Equinox Staffel 1 Serie Netflix
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Equinox – Staffel 1

Kritik

Equinox Staffel 1 Serie Netflix
„Equinox – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 30. Dezember 2020 (Netflix)

Astrid (Viola Martinsen) ist gerade einmal neun Jahre alt, als sämtliche Schüler und Schülerinnen einer Abschlussklasse auf mysteriöse Weise spurlos verschwinden – darunter auch ihre ältere Schwester Ida (Karoline Hamm). 21 Jahre sind seither vergangen, doch die Erinnerungen und die Fragen sind geblieben. Hinzu kommen alptraumhafte Visionen, unter denen die inzwischen erwachsene Astrid (Danica Curcic) seit dem Vorfall leidet. Als sie eines Tages während ihrer Radiosendung einen eigenartigen Anruf erhält, demzufolge damals etwas ganz anderes vorgefallen sein soll, beschließt sie, noch einmal in ihre alte Heimat zurückzukehren und endlich die Wahrheit ehrauszufinden. Einfach ist das jedoch nicht, schließlich wollen die Leute die Vergangenheit endlich hinter sich lassen …

Geheimnisse ohne Ende

Zum Ende des Jahres hat Netflix vor allem ein Publikum beschenkt, das sich an Rätseln erfreut. In der japanischen Serie Alice in Borderland verschlägt es ein paar Jungs auf unerklärliche Weise in eine menschenleere Parallelwelt, wo sie tödliche Spiele überstehen müssen. Beim spanischen Kollegen Deine letzte Stunde wiederum versucht eine neue Lehrerin den Tod ihrer Vorgängerin aufzuklären. Den insgesamt gelungensten Mystery-Thriller hob sich der Streamingdienst aber für den Schluss auf, wenn kurz vor Jahreswechsel noch die dänische Produktion Equinox an den Start geht.

Dabei ist die Anfangssituation die am wenigsten interessanteste der drei. Wie so oft geht es hier um junge Menschen, die auf mysteriöse Weise verschwunden sind, und um die Versuche, doch noch hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen. Dieses Mal steht jedoch kein Detektiv, Polizist oder sonst jemand im Mittelpunkt, der aus beruflichen Gründen wissen will, was vorgefallen ist. Stattdessen dreht sich alles um Astrid, die Schwester eines der Opfer, die auch zwei Jahrzehnte später schwer davon gezeichnet ist. Tatsächlich ist sie auch ein gutes Argument dafür, weshalb man sich Equinox anschauen kann. Hauptdarstellerin Danica Curcic (Pferde stehlen) gibt den Ermittlungen ein emotionales Fundament als seelisch angeknackste Angehörige, die für ihren eigenen Frieden diesen Abschluss braucht.

Zwischen Drama, Mystery und Fantasy

Das hätte auch als reines Drama funktioniert, umso mehr, da die Beziehungen innerhalb der Familie nicht ganz einfach sind. An vielen Stellen geht es eben nicht um die Verschwundenen, sondern deren Geschwister und Eltern, die mit einem Verlust leben müssen, der nie ganz greifbar ist. Eine der bewegendsten Szenen zeigt, wie ein Kinderzimmer nicht verändert werden darf, damit die Verschwundene sich später dort noch wie zu Hause fühlt, selbst 20 Jahre später haben manche ihre Hoffnungen nicht aufgegeben. Die Tragik des Ereignisses liegt darin, dass es nie einen eindeutigen Tod zu beweinen gab, dass jeder Hinweis fehlte, selbst die drei Jugendlichen, die aus unerfindlichen Gründen zurück kamen, konnten nicht weiterhelfen.

Dabei macht Equinox früh klar, dass hier kein regulärer Mord vorlag, wie man vielleicht vermuten könnte. Schon die wiederkehrenden Visionen von Astrid verweisen eindeutig in eine stärker fantastische Richtung. Später kommen noch mythologisch-heidnische Elemente des Nordens hinzu, weshalb die Vergleiche zu Midsommar auf der Hand liegen. Im Gegensatz zum Horrorhighlight ist die dänische Serie jedoch um einiges konventioneller, gerade bei der Bildsprache. Die meiste Zeit über tappen wir hier durchs Dunkle, belegt mit einem leichten Grauschleier. Nur hin und wieder wird dieser von einem kräftigen Rot verdrängt, wenn es besonders surreal werden soll – reizvoll ist die Optik in beiden Varianten.

Was Serie und Film jedoch gemeinsam haben, ist das geringe Tempo. Obwohl die erste Staffel von Equinox recht kurz ist, aus gerade mal sechs Folgen à rund 45 Minuten besteht, ist die Laufzeit im Hinblick auf die Handlung recht üppig bemessen. Das dänische Team lässt sich bei allem viel Zeit, es dauert immer recht lange, bis Astrid mal tatsächlich einen entscheidenden Schritt macht, viel passieren tut da nicht. Das wird manchen vielleicht zu wenig sein. Andere hingegen können beruhigt sein: Anders als beim oft zum Vergleich herangezogenen Dark muss man hier nicht alle paar Minuten eine Pause einlegen, um die vielen Wendungen und Wirrungen zu verarbeiten. Hier kann man es sich vielmehr gemütlich machen. Wer mal wieder Lust auf einen sehr ruhigen Genrevertreter hat und sich nicht an dem etwas abrupten Ende stört, der kann sich hier einer atmosphärischen Spurensuche hingeben, die zwar nicht schrecklich neue Erfahrungen mitbringt, dafür aber in sich stimmig ist.

Credits

OT: „Equinox“
Land: Dänemark
Jahr: 2020
Regie: Søren Balle, Mads Matthiesen
Drehbuch: Tea Lindeburg, Bo Mikkelsen, Mie Skjoldemose, Andreas Garfield, Jacob Katz Hansen
Musik: Kristian Leth, Fridolin Nordsø
Kamera: Laust Trier-Mørk, Mattias Troelstrup
Besetzung: Danica Curcic, Karoline Hamm, Viola Martinsen, Lars Brygmann, Hanne Hedelund, August Carter, Fanny Bornedal, Ask Truelsen

Bilder

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21 Jahre nach dem Verschwinden einer ganzen Klasse macht sich in „Equinox“ eine noch immer traumatisierte Frau auf die Suche nach der Wahrheit, um so auch mit ihrer Schwester abschließen zu können. Auch beim Zuschauen braucht es etwas Geduld, da es die dänische Mystery-Serie nicht eilig hat. Die schönen Bilder und die dramatischen Elemente halten einen aber auch dann bei Laune.
7
von 10