When Angels Sleep Netflix

„When Angels Sleep“ // Deutschland-Start: 28. Dezember 2018 (Netflix)

Es ist ein Tag im Leben, wie er schlimmer für Germán (Julián Villagrán) nicht hätte sein können. Dass er bei der Arbeit aufgehalten wird und viel zu spät daheim ankommt, das ist er ja noch gewohnt. Dabei aber den Geburtstag seiner kleinen Tochter zu verpassen, das schmerzt schon mehr. Und es geht noch schlimmer weiter: Erst fährt ihm ein Idiot auf dem Parkplatz ins Auto und haut danach ab, auf dem nächtlichen Nachhauseweg wird er auch noch von der Polizei aufgegriffen. Doch das wirkliche Unglück kommt erst noch. Als sich der völlig übermüdete Geschäftsmann trotz klarer Anweisungen der Polizisten hinters Steuer setzt, fährt er eine junge Frau an und bekommt es im Anschluss mit deren Freundin Silvia (Ester Expósito) zu tun.

Wir kennen alle diese Tage, an denen nichts klappen will, schief geht, was auch nur schief gehen kann. Mitanzusehen, wie anderen das passiert, tut deshalb der eigenen Seele meist recht gut, findet darin Trost, Bestätigung, manchmal auch ein klein wenig Schadenfreude. Ein Glück, dass mir das nicht passiert ist! Bei Germán ist es nicht ganz einfach, diese Gefühle zu kategorisieren. Anfänglich spielt da mit Sicherheit Mitleid mit rein, wenn von allen Seiten auf ihn eingeprügelt wird. Doch je länger When Angels Sleep dauert, umso konfuser wird die Sache. Und das in mehr als einer Hinsicht.

Wo liegt die Grenze?
Zeitweise erinnert der spanische Film an Calibre – Weidmannsunheil, der ebenfalls dem ständig wachsenden Portfolio von Netflix angehört und vor einigen Monaten bereits online ging. Beide Werke erzählen von ganz normalen Menschen, die teils durch Pech, teils durch Eigenverschulden in eine furchtbare Lage geraten, und nun irgendwie da wieder raus müssen. Beide stellen dabei auch eine ganz ähnliche Frage: Wie weit sind wir bereit zu gehen, um unseren eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen?

Wo der englische Kollege aus der Frage jedoch sehr viel Spannung herausholte – nicht zuletzt aufgrund der bedrohlichen Umgebung –, da fährt in When Angels Sleep hauptsächlich die Langeweile mit. Denn egal, was Germán da tut, wie viele Fehler er auch begeht, nichts davon scheint wirklich von Konsequenz zu sein. Eine wirkliche Entwicklung gibt es ohnehin nicht, kein Gefühl, dass sich da mal etwas zuspitzen könnte. Stattdessen besteht ein Großteil des Films darin, dass der Unglücksfahrer der ebenso unglücklichen Silvia hinterherläuft, manchmal auch fährt.

Der Ärger der Langeweile
Das ist in den besseren Momenten noch nervig, denn die dauerhysterische Jugendliche hat es sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht, mit ihrem Gekreische auch den ruhigsten Zuschauer aus der Fassung zu bringen. Die meiste Zeit über würde man sich jedoch wünschen, selbst gerade irgendwo zu schlafen, um so zumindest etwas Produktives zu tun. Die anderthalb Stunden für irgendetwas zu nutzen. Offensichtlich war auch Regisseur und Drehbuchautor Gonzalo Bendala bewusst, dass sein Film ein klein wenig dünn ist, weshalb er regelmäßig Menschen an anderen Schauplätzen zeigt. Gebracht hat es nichts, auf die Geschichte haben diese kleinen Ausflüge keine Auswirkung.

Dabei macht Hauptdarsteller Julián Villagrán seine Sache noch recht ordentlich. Und wenn gegen Ende die Verfolgungsjagd aus dem Ruder gerät, dann zeigt When Angels Sleep, dass da doch irgendwo Potenzial in dem Geschehen schlummerte. Es war nur nicht genug, um damit einen ganzen Film zu füllen. Der Thriller verfehlt sein Ziel, das Publikum auf die Folter zu spannen. Wobei die andauernde Ereignislosigkeit und Eintönigkeit durchaus eine Art Folter darstellt. Nur eben keine, die man anderen ans Herz legen müsste.

When Angels Sleep
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When Angels Sleep
Der Tag fängt doof an und wird im Anschluss immer schlimmer: Wenn „When Angels Sleep“ mit einem verpassten Geburtstag beginnt und in einem fatalen Autounfall mündet, dann ist dem Protagonisten trotz seiner Doofheit ein bisschen Mitleid sicher. Später wechseln sich aber in erster Linie Ärger und Langeweile ab, wenn der Thriller sich komplett im Nichts verfährt und alle auf das erlösende Ende warten.
4von 10

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