten den Kampf angesagt hat, verfolgt sein Sohn ganz eigene Ziele. Denn ohne dass es die anderen ahnen, ist er in Wahrheit Spion beim KGB und hat den Auftrag, die Arbeit im Sender zu sabotieren …

Spionage ist auch nicht mehr, was es mal war

Spione hatten zuletzt wieder Hochkonjunktur, nicht zuletzt dank James Bond 007: Keine Zeit zu sterben, welches den seit Jahrzehnten im Geheimdienst ihrer Majestät tätigen Agenten von einer ungewohnten Seite zeigt. So ungewohnt, dass nicht wenige sich nach den Spionagegeschichten von einst zurücksehnten, als die Welt noch eindeutiger war. Gerade der Kalte Krieg war immer ein dankbarer Kontext für solche Filme und Serien. Nicht nur, dass man seinerzeit – aus westlicher Sicht zumindest – ein klares Feindbild hatte. Aufgrund der damals noch vergleichsweise einfachen Technik war da noch sehr viel mehr Feldarbeit erforderlich, in gefährlichen Situationen herumschleichen und Verkleidungen inklusive.

Zumindest teilweise befriedigt die Netflix-Serie Glória dieses Bedürfnis nach den Spionagethrillern von anno dazumal. Erneut ist es der Kalte Krieg, der zum Anlass für zahlreiche geheime Missionen und Doppel- bis Dreifachspiele herhalten muss. Erneut geht es überwiegend darum, wie die USA, mit ein paar Verbündeten im Schlepptau, die Sowjetunion aufzuhalten versuchen. Ungewohnt ist dabei jedoch, dass die Hauptfigur hier mal nicht der strahlende amerikanische, notfalls britische Held ist, der quasi im Alleingang die Welt rettet. Stattdessen folgen wir einem Portugiesen, der zum KGB gewechselt ist. Das macht die Einteilung in Freunde und Feinde deutlich kniffliger, zumal auch sonst sehr viel mit Ambivalenzen und Grautönen gearbeitet wird.

Komplex bis überladen

Spannend ist aber auch Portugal als Setting, welches in dem Zusammenhang nur sehr selten zum Einsatz kommt. Zwar steht im Mittelpunkt von Glória der Kampf zweier Ideologien, wenn die Großmächte hier um Einfluss rangeln. Aber auch das südwesteuropäische Land hat eine eigene Geschichte, die zur Sprache kommt. So spricht die Serie beispielsweise das autoritäre Regime an, welches sich zwar an dem offiziellen Kampf für die Freiheit beteiligt, es selbst aber nicht so wahnsinnig mit freiheitlichen Prinzipien hat. Und dann wäre da noch das koloniale Erbe Portugals, welches in den 1960ern noch sehr präsent war, damals aber bereits stark in der Kritik stand. Die Serie spinnt hier ein durchaus interessantes Netz, welches die unterschiedlichsten Themen umfasst und deutlich mehr zu bieten hat, als man es in diesem Umfeld gewohnt ist.

Gleichzeitig ist das aber auch irgendwo die Schwäche der Serie: Sie ist schon recht überladen, da würde man sich an manchen Stellen schon einen stärkeren Fokus wünschen. Hinzu kommt, dass die Geschichte mit viel persönlichem Drama aufgebauscht wird, wenn es etwa um die Hintergründe geht oder die Gefühlswelt. Glória richtet sich daher nur zum Teil an die reguläre Zielgruppe eines solchen Spionagethrillers, zumal Actionszenen hier kein Thema sind. Wer solche sehen will, der schaltet besser woanders rein. Insgesamt ist die portugiesische Produktion aber durchaus einen Blick wert, sowohl für die inhaltliche Ausrichtung wie auch die Ausstattung. An manchen Stellen darf man gar ein bisschen nostalgisch werden, wenn uns die Serie auf eine Zeitreise mitnimmt, selbst wenn die dabei gezeigte Welt ein raues Pflaster ist.

Credits

OT: „Glória“
Land: Portugal
Jahr: 2021
Regie: Tiago Guedes
Drehbuch: Inês Gomes, Pedro Lopes, Filipa Poppe, Miguel Simal, André Tenente, Manuel Mora Marques, Mafalda Cordeiro, Mário Cunha, Marina Ribeiro
Musik: Bruno Pernadas
Kamera: André Szankowski
Besetzung: Miguel Nunes, Matt Rippy, Stephanie Vogt, Carolina Amaral, Afonso Pimentel, Victoria Guerra, Adriano Luz, Augusto Madeira

Bilder

Trailer

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„Glória“ variiert auf interessante Weise herkömmliche Spionagethriller, wenn der Kalte Krieg in einem portugiesischen Dorf der 1960er ausgetragen wird. Die moralische Ambivalenz und der Verweis auf die Geschichte des Landes tragen dazu bei, dass das hier sehenswert ist, auch wenn die Serie schon irgendwie überladen und zum Teil unnötig dramatisch wird.
Leserwertung21 Bewertungen
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von 10