Animas Netflix

„Animas“ // Deutschland-Start: 25. Januar 2019 (Netflix)

Álex (Clare Durant) ist nicht unbedingt das, was man einen gefestigten Menschen nennen würde. Das Selbstwertgefühl der Jugendlichen ist weiter unten angesiedelt, sie verletzt sich auch gerne mal selbst mit einer Rasierklinge. Ihren größten Halt im Leben erhielt sie immer durch ihren Freund Bram (Iván Pellicer), mit dem sie durch dick und dünn ging. Nur hat der jetzt weniger Zeit für sie, seitdem er mit Anchi (Chacha Huang) zusammen ist. Aber das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Álex herumplagt. Immer wieder hat sie eigenartige Visionen, sieht monströse Gestalten, während sich die Welt um sie herum aufzulösen scheint. Doch was genau geht da in ihrem Haus vor sich?

Na endlich! Nachdem Netflix letztes Jahr zu Halloween ein ganzes Feuerwerk aus Horrorwerken auf das Publikum losließ, in Form zahlreicher Filme und Serien, war es zuletzt in der Hinsicht recht ruhig geworden. Mit Animas gibt es nun wieder Nachschub, aus Spanien sogar, das vor einigen Jahren als neue Hochburg des Genrekinos gefeiert wurde. Sehr viel ist in dem südeuropäischen Land in den letzten Jahren jedoch nicht mehr geschehen, diverse gefeierte Filmemacher zog es ins Ausland, um dort Karriere zu machen. Da trifft es sich doch ganz gut, wenn mit Laura Alvea und Jose F. Ortuño zwei bislang wenig bekannte Namen auf sich aufmerksam machen.

Ein Albtraum in Grün
Man darf dann auch hoffen, dass man von den zweien in Zukunft noch mehr hören wird. Vor allem mehr sehen wird: Animas, das beim traditionsreichen Sitges Genrefenfestival 2018 Premiere feierte, ist eines der beeindruckendsten Beispiele der jüngeren Vergangenheit, wie viel sich allein durch den Gebrauch von Farbe umsetzen lässt. Vor allem die Farbe Grün scheint es dem Regie- und Drehbuchduo angetan zu haben. In ein düsteres Neonlicht getaucht, irgendwo zwischen Hinterhof und Großstadtflimmern, erzeugen sie eine sehr eigene, unwirkliche Atmosphäre.

Letztere bzw. die Bilder sind dann auch über weite Strecken der eigentliche Grund, warum man hier einmal hineinschauen sollte. Wer Horror mit Jump Scares gleichsetzt, der wird hingegen weniger glücklich sein. Animas spielt zwar immer mal wieder mit Elementen des Genres, hält sich dabei aber sehr zurück. Statt Momenten des Schocks oder Grauens gibt es vor allem welche des Wunderns: Was passiert hier eigentlich? Wenn Álex durchs Haus streift, sich Perspektiven ändern, sich Farben ändern, Wesen auftauchen, die nicht da sein dürften, dann begeben wir uns auf einen Trip, der psychedelisch bis surreal ist. Bedrohlich eher weniger.

Langsam, verwirrend, sehenswert
Das liegt auch daran, dass der Film kein klassischer Genrefilm sein will, sondern mehr mit seinen Figuren beschäftigt ist. Im Mittelpunkt der Geschichte steht zum einen Álex, die dringend Halt in einer verwirrenden Welt sucht, aber eben auch die Freundschaft zu Bram – was schon immer das Wichtigste für sie war. Animas hätte durchaus auch als reines Drama funktionieren können. Ein Coming-of-Age-Streifen über eine Jugendliche, die ihren Platz suchen muss, nachdem die Pfeiler ihrer Kindheit wegbrechen.

Die ganz große emotionale Kraft entwickelt sich daraus jedoch nicht, trotz der ansprechenden Leistungen der Jungdarsteller. Dafür ist Animas einfach zu wenig fokussiert, gefällt sich zu sehr mit nebulösen Andeutungen, wabert zwischen verschiedenen Welten umher. Bis die Geschichte Fahrt aufnimmt, dauert es auch recht lange. Zu lange für viele. Dafür wird es zum Ende hin noch einmal interessant, wenn sich das alles in eine etwas andere Richtung als erwartet weiterentwickelt. Die belgisch-spanische Coproduktion ist sicher nicht die erste, die ein vergleichbares Szenario verwendet. Das Tempo ist zudem auch da nicht optimal, der Film braucht selbst nach der Wendung recht lange, da wurde etwas unbefriedigend auf Spielfilmlänge ausgedehnt. Aber es bleibt doch ein interessantes Werk, das aus der Masse teils sehr billig produzierter Horror-Austauschware hervorsticht, die wir auf Netflix oft durchstehen müssen.

Animas
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Animas
Eine Jugendliche kämpft mit einer auseinanderbrechenden Freundschaft und seltsamen Visionen. Das spielt zwar mit Horrorelementen, könnte aber auch als Coming-of-Age-Drama durchgehen. Für Shockfans wird eher wenig geboten, dafür ist das hier zu ruhig und zu langsam. Die mysteriöse Stimmung, die mit der psychedelischen Neon-Farbgebung einhergeht, macht den Film aber durchaus sehenswert.
6von 10

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