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The One – Finde dein perfektes Match Netflix

„The One – Finde dein perfektes Match“ // Deutschland-Start: 12. März 2021 (Netflix)

Mühselig im Internet oder in Bars nach der großen Liebe suchen? Das war einmal. Denn bei der Partnervermittlung The One läuft das automatisch. Man muss dort nur seine DNA abgeben, der Rest wird berechnet. Gibt es dabei ein Match, dann steht dem Glück nichts mehr im Wege. Schließlich handelt es sich dabei um die eine Person, die so perfekt zu einem passt, dass man nie wieder jemand anderen haben will. Mit diesem Versprechen tritt Rebecca Webb (Hannah Ware) an, die Chefin des besagten Unternehmens. Das Interesse daran ist groß, sowohl bei der Bevölkerung wie auch den Investoren, die sich hiervon jede Menge Geld versprechen. Doch dann wird eine Leiche gefunden, die alles durcheinander zu bringen droht …

Liebe als Wissenschaft

Ein kleines Déjà-vu-Gefühl darf man an dieser Stelle schon haben. Gerade erst erschien auf Amazon Prime Video die Serie Soulmates, welche von der Möglichkeit erzählt, mithilfe einer neuen technologischen Entwicklung Seelenpartner*innen zu finden. Nun zieht Netflix mit The One – Finde dein perfektes Match nach, einer Serie mit einem ganz ähnlichen Szenario. Um eine reine Kopie handelt es sich dabei jedoch nicht. Zum einen basiert die britische Produktion auf dem gleichnamigen Roman von John Marrs, der schon 2019 bei uns erschien. Außerdem kam der Einfall für diese Geschichten natürlich nicht aus dem Nichts. Schon heute versprechen hochpreisige Partnervermittlungen im Internet, aufgrund von Algorithmen und ausgeklügelter Datenabgleiche das Glück per Knopfdruck. Da ist der Gedankensprung nicht mehr besonders groß.

Anders als der obige Anthologie-Kollege, der mehr einer Wundertüte glich, die von Folge zu Folge neue Figuren präsentierte und auch schon mal das Genre wechselte, wird in den acht bisherigen Folgen von The One – Finde dein perfektes Match eine durchgängige Geschichte erzählt. Gewissermaßen. Genauer gibt es hier mehrere Stränge, die parallel erfolgen und zwischen denen munter hin und her gewechselt wird. Neben dem Hauptstrang um Webb, die dubiosen Vorgänge in ihrem Unternehmen und die gefundene Leiche gibt es auch welche, die sich mit dem Thema Liebe befassen. Die Idee des perfekten Matches bringt dabei viel durcheinander. Auf einmal entstehen Unsicherheiten in bestehenden Beziehungen. Andere sehen keinen Sinn mehr in der Partnersuche ohne ein wissenschaftlich abgesegnetes Zertifikat, das sagt: Ja, das passt.

Eine Geschichte voller Fragen

Als Themenbereich ist das, obwohl nicht gerade neu, sicherlich spannend. Zum einen geht es um die immer wieder gern gestellte Frage, ob es die eine große Liebe gibt – und was das für andere Beziehungen bedeutet. Was würde eine solche Liebe ausmachen? Was sind die Kriterien? Kann es noch Romantik geben, wenn ein die DNA vorgibt, wen man liebt und begehrt? Man darf aber auch darüber nachgrübeln, ob es überhaupt wünschenswert ist, diese eine Liebe zu finden. So richtig konsequent verfolgt The One – Finde dein perfektes Match diese Fragen aber nicht. Stattdessen gibt es jede Menge konstruiertes Drama, wenn sich die Menschen bei all den technologischen Möglichkeiten mal wieder alle selbst im Weg sind.

Wenn etwa eine Frau so unsicher ist, was ihre Beziehung angeht, dass sie hinter dem Rücken ihres Mannes dessen Match sucht, um sich von ihr etwas abzuschauen, darf man sich schon fragen: warum so umständlich? Auch sonst gibt einem The One – Finde dein perfektes Match jede Menge Anlässe, sich über die verschiedensten Figuren und die damit verbundenen Geschichten aufzuregen. Da geht es um dunkle Geheimnisse, unterdrückte Gefühle und all die sonstigen Probleme, die in solchen Dramen meist völlig überflüssig auftreten. Die Zuschauer und Zuschauerinnen sollen schließlich möglichst nah dran sein an dem emotionalen Gau und dem Nervenkitzel, den ein von Intrigen und Übergriffigkeiten geprägtes Ensemble so mit sich bringt.

Viel Drama um nichts

Das wird dann für ein Publikum eine gute Nachricht sein, welches einen gewissen Hang zur Seifenoper mit sich bringt. Wer sich jedoch von dem Science-Fiction-Szenario eine oft damit verbundene Philosophierichtung erhofft, der geht eher leer aus. Stattdessen schwankt die Serie zwischen verschiedenen Genres hin und her, ist mal mehr auf der Drama-Seite, dann wieder ein Krimi, ohne sich dabei richtig festlegen zu wollen. Grundsätzlich ist das zwar noch in sich stimmig, anders als das besagte Soulmates, das aufgrund der unterschiedlichen Kreativteams regelmäßig starke Brüche in Kauf nahm. Aber es ist auch ein wenig langweilig und ohne echtes Profil. So als wusste man letztendlich nicht, was man genau hiermit eigentlich machen wollte. Da sind insgesamt noch genug interessante Aspekte drin, damit sich ein Reinschalten lohnt. Aber es hätten doch deutlich mehr sein können.

Credits

OT: „The One“
Land: UK
Jahr: 2021
Regie: Jeremy Lovering, Catherine Morshead, Brady Hood
Drehbuch: Howard Overman
Vorlage: John Marrs
Musik: Ian Arber, Dave Rowntree
Kamera: Ruairí O’Brien, Anna Patarakina, Daniel Atherton
Besetzung: Hannah Ware, Dimitri Leonidas, Diarmaid Murtagh, Zoë Tapper, Lois Chimimba, Eric Kofi-Abrefa, Jana Pérez, Stephen Campbell Moore, Gregg Chillin, Albano Jerónimo, Pallavi Sharda, Amir El-Masry

Bilder

Trailer

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The One – Finde dein perfektes Match 
In „The One – Finde dein perfektes Match“ wirbt ein Unternehmen damit, mittels eines DNA-Tests die große Liebe finden zu können. Das wirft natürlich diverse interessante Fragen auf. So richtig an diesen interessiert ist die Serie aber daran nicht, mixt lieber Drama, Romanze, Science-Fiction und Krimi zusammen. Bei dem Thema wäre deutlich mehr drin gewesen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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