Kritik

Lupin Netflix Omar Sy

„Lupin – Teil 1“ // Deutschland-Start: 8. Januar 2021 (Netflix)

Als Teenager brach für Assane Diop (Omar Sy) eine Welt zusammen, als sein Vater eines Verbrechens beschuldigt wurde, das er nicht begangen hat, und später Selbstmord beging. 25 Jahre sind seither vergangen, aus dem Jugendlichen ist ein erwachsener Mann geworden. Doch hat er diese Ungerechtigkeit von damals weder vergessen, noch vergeben. Als das Collier wieder auftaucht und versteigert wird, welches sein Vater seinerzeit gestohlen haben soll, steht für ihn fest, dass seine Stunde gekommen ist. Inspiriert von den Geschichten des Meisterdiebes Arsène Lupin will er nicht nur in den Besitz des Schmuckstücks kommen, sondern darüber hinaus auch die Wahrheit darüber aufdecken, was damals wirklich vorgefallen ist …

Verbrechen aus Tradition

Mit seinem eleganten Meisterdieb Arsène Lupin hat Maurice Leblanc sicher eine der ikonischsten literarischen Figuren des 20. Jahrhunderts geschaffen. Der Zylinder, das Monokel und sein eleganter Spazierstock machen ihn zu einer Erscheinung, die bis heute einiges her macht. Direkte Adaptionen sind inzwischen jedoch etwas rar geworden. Sieht man einmal vom Anime-Urgestein Lupin III ab, der von den Romanen des Franzosen beeinflusst und bis heute umtriebig ist, ist die Ausbeute der letzten Jahre dünn. Man muss schon bis ins Jahr 2004 zurückgehen, als Romain Duris in einer Filmadaption in die Rolle des berühmten Verbrechers schlüpfte, um eine einigermaßen zeitgemäße Version zu finden.

Die Neugierde war deshalb groß, was wohl die Netflix-Serie Lupin aus dem Stoff machen würde. Umso mehr, da man für die Rolle einen Schauspieler aussuchte, den man im Vorfeld nicht unbedingt dafür auf dem Plan gehabt hätte: Omar Sy, bekannt durch Ziemlich beste Freunde und den einen oder anderen internationalen Film. Dass die ursprünglich weiße Figur durch einen Schwarzen verkörpert wird, ist hier aber nicht allein dem Zeitgeist geschuldet. Vielmehr machte man sich das für einen fiesen kleinen Seitenhieb zunutze: Da Diop als Schwarzer kaum wahrgenommen wird, kann er sehr viel leichter seiner Mission als Dieb nachgehen. Und auch an anderen Stellen gibt es ein paar Anmerkungen zu gesellschaftlichen Fehlstellungen.

Der Ernst der Lage

Daraus hätte man natürlich auch eine Satire machen können. Tatsächlich ist der komödiantische Anteil aber für eine Produktion mit Sy erstaunlich gering. Wer sich von Lupin vielleicht ein Serienpendant zu Ocean’s Eleven erhofft hat, der wird eher enttäuscht. Allenfalls die seltsame Obsession einiger Figuren mit den Romanen von Leblanc sorgt für Erheiterung. Stattdessen gibt man sich hier ausgesprochen ernst. Da ist nicht nur das erlittene Trauma rund um den frühen Verlust des Vaters. Diop hat zudem noch andere familiäre Probleme. Und dann wäre da natürlich noch das durchgehende Thema, dass die Reichen in einer anderen Welt leben, sich ihre Rechte einfach kaufen können, während die Menschen unten von ihnen niedergetrampelt werden.

Das ist einerseits eine schlüssige Fortsetzungen der Themen aus den Originalgeschichten rund um Lupin. Schließlich rückte der Meisterdieb auch damals schon den Reichen und Mächtigen zu Leibe, ein Gentleman bestiehlt schließlich nur Leute, die das tatsächlich verdienen. Gleichzeitig ist es aber auch ziemlich langweilig, weil Lupin irgendwie doch nur lauter Klischees abarbeitet. Allgemein fehlt der Netflix-Serie ein eigenständiges Flair. Sieht man einmal von den Querverbindungen zu den Romanen ab, ist die Suche nach der Wahrheit ziemlich austauschbar. Man weiß bei den meisten Szenen dann doch sehr schnell, was da als nächstes geschehen wird – was nicht unbedingt förderlich für die Spannung ist. Selbst die Heist-Szenen, wenn Diop mal seine Diebesfähigkeiten unter Beweis stellt, lassen an Einfallsreichtum vermissen. Da ist der Raub des Colliers schon der Höhepunkt.

Stylisch, aber nicht spannend

Dafür ist die Serie ganz stylisch geworden. Es gelang dem Team, die Brücke von gestern zu heute schlagen und eine Diebsgeschichte zu zeigen, die gleichzeitig nostalgisch und modern anmutet. Ein paar Gründe gibt es also schon, weshalb man sich Lupin anschauen könnte. Es sind nur nicht so viele, wie man im Vorfeld hätte erwarten dürfen. Da die fünf Folgen jeweils nur rund 45 Minuten lang sind, kommt zwar keine echte Langeweile auf. Tempo gibt es hier schon genug. Beim Nervenkitzel und Unterhaltungsfaktor wäre aber schon mehr drin gewesen, zumal Diop zwar nicht ganz ohne Charme ist, jedoch nicht unbedingt über eine fesselnde Persönlichkeit verfügt.

Credits

OT: „Lupin“
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Regie: Marcela Said, Ludovic Bernard, Louis Leterrier
Drehbuch: George Kay, François Uzan
Musik: Mathieu Lamboley
Kamera: Christophe Nuyens, Martial Schmeltz
Besetzung: Omar Sy, Vincent Londez, Ludivine Sagnier, Clotilde Hesme, Nicole Garcia, Hervé Pierre, Anne Benoit, Etan Simon, Soufiane Guerrab

Bilder

Trailer

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Lupin – Teil 1
„Lupin“ nimmt den berühmten Meisterdieb als Inspiration für eine Serie um einen Mann, der als Dieb nach der Wahrheit sucht. Das ist zwar ganz stylisch und mit interessanten gesellschaftlichen Kommentaren. Bei der Geschichte und den eigentlichen Diebesszenen begnügte man sich aber mit Klischees und Standards, weshalb Nervenkitzel und Unterhaltungsfaktor am Ende nicht so hoch sind wie erhofft.
6von 10

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