Un hombre de acción Ein Mann der Tat Netflix
© Netflix/Quim Vives

Ein Mann der Tat

Un hombre de acción Ein Mann der Tat Netflix
„Ein Mann der Tat“ // Deutschland-Start: 30. November 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Von klein auf wusste Lucio Urtubia (Juan José Ballesta), dass er sich im Zweifelsfall nur auf sich selbst verlassen kann. Denn als sein Vater schwer krank wurde und sie dringend Hilfe von der Bank gebraucht hätten, ließ die ihn hängen. Diesen Vorfall hat der Spanier, inzwischen erwachsen und nach Frankreich ausgewandert, nie vergessen. Dort macht er die Bekanntschaft von Anarchisten, die ihm von ihren Zielen erzählen und ihn dafür gewinnen können. Erste Erfahrungen mit Schmuggeleien hat er zu dem Zeitpunkt bereits gesammelt, während er noch bei der Armee war. Nun sollen Banken zu seinem Ziel werden. Dabei wird er von Quico Sabate (Miki Esparbé) inspiriert, der seinerseits mehrfach Banken ausgeraubt hat, um das Geld unter den Armen zu verteilen …

Raub für eine gute Sache

Wer andere ausraubt, gilt üblicherweise als schlechter Mensch. Aber es gibt Ausnahmen, wie das Heist-Movie-Genre zeigt. Dort werden auf einmal die Diebe zu Helden, indem ihre Opfer von vornherein als böse beschrieben werden – siehe etwa den Kassenschlager Ocean’s Eleven, wo das Publikum der Bande wider besseres Wissen die Daumen drückt. Oder auch Der Schatz des Duce, wo niemand Geringeres als Mussolini bestohlen werden soll. Da drückt man doch gern ein Auge zu. Wenn man aber auf Nummer sicher gehen will, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen nicht doch moralische Zweifel bekommen, muss die Beute an Menschen verteilt werden, die es dringend brauchen. Das Robin-Hood-Prinzip also. So geschehen beim Netflix-Film Ein Mann der Tat, der an die Geschichte des selbsternannten Weltverbesserers Lucio Urtubia erinnert.

Manche dürften von dem baskischen Anarchisten und Betrüger bereits gehört haben. Kürzlich trat er beispielsweise in dem Dokumentarfilm Belleville, belle et rebelle auf, der von dem ungewöhnlichen Publikum eines Pariser Cafés erzählte. Während dieser aber in der Gegenwart angesiedelt war und nur teilweise den Blick zurück auf die Vergangenheit wagte, da befasst sich Ein Mann der Tat bewusst mit den Anfängen des berüchtigten Verbrechers. So erfahren wir beispielsweise von seiner Jugend, die sein Weltbild maßgeblich mitprägte. Klar, wenn einem niemand helfen will, das Geld für den kranken Vater aufzutreiben, dann kann das schon dazu führen, dass man grundsätzlich Misstrauen gegenüber Institutionen und dem Kapitalismus entwickelt. Was bringt Reichtum, wenn damit nicht denjenigen geholfen wird, die es brauchen?

Interessant, aber langatmig

Der spanische Film gibt auf diese Weise durchaus interessante Einblicke in die Szene des Anarchismus, kombiniert persönliche Geschichten mit kriminellen Machenschaften. Ein Mann der Tat ist dabei, trotz der üblichen Dramatisierung und Verkürzung, den wahren Ereignissen im Leben von Urtubia verpflichtet. Das bedeutet, dass die Pläne von ihm und seiner Gruppe nie so überzogen sind, wie man es aus fiktionalen Heist Movies kennt. Ob sie nun Banken ausrauben oder später das Geschäft mit Fälschungen beginnen, das ist doch alles recht simpel. Aber nicht minder erfolgreich. Die Unverfrorenheit, mit der die anarchistische Vereinigung sich gegen den Erzfeind Bank zusammenschließt, ist durchaus imponierend. Es gelingt dem Film dabei auch, die Balance aus kritischer Distanz und Faszination für die Protagonisten zu behalten.

Dennoch sollte man nicht zu hohe Erwartungen daran haben, dass sich der Film mit moralischen Fragen befasst. Die Frage, ob es gerechtfertigt sein kann, anderen ihren Reichtum wegzunehmen, ist sicherlich spannend und gerade von einer größeren Aktualität – siehe die derzeitigen Diskussionen um Enteignungen und Übergewinnsteuern von Kriegsprofiteuren. Ein Mann der Tat will sich darauf aber nicht wirklich einlassen, sondern beschränkt sich darauf, den Lebensweg des Protagonisten nachzuzeichnen. Auch der ist interessant genug, der Film funktioniert zum Teil zumindest als Zeitporträt. Dem Biopic geht aber selbst jeder anarchistische Geist ab, ist vielmehr etwas bieder und an manchen Stellen auch langatmig. Ob es wirklich 110 Minuten gebraucht hätte für diese Erinnerung, darüber kann man hier geteilter Ansicht sein.

Credits

OT: „Un hombre de acción“
IT: „A Man of Action“
Land: Spanien
Jahr: 2022
Regie: Javier Ruiz Caldera
Drehbuch: Patxi Amezcua
Kamera: Sergi Vilanova Claudín
Besetzung: Juan José Ballesta, Liah O’Prey, Luis Callejo, Miki Esparbé, Alexandre Blazy, Ben Temple, Fred Tatien, Ana Polvorosa

Bilder

Trailer

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Ein Mann der Tat
fazit
„Ein Mann der Tat“ erinnert an den spanischen Anarchisten Lucio Urtubia, der zunächst Banken ausraubte und sie später mit anderen Betrügereien erleichterte. Das ist teilweise ganz interessant als Einblick in die damalige Zeit und die anarchistischen Kreise. Teilweise ist der Film aber auch etwas langatmig, zumal er sich auf die spannenden gesellschaftlichen und moralischen Fragen nicht einlassen mag.
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