Child of Kamiari Month Netflix
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Child of Kamiari Month

Inhalt / Kritik

Child of Kamiari Month Netflix
„Child of Kamiari Month“ // Deutschland-Start: 8. Februar 2022 (Netflix)

Für Kanna gab es nichts Größeres, als mit ihrer Mutter Yayoi zu laufen und ihre eigenen Grenzen zu suchen. Doch das ist vorbei. Ein Jahr ist es inzwischen her, dass Yayoi gestorben ist, noch immer hat die 12-jährige Kanna schwer unter dem Verlust zu leiden. Selbst das Laufen macht ihr keinen Spaß mehr. Wenn sie sich dran macht, dann mehr aus einem Pflichtgefühl. Als sie bei einem Schullauf nicht gewinnt, zieht sie in ihrer Trauer und dem Schmerz ein altes Amulett an, das ihrer Mutter gehörte, um ihr auf diese Weise nahe zu sein. Dabei ahnt sie nicht, was sie damit auslösen wird: Um sie herum scheint die Zeit stillzustehen, seltsame Wesen erscheinen um sie herum. Eines davon ist ihr weißes Kaninchen Shiro, welches ihr verrät, dass ihre Familie göttlicher Abstammung ist. Sie selbst habe nun die heilige Aufgabe, in mehreren Tempeln Halt zu machen und dort Energie einzusammeln, die sie zu einer alljährlichen Götterversammlung bringen soll. Nach anfänglichen Zweifeln lässt sich Kanna darauf ein, in der Hoffnung, auf diese Weise ihre Mutter wiedersehen zu können …

Nachschub für Anime-Fans

Für Anime-Fans hat sich Netflix als eine der wichtigsten Quellen etabliert, wenn es um neue Serien geht. In der Filmsparte schwächelt der Streamingdienst hingegen deutlich. So gab es zwar in den vergangenen Wochen eine Reihe westlicher Animationsfilme. Aus Japan kam hingegen sehr wenig. Lediglich die empfehlenswerten, leider ziemlich untergegangenen Stand by Me Doraemon und Stand By Me Doraemon 2 vertraten hierzulande die Heimat. Mit Child of Kamiari Month kommt dann endlich mal wieder filmischer Nachschub. Und tatsächlich sollten nicht nur Freunde und Freundinnen fernöstlicher Animationskunst einen Blick auf das Werk werfen. Die Mischung aus universellen Themen und japanischer Spiritualität hat auch darüber hinaus ihren Reiz.

Dabei dürfte einem entsprechend erfahrenen Publikum einiges ziemlich bekannt vorkommen. Das Motiv, dass ein junger Mensch auf einmal eine magische Parallelwelt entdeckt, die mit der unseren verbunden ist, ist natürlich im Anime-Bereich weit verbreitet. Vor allem das legendäre Studio Ghibli hat sehr oft und sehr erfolgreich auf dieses zurückgegriffen. Tatsächlich ist das preisgekrönte Chihiros Reise ins Zauberland eine recht offensichtliche Inspiration, wenn sich ein Mädchen in das Land der Götter begibt. In beiden Fällen geht es darum, wie sich eine Jugendliche in einem fantasievollen Umfeld selbst finden muss. Bei Miyazakis Meisterwerk wurde das symbolisch am Namen festgemacht, den sich die Protagonistin zurückholen muss. Child of Kamiari Month verwendet das Bild des Laufens, wenn Kanna in ihrem Leben nicht mehr weiterkommt.

Zwischen Selbstfindung und Trauer

Sonderlich subtil ist das nicht. Zwischenzeitlich wird es auch mehr oder weniger vergessen, wenn sich die Geschichte stärker um das Miteinander der menschlichen Jugendlichen und ihrer Mitreisenden dreht, die der Welt der Fabelwesen und Mythen entstammen. Aber auch diese Passagen sind gelungen und geben einen kleinen Einblick in die japanische Spiritualität. Wer ein Faible hat für diesen Themenbereich, der sollte allein deshalb schon einen Blick auf Child of Kamiari Month werfen. Zwar wäre in der Hinsicht noch deutlich mehr möglich gewesen. Gerade die Zwischenstopps in den Tempeln fallen schon sehr kurz aus. Von den Drachen, Schlangen und sonstigen Kreaturen hätte man dann doch gern mehr gesehen und erfahren. Auch das Finale, wenn die anfangs abgekündigte Götterversammlung stattfindet, macht Lust auf deutlich mehr – jedoch ohne Erfolg.

Dafür gelingt es Regisseur Takana Shirai sehr schön, die emotionale Reise seiner Protagonistin zu veranschaulichen. Immer wieder verfällt diese ihren negativen Gefühlen, wird von Trauer und Wut überwältigt. Später kommt noch eine innere Leere hinzu, wenn nichts mehr für Kanna von Bedeutung ist. Child of Kamiari Month nähert sich an der Stelle auch behutsam dem Thema Depression an. Dass dieser Zustand nicht von Dauer ist, das ist klar. Der Anime will dann doch wenig überraschend ein aufbauendes Wohlfühlende, welches das Publikum innerlich gestärkt wieder in die Welt da draußen entlässt. Der Film handelt gleichermaßen davon, eine Position für sich selbst zu finden wie auch mit einem Schicksalsschlag umzugehen. Das wird in schöne Bilder verpackt, die auf das Konto des Animationsstudios Liden Films (The Heroic Legend of Arslan) gehen. Das Ergebnis kann es zwar nicht mit dem oben genannten Ghibli-Vorbild aufnehmen, ist aber eine würdige und sehenswerte Ergänzung im Netflix-Sortiment.

Credits

OT: „Kamiarizuki no Kodomo“
Land: Japan
Jahr: 2021
Regie: Takana Shirai
Drehbuch: Tetsurō Takita, Ryūta Miyake, Toshinari Shinoe
Musik: Jun Ichikawa, Naoki-T
Animation: Liden Films

Trailer

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In „Child of Kamiari Month“ erfährt eine Jugendliche, dass ihre verstorbene Mutter eine Göttin war. Der Anime ist eine schöne Mischung aus Coming of Age und Trauerarbeit, die zwar nicht ganz mit den offensichtlichen Vorbildern mithalten kann, dafür aber mit Elementen der japanischen Mythologie gefällt.
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